
Frank-Bölter-Park
Temporäre Installation Vorgebirgspark, Köln | 2010 Eine offiziöse Verlautbarung zur überraschenden Umbenennung des Vorgebirgsparks könnte etwa folgenden Wortlaut haben: „In der langen Geschichte der Namensgebung von öffentlichen Parkanlagen und Plätzen wird hier und heute erstmalig zu Ehren eines noch lebenden Künstlers eine Grünanlage eingeweiht. Das bislang wegen ihrer Lage Vorgebirgspark genannte Areal wird fortan den Namen Frank-Bölter-Park tragen. Üblicherweise verdienen herausragende Persönlichkeiten durch ihr außerordentliches Wirken während ihrer gesamten Lebens- und Schaffenszeit eine derartige Würdigung als Zeichen der öffentlichen Anerkennung. Folglich wird ihnen diese Ehre jedoch erst nach ihrem Ableben zu Teil. Für den Künstler Frank Bölter wird nun erstmals eine Ausnahme gemacht. Sie ist begründet durch die intensive Wirkung seiner vielfaltigen öffentlichen Aktionen und Auftritte und durch seine große, aus diesem kompromisslosen und mutigen Schaffen erwachsende Reputation, die ihn in der schwierigen Phase der Namensfindung zum einzig möglichen Kandidaten hat werden lassen. Er hat mit seinen eindrucksvollen und viel beachteten Aktionen im öffentlichen Raum immer wieder für Aufsehen gesorgt, aufgerüttelt. Erinnert sei nur an seine waghalsige Bootsfahrt über 600 Seemeilen in einem Papierschiff kreuz und quer durch Europa …“ Ein entsprechendes Straßenschild Frank-Bölter-Park ist bereits aufgestellt. Zudem wird ein allerdings noch nicht ganz vollendetes Denkmal für den Künstler die Umbenennung der Grünanlage auf den noch ungewohnten Namen Frank-Bölter-Park nachhaltig im öffentlichen Bewusstsein verankern. Vorerst steht nur ein erstaunlich konventioneller Sockel umgeben von ebenso konventionellem Blumenschmuck im Zentrum des als Einganszone des Parks dienenden Baumhofs. Noch fehlt die eigentliche Skulptur, eine den Künstler darstellende Büste etwa, ein auf der Sockeloberseite sichtbares Gewinde weist auf das noch ausstehende, dort zu fixierende repräsentative Stück hin, macht die eigentümliche Leere dieses Postaments zu einer Leer- und Baustelle des Ruhmes. Naturgemäß unvollständig bleiben muss in dieser besonderen Würdigungssituation auch die auf das Wesentliche reduzierte Beschriftung des Sockels, lapidar lautet sie: „Frank Bölter / 1969 – „. Irritierend ist diese Lücke, das dereinst nachzutragende aber schon mitgedachte Sterbejahr fungiert als ein memento mori. Brüchig wird die Seriosität aller dieser Würdezeichen durch ihre Machart. Nicht allein die völlige Banalität der gewählten Formen, auch die Ausführung – das Heimwerkerhafte und Rohe des Sockels – lassen das ganze Ensemble der Parkneubenennungszutaten zweifelhaft erscheinen, sie untergraben den behaupteten Ehrerweis des frisch aufgestellten Schildes Frank-Bölter-Park, der durch den nachlässig gebauten Denkmalsuntersatz eben nicht beglaubigt wird. Der Künstler Frank Bölter gestaltet mit traditionellen Dignitätsmustern die anmaßenden Behauptung Frank-Bölter-Park als Imitation grundlosen Ruhmes, macht den ehemaligen Vorgebirgspark zum Schauplatz vermeintlicher Eintagsberühmtheit, wie sie massenmedial fortwährend produziert wird. Grotesk erscheint die eitle Selbstüberschätzung, lächerlich (oder auch tragisch) die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Getarnt als leichtfertig erscheinende Inszenierung eingebildeter Größe handelt Frank Bölters Frank-Bölter-Park vom schwierigen Status, der unsicheren Wertschätzung des Künstlers, den Kriterien für (kulturelles) Erinnern und Vergessen, dem tiefen Bedürfnis nach Berühmtheit, den Formen ihrer Konstruktion. Text: Jens Peter Koerver




Blume Werden!
Performance – Temporäre Installation Kunsthalle Göppingen | 2024 Straßentheater ZigZag, Lausanne, Schweiz | 2019 Figura: Theater Festival Baden, Schweiz | 2018 Internationales figuren.theater.festival Erlangen | 2017




Bis zum Ende der Welt
Performance - Temporäre Installation Hitzler Werft, Elbe-Lübeck-Kanal | 2007 ERSTER AKT Hitzler Werft, Elbe-Lübeck-Kanal in Lauenburg, km 61,35 - Große Werfthalle, im Hintergrund wird an einem 120 Meter langen Schiffskörper aus Eisen gearbeitet. 2 Rollen Getränketütenkarton. Schlaggeräusche, es ist unruhig und laut. Herr Büker, Frau Rothschild, Jon Manshardt, RTL, SAT1, Werftarbeiter, Katharina Bunzel, Hamburger Abendblatt, Landeszeitung Lüneburg, Lauenburger Landeszeitung, Harun, Arian, Jule, Harald u. Mutter, Pavel, Ümit, Nachbar Bodo.




Signing Academy/Academic Square
Temporäre Installation – dauerhafte Installation Ausstellungsraum I, Kunstakademie Münster | 2004 Signing Academy | temporäre Installation | Gravur im Estrich | 01. November – 27. Dezember 2004 Academic Square | dauerhafte Installation – Kunst am Bau | ab 27. Dezember 2004 ›Signing Academy/Academic Square‹ konkretisiert die Arbeitssituation der Studenten an der ‚neuen’ Kunstakademie Münster anhand eines installativen Eingriffs in den Neubau und gilt als monumentalarchitekturkritische Geste über den Präzidenzfall hinaus. Der Neubau der Kunstakademie Münster wurde mit dem Ziel ausgerufen, eine auf die zeitgemäß hohen Ansprüche der Kunststudenten zugeschnittene Ausbildungsstätte zu schaffen. Nach der Fertigstellung im Jahre 2000 intendierten der Verwaltungsapparat und die bürokratischen Ordnungskräfte ein Klima der Gebäudekonservierung, das zu Blockaden beim kunststudentischen Arbeiten und Forschen und zu Problemen bei der erforderlichen Inbesitzname des Instituts durch die Zielgruppe „Kunststudenten“ führte. Maßgebliche Beschneidungen der Studenten und ihrer Möglichkeiten durch eine Überpräsenz zeitgenössischer Architektur und daraus resultierender hausordentlicher Verhaltensregeln und Verbote erschwerten den Studenten einen Zugang zu adäquaten Handlungsfreiräumen im europaweit einzigen extra für Kunststudenten konzipierten Bauwerk. Der § 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG, der die Werke von Architekten als Werke der Baukunst schützt, steht der freien, kunstakademischen Nutzbarkeit des Gebäudes gegenüber. So durften sich beispielsweise Dozenten und Studenten der Faches Malerei über ein äußerst auffälliges, grobmaschiges Fugenmuster des Mauerwerks in allen Klassenräumen wundern, was eine sensible Präsentation im kleinen Format mindestens erschwert. Für Hängungen durften keine Nägel benutzt werden, stattdessen wurden Galerieschienensysteme installiert. Speziell die für Examenspräsentationen konzipierten Ausstellungsräume A1 und A2 sind durch die Ausstattungselemente der Lichtanlage, sichtbarer Stromleitungen und gebäudestrukturbedingtem Lärm umfassend gestört. Eine bis zur Präsentation von ›Signing Academy‹ hinter vorgehaltener Hand geführte Diskussion unter Studenten und Professoren wurde durch die handschriftliche "Signatur der Kunstakademie" und Gravur im Estrich bei gleichzeitigem Geständnis öffentlich. Vor dem Hintergrund des Studiums der ‚Unfreien Kunst’ entstand die exemplarische Arbeit ›Signing Academy‹, die als kunstkommunikatives und architekturkritisches Statement zu ›Academic Square‹ führte.




