Frank-Bölter-Weg

Um 11:22 Uhr kam Frank Bölter auf Gleis 17 mit dem Regionalexpress aus Köln in Münster an. Er schulterte sein Schild, das fachgerecht an seiner Schilderstange hing und promenierte die Windhorststrasse hoch, kreuzte die Promenade, den Domplatz, die Frauenstraße, nur um am Schlossplatz einen Weg links vorm Schloss neu zu bezeichnen. Den Frank Bölter Weg.

Auf einem Video von Konrad Abeln festgehalten war Bölters Schilderweg in einem beiläufigen Monitor bei Foto Köster zwischen neuen Kameras präsentiert. Es zeigte die freundliche Beihilfe beim Schildergang durch die Punks, die man geläufig auf den Mauern vorm Lackmuseum antrifft, und die ihm das Schild für ein paar Schritte abnahmen. Und sichtbar werden dort die Passanten, die den Weg mitverfolgten und eben das hochselbstverständliche Geschehen einer künstlerischen Aneignung begleiteten.

Wem der öffentliche Raum gehört, wird hier unzweifelhaft geklärt – der Kunst im Allgemeinen und Bölter im Speziellen. Seinem eigenen Ruhm voraus eilt die Bezeichnung auf der münsterschen Kartografie. Dass es in Köln bereits einen Bölter Park gibt, soll nur anmerkende und anerkennende Erwähnung finden. Doch weit mehr als die selbstreferentielle Bedeutung der zeichenhaften Intervention in das vorliegende Straßenkataster wiegt das Gewicht, der selbstbeauftragten Handlung. Das sich selbst zugesprochene Recht auf offizielle Bezeichnung wird ent-demokratisiert und radikal individualisiert. Ein Konflikt mit der amtlichen Registratur ist augenfällig und wird von Bölter höflich in Kauf genommen.
Frank Bölter gelingt mit seinem Bölter-Weg ein humorvoller Kommentar auf die gerade durch Volksentscheid herbeigeführte Entscheidung zur Umbenennung des Hindenburgplatzes in den Schlossplatz. Er bezieht Stellung, ohne sich politisch zu kaprizieren und ohne das verbal anzuführen. Er stellt den formaljuristischen und demokratischen Weg der Bezeichnungsfindung in Abrede und mit seinem performativen Schildergang durch die Stadt erinnert seine Schulterlast en passant an den Weg Christi nach Golgatha ebenso wie es den aufmerksamen Beobachtern einen freundlichen Anreiz zum Nachdenken gibt.

At 11:22 a.m. Frank Bölter arrived in Münster on platform 17 with the regional express from Cologne. He shouldered his sign, which hung expertly from its pole, and promenaded up Windhorststrasse, crossing the promenade, Domplatz, Frauenstrasse, only to re-designate a path on the left in front of the castle at Schlossplatz. The Frank Bölter Weg.

Captured on a video by Konrad Abeln, Bölter’s signpost path was presented in a casual monitor at Foto Köster between new cameras. It showed the friendly assistance in walking the sign by the punks who are commonly encountered on the walls in front of the Lackmuseum and who took the sign from him for a few steps. And visible there are the passers-by who followed the path and accompanied the highly self-evident event of artistic appropriation.

Who owns the public space is unquestionably clarified here – art in general and Bölter in particular. His own fame is preceded by the designation on the Münster cartography. The fact that there is already a Bölter Park in Cologne should only be mentioned in a noteworthy and appreciative way. But far more important than the self-referential significance of the symbolic intervention in the present street cadastre is the weight of the self-commissioned act. The self-assigned right to official designation is de-democratised and radically individualised. A conflict with the official registry is obvious and politely accepted by Bölter.
With his Bölter-Weg, Frank Bölter succeeds in making a humorous commentary on the decision to rename Hindenburgplatz Schlossplatz, which has just been brought about by referendum. He takes a stand without being politically capricious and without verbalising it. He disputes the formal legal and democratic way of finding a name and with his performative sign walk through the city, his shoulder load en passant reminds us of Christ’s way to Golgotha just as it gives the attentive observer a friendly incentive to reflect.

Text: Ruppe Koselleck