Haus des Friedens
Performance - Temporäre Installation Rathausplatz, Augsburg | 2025 Das „Haus des Friedens“ ist der Bau eines alle Bereiche der Augsburger Gesellschaft integrierenden und sämtliche Öffentlichkeiten befruchtenden wie bereichernden monumentalen Friedensgebäudes für alle in Augsburg ansässigen Menschen aus faltbaren und temporär haltbaren „Pappsteinen“ auf dem Augsburger Rathausplatz. Im vorbildlichen Miteinander wird ein den weltweit notwendigen Friedensdialog abbildendes Denkmal gebaut, das als temporäres Dach der eigenen Friedensbemühungen alle gesellschaftlichen Sparten, separierte Blasen und Parallelgesellschaften zusammenführend skulptural beheimatet. Falte, gestalte und Baue mit! Ab dem 15. März könnt Ihr die kinderleicht faltbaren und zu bemalenden vorgestanzten Pappelemente im Friedensbüro der Stadt, Bahnhofstr. 18 1/3a (Hinterhof) in 86150 Augsburg abholen, um sie mit einem persönlichen Friedensbericht oder einer gemalten oder gezeichneten Friedensaktion zurückzubringen oder die „Steine“ ab dem 01. Mai 2025 auf dem Rathausplatz mit zu vermauern. Stein um Stein wird „das Haus des Friedens“ von Euch gebaut, Bild für Bild werden Eure Friedensbemühungen im Innern des Hauses ausgestellt, Schritt für Schritt gehen wir gemeinsam in den Frieden. Am Ende der Bauphase wird mit dem letzten Stein das ephemere Denkmal des Friedens am 8. Mai 2025, 80 Jahre nach der Beendigung des 2. Weltkrieges, verschlossen, versiegelt und die Ausstellung der gemeinschaftlich geschaffenen Bauskulptur mit seinem verbarrikadiertem Inhalt „eröffnet“ und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die im Inneren an den Wänden des Gebäudes in der Bauphase zuvor ausgestellten „Schätze der privaten Augsburger Friedensbemühungen“ ist nur in der Bauphase der Öffentlichkeit zugänglich und verbleibt nach Fertigstellung und Eröffnung hinter dem Bollwerk verborgen: Das Ideal des Friedens scheint demnach ein unbetretbarer Ort zu sein, der nur auf Kosten von Zerstörung des höchst fragilen Gebäudes zu betreten ist? Wer wissen will, wie die Ausstellung im Inneren aussieht, muss sich mit Gewalt Zutritt verschaffen. Wer wagt den ersten Schritt, um zu sehen, was sich im Innern befindet? …



Der Elefant im (Straf-)Raum
Performance - Temporäre Installation öffentlicher Raum, Köln-Kalk | 2024 Sonntag, 01.09.2024 um 15 Uhr - erster Teil Wir treffen uns zum Kalkfest auf dem Hof der Sünner Brauerei zum Biertrinken, als Tommy plötzlich mit dem Fahrrad angerauscht kommt und meint: „Moin. Wir haben überall Wohnungsnot, Mietwucher und Separationspolitik der Mächtigen. Ihr Müsst was tun!“ Arthur meint: „Machen wir. Wir trinken für eine bessere Welt.“ Lenny pflichtet bei: „Wobei das Bier auch immer teurer wird.“ Bela ergänzt: „Wir haben heute hier nämlich eine Demo für eine Stadt ohne Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen ein Menschenrecht ist und fordern Wohnungen für alle!“ Arthur staunt über Wortgewandt-, Klug-, und Allwissenheit seines Freundes Bela. Lenny kramt eine Faltanleitung für ein Origami-Haus aus seiner Hosentasche und erklärt, die sei zwar mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden, aber noch lesbar, Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“ Plötzlich erscheint wie aus dem Nichts Christiane und behauptet: „Wir haben heute hier nämlich eine Demo für eine Stadt ohne Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen ein Menschenrecht ist und fordern Wohnungen für alle. Ihr müsst was tun!“ Arthur meint: „Machen wir. Wir trinken für eine bessere Welt.“ Lenny pflichtet bei: „Wobei das Bier auch immer teurer wird.“ Bela ergänzt: „Wir haben heute hier nämlich eine Demo für eine Stadt ohne Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen ein Menschenrecht ist und fordern Wohnungen für alle.“ Arthur staunt weiter über Wortgewandt-, Klug-, und Allwissenheit seines Freundes Bela. Lenny steckt die Faltanleitung für ein Origami-Haus wieder in seine Hosentasche und erklärt die sei mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden und deswegen nicht mehr lesbar, Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“ Plötzlich erscheint wie aus dem noch Nichtser Wolfgang und ruft: „Die haben heute hier nämlich für mich eine Demo für meine Stadt ohne meine Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen mein Menschenrecht ist und fordern eine Wohnung für mich. Ich hab Euer Plakat gesehen. Ihr müsst was für mich tun!“ Arthur staunt weiter und weiter über Wortgewandt-, Klug-, und Allwissenheit seines Freundes Bela, Lenny kramt die Faltanleitung für ein Origami-Haus wieder aus seiner Hosentasche und erklärt, die sei zwar mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden und deswegen nicht mehr lesbar, aber er kenne die sowieso auswendig. Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“ Wolfgang meint: „Ich bin obdachlos und Ihr seid „Angels“. Ich nehme das Haus, wenn es fertig ist. Ihr könnt das für mich in den Park stellen. Ihr müsst nur sofort die Polizei anrufen und sagen, dass das Haus von Euch kommt. Die Polizei kommt dann auch sofort und nimmt mir das Haus aber nicht wieder weg. Deswegen müsst Ihr sofort bei der Polizei anrufen und sagen, dass das von Euch kommt. Wenn Ihr das macht, dann sehen die, dass das aus der Mitte der zivilisierten Bevölkerung kommt und nicht von mir, also vom geduldeten "unzivilisierten Rand der Gesellschaft". Die kommen dann zwar kucken, sehen Euch aber bei mir. Nur so kann das stehen bleiben. Ich bin dann auch nicht mehr so obdachlos und Ihr seid „Angels“.“ Arthur staunt weiter und weiter und weiter über Wortgewandt-, Klug-, und Allwissenheit seines Freundes Bela, Lenny steckt die Faltanleitung für ein Origami-Haus wieder in seine Hosentasche und erklärt, die sei zwar mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden und deswegen nicht mehr lesbar, aber er kenne die sowieso in- und auswendig, darüber hinaus käme ein-Haus-für-die-Polizei-falten nur ohne ihn nicht in Frage(?). Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“










NEOKunsthalle Göppingen
Temporäre Installation Bahnhofsvorplatz, Göppingen | 2024 B A U T A G E B L O G G - 1. Akt Vorbereitung „NEOKunsthalle Göppingen“ 18.12.2023 Besuch der Kunsthalle Göppingen mit Ortsbegehung und Besichtigung des Stadtmuseums, des Kornhauses wie verschiedener Plätze und Parks bzgl. seiner bzw. ihrer Eignung für öffentlichkeitsinvolvierende Kunstprojekte. Inspirierende Wirkung entfaltet der Erfindergeist der Göppinger in Form von Märklin, der Miniaturseidenstickerei, origineller Kochbücher etc., nachzuvollziehen im Stadtmuseum Göppingens.






































Auf großer Fahrt von Citeaux nach Gravenhorst
Performance - Temporäre Installation Kloster Citeaux (Fr.), Canal de l'Est, Mosel, Rhein, Dortmund-Herne-Kanal, Kunsthaus Kloster Gravenhorst | 2006


Publikation „Auf großer Fahrt“, erschienen im Salon Verlag, Auflage 1000, 68 Seiten, Hardcover mit Umschlag aus Milchkarton, 21 x 16 cm
mit Texten Frank Bölter


François Beultier
Malerei, Performance - Temporäre Installation Kunstakademie Münster | 2024, Galerie Hausen | 2024 „Im Studium der freien Kunst entschloss ich mich, die Entwicklung der Kunsthochschulen bzgl. ihrer Fokussierung auf die neuen Medien mit der Entscheidung, meine damals einzige Zimmerpflanze, eine Primel, immer und immer wieder zu „porträtieren“, malerisch zu kommentieren. Die in den wöchentlichen Kolloquien in der Malereiklasse in „Rückwärtsgewandtheit zwischen Impressionismus und Expressionismus“ verortete Malerei wie die permanente Anwesenheit des pflanzlichen Wesen veranlassten mich, mein gesamtes Studium und darüber hinaus, meine Zimmerpflanze durch die Malerei zu hegen und zu pflegen. Als kritische Position zur Konzentration der Kunstakademien auf die neuen Medien wurde das erst nach etlichen Präsentationen der „Primel“ auf den jährlichen Rundgängen erkannt. Zunächst brachte man diese etwas „langweilige Malerei“ nicht mit meinen damaligen, als wesentlich interessanter bewerteten Performances überein, denn die Unterschrift der Kunstfigur „François Beultier“ war nur auf der Rückseite zu finden. Niemand macht sich die Mühe, die Bilder mal als ganzes Objekt zu betrachten. Zum Glück war mein Studium zu Ende, bevor dieser Umstand erkannt und eine Karriere in der Malerei damit möglich wurde“ (…), berichtet François Beultier rückwirkend in einem Text über seine Studienzeit um die Jahrtausendwende. François Beultier hatte seinen ersten Auftritt in einer Kunstakademie beim Rundgang im Wintersemester 2000/2001, als er mit angeklebtem Künstlerschnurbart, geschwungenem Seidenschal mit aufgesetztem Hut und Gebahren kostümiert auftrat und eine Reihe seiner gemalten „Primeln“ in den Fluren der Hochschule und in seiner Klasse ausstellte. Die Kunstfigur „François Beultier“ fand nicht sonderlich viel Beachtung, war den Kommilitonen der angehende Künstler doch schon unter anderem Namen bekannt. Zudem waren seine Bilder für das Publikum unsichtbar auf der Rückseite signiert und die Signatur demnach nur bei zu intensiver Beschäftigung mit dem Bild und allseitiger Betrachtung der Leinwandobjekte zu entdecken. Eine seinerzeit namhafte Galerie im Rheinland vermied schließlich eine Präsentation der augenscheinlich „delikaten Malerei“ Beultiers mit der Begründung einer zu „arg listigen Täuschung“ innerhalb der bereits anberaumten Einzelausstellung. So blieb dem „französischen Künstler“ zunächst eine angemessene Karriere versagt, was ihn zunächst in eine langanhaltende Malblockade führte, die sich aber im Angesicht der zunehmenden Bedeutung der Thematik von Täuschung und Enttäuschung in den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten mehr und mehr löste… Der Kunst wird gern die Sichtbarmachung der allgemeinen Suche des Menschen nach seiner Position in der Welt, einer Identifikation des Individuums und einer Bestimmung des Ichs zugeschrieben. In der Kunstgeschichte können wir an der Entwicklung der „Handschrift“ ablesen, wie ausdifferenziert sich das Individuum zu behaupten vermag und abzugrenzen versteht. Was aber, wenn sich ausschließlich die Konzentration auf das Ego kausal zur Dimension des Erfolgs eines Künstlers verhält? Wenn der Mensch von seiner egoistischen Entwicklung, der dauerhaften Pflege desselben und ein messbarer Gewinn nur von der Ausbildung des Egos abhängt und die Unfähigkeit, davon abzulassen wie der Mangel an anderen Strategien eine Situation gebiert, die sich im Persönlichen wie im Gesellschaftlichen derzeit überall zeigt und der einzige Ausweg als eine überall postulierte Transformation des- und derselben verkauft wird, damit wir doch wieder im Ego-fokussierten Bewusstsein landen? Veranschaulicht die angestrengte und akademisch angestrebte Suche nach dem Alleinstellungsmerkmal eines Künstlers und damit die wieder erkennbare Handschrift einer Künstlerpersönlichkeit nicht genau dieses Problem? Sollte damit etwa allgemein sichtbar werden, dass Ausbildungen, Karrieren, technischer Fortschritt genau wie alle anderen gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen nur in eine Sackgasse der übersteigerten Egos führen und hier enden? Wenn dem so sein sollte, wird damit die Handschrift bei der Tiefe und Größe der Problematik obsolet zugunsten eine Epoche permanenter Wandelbarkeit von Handschriften, Haltungen und Hirarchien? Einzig eine höchste Qualität und Professionalität innerhalb einer Palette von Fertig- und Fähigkeiten bliebe erhalten und zeichnete den Menschen jenseits seiner Signatur diverser Handschriften aus. So entfaltet sich womöglich nach einer Zeit der Entwicklung des Solisten, Solitären und damit Separierten seit Albrecht Dürers „Selbstbildnis als Künstler“ im Jahre 1498 und seiner Pflege über die folgenden Jahrhunderte möglicherweise ein Sprung über das Bewusstsein des Egos hinaus, nur wohin? Was kommt nach der Entwicklung und Entfaltung des Egos, das zumeist auf Kosten anderer ausgeprägt werden muss? - Wie entstanden die allseits zu beobachtenden Täter- und Opferspiele, zu der sich neben diesen beiden Rollen, auch noch die des Initiators dieser Spiele, der sich dann auch noch als Retter des Opfers und als Richter des Täters aufspielen darf? Nehme ich mangels Sensibilität und Übersicht eine dieser Rollen ein, dränge ich mein Umfeld nur dazu, die anderen Plätze einzunehmen und es entsteht ein Verhalten innerhalb dieser Rollen, das alle unlebendig macht, da wir allmählich diese Rollen in Lebensgewohnheiten verwandeln und schließlich ganz mit dem Leben verwechseln. Ganze Industrien werden um den Erhalt dieser Rollen herumgebaut und behauptet, ohne sie könnten wir nicht überleben. Eine Dimension der Täuschung entsteht, die wir aufgrund ihrer Größe für die Wahrheit halten. Werden wir in diese Funktionen gedrängt, entsteht in dem Menschen, der es sich gestattet, ein Gefühl der Getrenntheit von sich selbst und von der Welt, das neben dem Bedürfnis nach Entfaltung das wichtigste Gefühl des Menschen überhaupt ist: die Verbundenheit. Jedes kleine Kind strebt danach und muss lernen, das beide Grundsteine seiner eigenen Entwicklung auf der Erde nicht gelebt werden können. Ähnlich verhält es sich mit der Rolle des Künstlers, der (mehr oder weniger verzweifelt) versucht, auf seine Umgebung über Impulse Einfluss zu nehmen, ihr Erneuerungen zu verschaffen, Innovative Elemente einzuverleiben, auch noch permanent Denkanstöße liefert und an Gefühle appelliert, um selbst aus seiner Rolle heraus zu finden und andere bestenfalls mit in die Lebendigkeit zurück zu führen. Dabei stabilisiert er nur durch seinen Beitrag den Mangel an Lebendigkeit, indem er so tut, als sei in dieser Gesellschaft eben doch alles möglich. Stimmt nicht, denn er bleibt mit seiner Beteiligung am Spiel selbst in Markt-, Sach- und Geltungszwängen gefangen. Aber wie verlassen wir nun das begrenzte Spielbrett dieser Möglichkeiten, in der die Kunst auch nur das Erfüllen einer beschränkt innovativen Erwartungshaltung der anderen bedeutet, um überhaupt ein bisschen Beachtung geschenkt zu bekommen? Wie können wir die dafür notwendige Sensibilität entwickeln, um in die nötige Übersicht zu kommen, um das gesamte Bild im Kleinen bei sich selbst wie im Großen in der Gesellschaft endlich wahrnehmen zu können? Beultier schlug beim Rundgang der Kunstakademie vor, die Rolle mit Humor zu füllen, indem er in seinem frankophilen Kostüm in frivol-französischakzentuiertem Deutsch dem an seinen Bildern interessierten Publikum die von ihr erwartete Künstlerrolle mit den Mitteln der Übertreibung und Pointierung vorspielte, so das eine innere Befreiung davon stattfinden konnte. So hüpfte er leichtfüßig über die, womöglich das Blumenfeld seiner eigenen Abhängigkeiten, Befindlichkeiten und Gefühle darstellenden einzelnen Blumentöpfe und sprang damit vom Spielfeld der Rollen zurück in seine eigene Lebendigkeit. Billigend in Kauf nehmend, das darauf eine Ignoranz des Kunstmarktes folgte, blieb das Gefühl der inneren Freiheit übrig. Damit ist der Humor, wie er uns zeigte, Mittel, Weg und Zweck, die Rollen der beschränkten Möglichkeiten oder das gesamte Spielfeld des Transaktionsdreiecks zu verlassen. Jenseits dieses Feldes wartet vielleicht eine Freiheit wie eine Kunst, die wirklich frei sind, und die einem das nicht nur vorgaukeln. So sind die Primeln womöglich der Versuch, mit jedem Bild neue Handschriften zu entwickeln, in täglicher Permanenz auf der immerwährende Suche nach neuen Positionierungen in sich wiederholender Sichtbarkeit, um der allgegenwärtigen Falle des Marktes, der krampfhaften Suche nach dem nur scheinbar erlösenden Alleinstellungsmerkmal oder des vordergründig nützlichen Labels auszuweichen… So ist die Galerie Hausen in Euskirchen die erste Galerie, die sich der Malerei Francois Beultiers annimmt und seine Arbeiten öffentlich ausstellt. Einladungskarte François Beultier


Chronik von Que(e)rbeet, -feldein und -denken in Köln-Kalk
Temporäre Installation – Performance Veedelsbüro Loéstraße 6, Brauwelt und Kalkberg, Köln-Kalk | 2023 Chronik "Que(e)rbeet, -feldein und -denken in Köln-Kalk 12.04.2023 Anruf von Tommi Grusch vom Stadtteilbüro Kalk-Nord und Veredle e.V. mit der Frage, wie die Welt in Kalk noch zu retten sei? Ich verspreche sofort nach Kalk zu kommen, um ein Loch in die Wand zu machen. 15.04.2023 Ortsbegehung und Besichtigung von Kalk und neuralgischen Punkten den öffentlichen Raum betreffend. Auf Nachfrage halten 50 % der Befragten die Parkplatzsituation für das größte Problem in Kalk, neben den Mietpreisen und den ansteigenden Lebenshaltungskosten. Als ich etwas zu spät zum meinem nur in Notfällen dieser Art zu fahrenden Auto zurückkomme, klebt ein Knötchen an der Windschutzscheibe. Die Parkzeit habe ich um 7 Minuten überzogen. 16.04.2023 Visualisierung des Projektvorhabens „Queerbet, -feldein und -denken in Kalk“ als zweiteiligem Workshop zur beispielhaften Transformation der gesamten Gesellschaft in Kalk in Form der gemeinschaftlichen Faltung des „SUV Kalk“ aus Karton zum Kalkfest am 19.08.2023 und der Transformation des Vehikels am 27.08.2023 in die „Rose of Kalk“. Tommi Grusch erklärt im Namen des Stadtteilbüros Kalk-Nord und des Veedel e.V. sein Einverständnis in den blumigen Worten: „is ok!“, warnt aber gleichzeigit vor zu hohen Parkgebühren, sollte der SUV Kalk die anvisierte Parkzeit von einer Woche überstehen. 19.08.2023 Ab 14 Uhr Fertigung des SUV Kalk mit tatkräftiger Unterstützung der Nachbarschaft der Loestraße unter Melonenspenden eines älteren türkischen Herrn und der Versorgung mit Kirschkuchen einer älteren „Urkalker Dame“, die das Geschehen von ihrem Balkon aus beobachtet und eine Stärkung verspricht: „Sie müssen doch was essen, bevor Sie damit losfahren! „Aber sagen Sie mal, wo wollen Sie denn damit eigentlich hin?“ Fragt Sie mit leicht besorgtem Unterton. Der 8-jährige Mohammed antwortet planvoll: „Erst auf den Kalkberg, dann parken wir falsch am Kalkar Stadtgarten!“. „Gute Idee“, meint die soeben die Bühne, die die Welt bedeutende und betretende Elke S., die mit ihrer gerade noch rechtzeitig entbundenen Tochter Lenja zur Jungfernfahrt des die Automobiltechnik womöglich weiter entwickelnden SUV Kalk erscheint, wie der frisch gebackene Opa Dirk S. Dazu meint, der dafür gesorgt hat, das die Kalker Bevölkerung einigermaßen Bescheid weiß, was sich Weltbewegendes im Hinterhof der Loestraße in Kalk abspielt. „Ich weiß noch nicht“, meint der frisch gebackene Projektbeauftragte des zivilen Ungehorsams in Kalk Tommi Grusch, „ob das hier gut geht.“ „Ich habe die Faltanleitung vergessen!“, fällt dem Künstler gerade noch rechtzeitig auf, damit Mohammed meint, er wisse, wie es weitergehe. Prompt wird dem 8-jährigen Mohammed der Führerschein gefaltet und ausgestellt, damit der Prototyp auf die Probe gestellt werden kann.







Ausstellungsansichten
Kunsthalle Göppingen Kunsthalle Göppingen, 2024
Ultra all inclusive Kunstmuseum Bonn, 2021, Fotos: Martin Plüddemann
It's aqua origami, alright. But is it Art? Columbus ArtFoundation, Leipzig, 2009, Foto: Werner Hannappel
Hidden landscapes Kunsthaus Kloster Gravenhorst, 2023
Mauerwerk Haus am Waldsee, Berlin
Mauerwerk Kunsthaus Kloster Gravenhorst, 2014, Foto: Simone Zaugg


Weiße Rose (XXL)







Der Weg des geringsten Widerstandes
Happening - Walk Köln bis Berlin | 2024








Eine Gans ist ein Turm ist eine Rose ist ...
Performance - Temporäre Installation Monheim am Rhein, Kunstwerkstatt | 2022 Eine Gans ist ein Turm ist eine Rose ... war eine dreiteilige Performance im öffentlichen Raum von Monheim. So wurde aus demselben Blatt Papier an drei aufeinander folgenden Sonntagen im Juni 2022 zunächst das Wappentier der Stadt Monheim am Rhein, eine Gans, gefaltet, die am darauffolgenden Sonntag in das Wahrzeichen der Stadt, der Schelmenturm, umgefaltet wurde, um schießlich als Seerose auf dem das Stadtbild prägenden Rhein ins Ungewisse zu driften ... Veranstaltungen jeweils Sonntags am 05.06.22, 12.06.22 und am 26.06.22 von 14 bis 17 Uhr





SauerlandUV
Performance - Temporäre Installation Meschede, Hennesee | 2020 Der "SauerlandUV" wurde vom Publikum des spirituellen Sommers 2020 in Meschede gemeinsam gefaltet und nach einer "Rundfahrt" um den Hennesee für eine Woche falsch dauergeparkt, bevor das 160 qm große Papier in das Papierschiff "PSauerland" umgefaltet wurde, um über den Hennesee zu fahren, bevor die Fläche eine Woche später erneut in das bewohnbare Papierhaus "HOTEsauerLand" transformiert wurde. Der in Gemeinschaft in 3 unterschiedliche Formen gebrachte Karton veranschaulicht den gesellschaftspolitischen Transformationsprozess und appelliert durch Teilhabe an das Vertrauen in gemeinschaftliche Schöpfungsprozesse auf unbekanntem sauerländlichem Terrain ...






Galerie
Fotografie
Grafik
Modell
Zeichnung
Skulptur
Kunst am Bau
Malerei von François Beultier
Bücher

Publikation "Weg des geringsten Widerstandes", Auflage 500, 298 Seiten, Hardcover mit Originalanzug und Banderole, 21, 14,4 cm mit Texten von Dr. Katja Blomberg, Frank Bölter

Sonderedition Publikation "Weg des geringsten Widerstandes", Auflage 20, 298 Seiten, Hardcover mit Originalanzug und Banderole, 21, 14,4 cm mit Texten von Dr. Katja Blomberg, Frank Bölter

Publikation „Auf großer Fahrt“, erschienen im Salon Verlag, Auflage 1000, 68 Seiten, Hardcover mit Umschlag aus Milchkarton, 21 x 16 cm, Frank Bölter
Kauf und Kontakt: Mail an Studio Frank Bölter


bettelCOLOGNE
Performance Kölner Ringe, Köln | 2017 Die uns allseitig versprochenen und doch nicht eintretenden Bedürfnisbefriedigungen durch Konsum unserer „Einkaufs- und Shoppingerlebnisse“ führt zu den immer gleich aussehenden Filialen der Konzernketten und Multistores – nicht nur auf den Kölner Ringen. BettelCologne überträgt das ökonomische Phänomen des Franchising und andere uns vertraute Marketingkonzepte auf das Bettelgewerbe. 11 Bettler ab 11 Uhr 11 alle 111 Schritte auf den 1111 von Konsum und Kommerz geprägten Metern der Kölner Ringe 11111 Sekunden lang am Tag des Sommerkarnevals "Jeck im Sunnesching". "Das ist das seltsamste Déjà-Vu-Erlebnis, das ich je hatte", so ein Passant im Vorbei gehen ... The satisfaction of our needs through the consumption of our "buy and shopping experiences", which is promised to us on all sides and yet does not materialise, leads to the branches of the corporate chains and multistores that always look the same - not only on Cologne's rings. BettelCologne transfers the economic phenomenon of franchising and other marketing concepts familiar to us to the begging trade. 11 beggars from 11 o'clock 11 every 111 steps on the 1111 metres of the Cologne Rings marked by consumption and commerce for 11111 seconds on the day of the summer carnival "Jeck im Sunnesching". "This is the strangest déjà vu experience I've ever had," said a passer-by as he walked past ... https://vimeo.com/237897414


UMTaufen der Kölner Ringe
Performance - Temporäre Installation Kölner Ringe, Köln | 2017 Das Herz der Stadt Köln ist fest umklammert von Dt. Herrscher- und Adelsdynastien (Hohenstaufen- Habsburger- und Hohenzollernring) und lenkt unseren Blick auf Historisches (Ubier-, Karolinger-, Salier- , Sachsenring etc.). Unser Verhalten beim Orientieren ist geprägt vom Aufschauen zu Macht und Historie. Warum? Wie können wir den Menschen Aufmerksamkeit schenken, die sich gegenwärtig, auf Augenhöhe und jenseits von Kommerz, Verkehr und Amüsierbetrieb auf den Kölner Ringen für Lebensqualität, Flair, Atmosphäre und Wärme einsetzen? Ein Projekt zur Erforschung alternativer Möglichkeiten zur Beschilderung der Stadt. Ringabschnitt für Ringabschnitt wird umgetauft, Schritt für Schritt werden bis dahin unbekannte BürgerInnen für ihren eigenmächtigen, oft unauffälligen Einsatz im Schatten der lauten und hektischen Kölner Ringstraßen mit einem Straßennamenschild geehrt. Zu Beginn wurde der Hohenstaufenring in Dietlinde-Schumacher-Ring umgetauft. Dietlinde Schumacher führt den ältesten Kiosk Kölns seit Jahrzehnten mit Herz und Seele. Die Nachbarschaft weiß dies zu schätzen ...





Refugee Origami Camp Detmold
Performance - Temporäre Installation Café Welcome, Schlossplatz, Detmold | 2016 Wie sieht die Gesellschaft von morgen aus? Und wie können wir gemeinschaftlich zum Gelingen der großen Aufgabe ‘Integration’ beitragen? Geben wir diesen großen Fragen mal anders Gewicht und ihnen in Form eines Camps aus überdimensionierten, recyblebaren, gefalteten Papierhäusern, an dem jeder mitarbeiten kann, ein entsprechendes Gesicht. Refugee Origami Camp Detmold (ROCD) wird ab Montag, dem 9. Mai gemeinschaftlich im Zentrum von Detmold von seinen Bewohnern selbst und anderen Freiwilligen errichtet - Im weiteren Verlauf finden diverse Workshops und Labore zur Herstellung von Lebensmitteln im Bierbrauen, Brotbacken und im Backen von Schwarzwälderkirschtorte etc wie zur Eigenproduktion von Kleidung und Möbelbau statt. Die hergestellten Produkte werden am Camp “direktverkauft”, die Einnahmen werden zum weiteren Aufbau eines Programms der Refugee - Selbstversorgung und Eigenproduktion in Detmold verwendet. Wir suchen Hobbybrauer zum Brauen von Refugeebeer und Feinbrötchenbäcker zum Backen von Brot aus echtem Flüchtlingsschrot und -korn, Nählaien und Lakaien zur Produktion von Allwetterhosen und Starkregenjacken, die jedem Wetter trotzen. Spenden von Mehl, Salz, Wasser und anderen Grundnahrungsmitteln sind genauso erwünscht, wie bürgerschaftliches Engagement zum Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung, die jeden mit Freiheit zur Selbstentfaltung und Hilfsbereitschaft versorgt. Freiwilliges Engagement, zur Verfügung stellen von Know-how, wie Spenden von Lebensmitteln und Stühlen, Tischen und Matratzen werden gerne genommen. Refugee Origami Camp Detmold ist der Modellversuch einer selbstvermächtigten und ethnienübergreifenden Selbstversorger- wie Solidargemeinschaft und erprobt das fragile wie notwendige Gesellschaftsbild der natürlichen wie selbstverständlichen integration einer Gesellschaft im Wandel.




















Sachsenberger Tor
Performance – dauerhafte Installation Orker Straße, Sachsenberg | 2013 Das Sachsenberger Tor wurde von der Bevölkerung Sachsenbergs gemeinschaftlich aus recycelten Ziegeln der lokalen ehemaligen Ziegelei errichtet, um den schönsten Blick auf das nordhessische Dorf zu "rahmen". Beim partizipatorischen Bau des Monumentes wurden Wasserwaagen, Maurerschnüre und Zollstöcke entwendet, nur so konnte krumm und schief gemauert werden. Noch heute wollen manche Ortsansässige die Skulptur deswegen abreissen lassen, andere schützen das Bauwerk aus diesem Grund... Das Sachsenberger Tor steht für den Befreiungsakt des kleinen nordhessischen Dorfes Sachsenbergs. Nachdem ich mich in den ersten Wochen nach meiner Ankunft in meiner neuen Heimat Sachsenberg umgeschaut habe, musste ich feststellen, dass die Menschen, die mich gerufen haben, nicht diejenigen sind, die mich brauchen. So haben genau diese handvoll Menschen bei der StiftungLandschafft für ein halbes Jahr "einen Künstler gewonnen", die die anderen 850 Einwohner des nordhessischen Dorfes bevormunden - Manchmal macht das Beherrschen einiger Fremdworte, manchmal macht ein Doktortitel oder das Herausgeben eines Buches den Unterschied zwischen dem Recht auf Bevormundung und dem auf Entmündigung aus - So sah ich mich mit dem Auftrag ausgestattet, die informelle Hierarchie samt Unterschieden zwischen den selbsternannten Herrschern und dem Volk Sachsenbergs zu bestätigen, zu vergrößern und die Macht der Meinungsführer weiter ausbauen. Das geht natürlich nicht. So kam es schließlich zu unterschiedlichsten Übungen zur Ermächtigung der lokalen Bevölkerung: Von einer Postwurfsendung zur basisdemokratischen Abstimmung über „ein Kunstwerk für Sachsenberg“ zu für die selbsternannte Oberschicht Sachsenbergs anstößigen Skulpturen, die mehrfach umgebaut, zerstört und abgetragen wurden, wie zu Schreikursen zum Umschreien unliebsamer Nachbarn und zum Sachsenberger Tor, dem Symbol zur Befreiung Sachsenbergs von seinen, den größten Teil der Bevölkerung bevormundenden Schreihälsen.





HOrigamiUSE
Performance - Installation Kunst am Moltkeplatz, Moltkeplatz, Essen | 2014 Am 22.06.2013 wurde auf dem Essener Moltkeplatz in Anlehnung an die besondere architektonische wie städtebauliche Bedeutung des gleichnamigen Viertels das lebensgroße Papierhaus "HOrigamiUSE" von Nachbarn, Anwohnern des Skulpturenparks und Mitgliedern des Vereins Kunst am Moltkeplatz e.V., der sich um die permanent installierten Skulpturen des Parks kümmert, gemeinschaftlich aus Karton gefaltet. Die fragile und ephemere Objekt stand ein Jahr lang im Dialog mit den permanent im Skulpturenpark platzierten Skulpturen von Künstlern wie Ulrich Rückriehm, Heinz Breloh u. a., wurde mit der Fertigstellung der Öffentlichkeit übergeben und damit allen äußeren Umständen überlassen. Mit dem Einsetzen der Verwitterung des Papiers und den Spuren von Passanten und Flaneuren entstand ein exemplarischer und am HOrigamiUSE öffentlich ablesbarer Dialog zwischen der Position der Konservierung und Instandsetzung des lebensgroßen Papierhauses und einer dem Material Papier angemessenen öffentlichen Veranschaulichung von Alterungsprozessen und Vergänglichkeit ...

HOrigamiUSE, 132 Seiten, 14,8 x 21 cm
Herausgeber: Kunst am Moltkeplatz KaM e.V.
Texte: Dr. Sabine Maria Schmidt, Lisa Lambrecht-Wagenitz, Frank Bölter



Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs
Performance – temporäre Installation DST-Galerie, Atelierhaus Münster | 2011 Nachdem das Straßenschild "Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs" am Sonntag, den 18.12.2011 installiert wurde, ging das Eigentum an diesem Objekt per Schenkungsurkunde über auf den Bürgermeister der Stadt Münster: SchenkungOberbürgermeisterStadtMünster Nachdem diverse Zeitungen über das längste Straßenschild der Welt berichtet hatten, zahlreiche Besucher nach Münster reisten, um sich vor und mit diesem fotografieren zu lassen, wurde das Kunstwerk am 17.01.2012 von unbekannt entwendet. Gerüchten zufolge soll sich der "Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs" im Partykeller des Oberbürgermeisters der Stadt Münster, Herrn Markus Lewe, befinden.



Limes Tower Bad Ems/ Limesturm Bad Ems
Performance - Installation Kurpark, Bad Ems | 2011 2011, Pappe/cardboard, 11,5 x 5,5 x 5,5 m Im August 2011 wurde im Kurpark in Bad Ems von Hartz IV-Empfängern gemeinschaftlich eine Kopie eines römischen Limesturmes, des lokalen Wahrzeichens wie UNESCO-Welterbes aus Pappe gebaut. Der Limesturm Bad Ems diente wie andere Wahrzeichen, Denkmäler und den öffentlichen Raum bestimmende Setzungen für 2 Monate lokalen Hochzeitspaaren und Limes-Touristen als Anlaufstelle und Fotohintergrund wie Limesvereinen als Treffpunkt.


FORigamiMEL 1/FORigamiMULAR 1
Performance - Installation Kunsthalle Mainz | 2012 Schloss Morsbroich, Leverkusen | 2013 Schlossmediale Schloss Werdenberg, Schweiz | 2019 Als Michael Schumacher am 03.08.2012 einen Brief mit der Bitte um Kooperation zur Faltung eines Origami-Boliden nach Konstruktionsplänen seines letzten Formel 1-Modells erhielt, erklärte dieser daraufhin Anfang Oktober 2012 seinen Rücktritt von der Formel 1. Dennoch erklärte er sich bereit, gemeinsam mit mir das langsamste Formular 1-racecar aus Rettungsdecken zu falten. Dieses Objekt wurde daraufhin in der Kunsthalle Mainz, auf dem Parkplatz des Direktors des Museums Schloss Morsbroich, im Künstlerdorf Schöppingen und im Kunstmuseum Bonn präsentiert.






PlaygroundMARSEILLE
Performance – Temporäre Installation Lieux public, Marseille | 2016 Es war der 11. September 2016, als die Festivalbesucher des Festivals Travellings in Marseille die Anweisungen des Künstlers, lebensgroße Papierflieger zum 15. Jahrestag von 9/11 in riesige Origamitürme fliegen zu lassen, ignorierten. Das Publikum entschied sich stattdessen, lieber Himmel und Hölle, Schiffe, Autos und ein Swimming Pool als Symbole des friedlichen urbanen Zusammenlebens zu falten. Sie brachten eigene Vorstellungen und Origami-Faltanleitungen in lebensgroße Modelle, die Handlungsanweisungen des Künstlers permanent missachtend. Nur eine Gruppe von Origamisachverständigen Besuchern faltete am Ende des Festivals einen lebensgroßen Papierpanzer, um den Künstler damit in die Flucht zu jagen...








yoUFO
Temporäre Installation - Performance Ausstellungsraum Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft, Bonn | 2016 Anlässlich der Buchpräsentation „Über die Teilhabe in der Kunst – zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ landete am 10. März 2016 um 18 Uhr im Gesellschaftsraum der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft ein Ufo. Über die Teilhabe in der Kunst Zwischen Anspruch und Wirklichkeit Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft (Hg.) Bonn, 2016 136 S. ISBN 978-3-00-052296-3 mit Beiträgen von Ruth Gilberger, Gabriele Oberreuter, Isabel Rith-Magni, Thomas Egelkamp, Guido Meinke und Volker Pohlüke, Olek Witt, Teresa Grünhage, Dorothea Eitel, Reinigungsgesellschaft, Susanne Bosch, Rolf Dennemann, Angela Ljiljanic, André Koernig, Michaela Englert, Amanda Bailey, Anneliese Ostertag, Aude Bertrand, Anne-Katrin Bicher, Gerhard Wolf und Frank Bölter



Unsern täglichen Biersud gib uns heute
Performance, Edition, kleiner Borsigplatz, Dortmund | 2014/2015 "Unsern täglichen Biersud gib uns heute ist eine illegale Bierbrauaktion zur Herstellung von 'Dortmunder Schwarzbräu Premium - Selbstgebraut' zur Wiedererlangung von an die Droge Alkohol abgetretener Verantwortung über die eigene Person" Tagebucheintrag Notiz 37: Als am Samstag, den 01.03.2015 um 9.17 Uhr mit Volker, Guido und André die nötigen 30 Liter Wasser, zwei Hocker und das Braurezept auf dem kleinen Borsigplatz eintreffen, die zwei Braubottiche und der Gasbrenner aufgestellt und in präsentabler Manier zentral auf dem Platz platziert sind, fallen die ersten Sonnenstrahlen aus heiterem Himmel aus allen Wolken. Als dann auch noch Orhan auftaucht, scheint der Tag einen perfekten Verlauf zu nehmen: Orhan: Ich bin gekommen, um mich zu beschweren. Frank: Aha? Orhan: Ich war letzte Woche schon mal beim Verein Machbarschaft Borsig11, da waren Sie aber nicht da. Die haben gesagt, ich soll heute wieder kommen, da könnte ich mich direkt an Sie wenden. Frank: Ja? Orhan: Ich habe vor einigen Tagen dieses Plakat hier gesehen und frage mich, wie kann man bloß diesen Leuten hier eine solche Aktion zumuten? Das ist doch zynisch. Frank: Meinen Sie das Selberbrauen? Orhan: Ja, wissen Sie denn, wo genau wir hier sind? Frank: Ziemlich genau. Ich habe da drüben bis vor einigen Wochen gewohnt. Orhan: Ich wohne auch da drüben die Straße rein. Frank: Wie schön, dann waren wir ja fast Nachbarn. Orhan: Ja, aber ich bin ja wegen der Beschwerde hier. Meine Frau war übrigens der gleichen Meinung. Sie arbeitet in der Suchthilfe. Frank: Welcher Meinung nochmal? Orhan: Das man so eine Aktion hier auf keinen Fall machen darf. Frank: Aber warum denn nicht? Orhan: Weil das völlig falsch ist. Frank: Was genau? Orhan: Hier auf dem kleinen Borsigplatz trinken so viele Alkoholiker den ganzen Tag lang ihr Bier. Die liegen dann hier manchmal sogar auf der Erde rum. Da fragen Sie sich, ob die noch leben. Das ist doch tragisch genug. Wissen Sie, wieviel Tragik dahinter steckt? Hinter jedem einzelnen, der hier den ganzen Tag rumsitzt und säuft, stecken Suchtkrankenakten, kaputte Familiengeschichten, gescheiterte Laufbahnen und Offenbarungseide. Und jetzt kommen Sie und wollen denen zeigen, wie man selber Bier braut. Frank: Genau. Orhan: Warum denn? Frank: Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Borsigplatz-Leuten und mir. Außer dass ich mich vielleicht mehr fürs Selbermachen interessiere. Also habe ich die Zutaten und ein paar Pötte besorgt und habe ein paar Plakate aufgehängt. Ich hätte auch eine Frage, warum machen Sie das eigentlich nicht? Hier halten Sie kurz die Gerste, ich muss eben … Orhan: Ich bin hier Lokalpolitiker und habe genug zu tun. Frank: Ach so! Orhan: Ja. Und als Politiker muss ich ihnen auch sagen, also so eine Aktion. Ich bin schon jetzt seit Tagen dermaßen wütend und bin froh, dass ich das jetzt loswerden kann. Und meine Frau ist der gleichen Meinung. Ich muss schon sagen, wir haben uns wirklich sehr gewundert über so eine Aktion. Frank: Hm. Wunder ist schon die passende Bezeichnung für das, was hier stattfindet, würde ich sagen. Aber sagen Sie mal, als Lokalpolitiker suchen Sie doch bestimmt den Kontakt zu den Leuten, damit Sie Gelegenheit bekommen, überhaupt bemerken zu können, was die Leute so umtreibt? Orhan: Ja, das ist total wichtig. Sonst sind Sie da im falschen Beruf. Frank: Sind Sie eigentlich nur wegen dieser Aktion heute hier auf den kleinen Borsigplatz gekommen? Orhan: Ja, ich mache sonst immer einen großen Bogen um diesen Platz. Frank: Sehen Sie, genau dafür mache ich diese Aktion. Orhan: Wie meinen Sie das? Frank: Damit Sie hier mal hinkommen. Genau Sie. Orhan: Ich. Wieso? Frank: Meine Aufgabe ist es, Leute zusammenzubringen, die sich sonst niemals begegnen würden. Ich versuche, Situationen wie diese, des gemeinschaftlichen Bierbrauens, zu schaffen, wo Leute zusammenkommen können, die sich sonst eher aus dem Weg gehen. Kommen Sie, ich stelle ihnen mal die Hansa-Export-Truppe da hinten vor. Orhan: Moment mal. Wissen Sie, auf diesem Plakat, da sind ja zwei Trinker abgebildet. Das ist doch die pure Lust am Saufen, die Sie da abbilden. Da vermitteln Sie doch etwas ganz anderes. Damit erreichen Sie doch nicht die Leute, und mich schon gar nicht. Frank: Täusche ich mich, oder sind Sie gerade hier? Orhan: Äh… Ja, stimmt schon, aber…. Meine Frau kommt übrigens auch gerade. Hallo! Frank: Hallo. Frau: Hallo. Orhan: Wir sprechen gerade darüber. Frau: Ja. Orhan: Dieser Mann ist der Veranstalter des Bierbrauens. Frau: Ja. Und was haben Sie sich dabei gedacht? Frank: Dass man ein Stück weit die an die Sucht abgegebene Verantwortung für die eigenen Person durch die beim Selberbrauen gewonnene Portion Selbstermächtigung zurück gewinnt. Frau: Aha,… sehr konfrontationstherapeutisch gedacht. Frank: Sie blicken dem Feind ins Auge. Frau: Ja. Frank: Ja. Frau: Ja. Frank: Ja. Frau: Ich hole mal Zigaretten. Orhan: Ich sehe das Plakat ja immer noch als Aufruf zum Trinken, und weiter nichts. Frank: Aber wir trinken ja nicht. Wir brauen. Wir sind die einzige Gruppe hier auf dem Borsigplatz, die nicht trinkt. Orhan: Ja, aber wenn Sie das Plakat betrachten, dann fühlen Sie sich doch zum Trinken ermutigt. Frank: Ich fühle mich zunächst mal zum Schmunzeln ermutigt. Orhan: Aber auch durch die Aktion bringen Sie den Leuten den Alkohol nahe. Frank: Beim Brauen entsteht noch kein Alkohol, erstmal bringe ich den Leuten eine Zuckerlösung nahe. Ist natürlich auch nicht gesund. Orhan: Aber Sie werben für das freie Trinken. Frank: Durch das Selberbrauen? Das ist ja erst mal ziemlich unfrei, weil Sie was tun müssen. Orhan: Ich glaube nicht, dass Ihr Vorhaben funktioniert, die Leute vom Alkohol weg zu bringen, indem Sie ihnen zeigen, wie schön das Selbermachen ist. Frank: Warum nicht? Orhan: Kann ich mir einfach nicht vorstellen. Frank: Da haben Sie etwas mit dem Leiter einer Suchtberatungsstelle in Dortmund gemeinsam. Der konnte sich das auch nicht vorstellen. Orhan: Sehen Sie! Frank: Naja, der glaubt das auch nicht – er weiß es aber genauso wenig wie Sie und ich. Er sagt, als Mensch könne er diese Herangehensweise verstehen, durchaus sogar unterstützen. Allerdings als Politiker, der er in seiner Position als Leiter der Suchtberatung auch sein müsse, könne er das nicht unterstützen. Orhan: Ach so. Frank: Und genau deswegen gibt’s mich. Ich mache das dann für ihn und für Sie. Als Künstler hat man den schlechten Ruf ja schon verloren, bevor Sie den überhaupt angehängt bekommen. Da lebt es sich bekanntermaßen ganz ungeniert. Dann können Sie auch solche Aktionen machen. Ich betrachte das übrigens als praktische Politik. Ich finde nämlich heraus, ob es nicht doch geht, anstatt zu glauben, es ginge nicht. Orhan: Ich habe ja den Verdacht, dass es Ihnen nur um die Publicity geht und nichts weiter. Sie benutzen die Schicksale der Schwachen für Ihren persönlichen Gewinn. Frank: Persönlicher Gewinn? Wenn ich an Publicity interessiert wäre, hätte ich diese Aktion viel größer beworben. Die Presse kommt übrigens auch nicht. Es hängen ausschließlich hier auf dem Platz Plakate, wie Sie vielleicht gesehen haben. Das heißt, ich bin nur an den Leuten hier selbst interessiert und mache mir sogar die Mühe, bei den Adressaten der Aktion ins Wohnzimmer zu klettern. Genau da befinden wir uns nämlich hier. Außerdem bezahle ich diese Aktion selbst bzw. mit Mitteln des Vereins Machbarschaft Borsig11, muss hier den ganzen Tag rumstehen, und bekomme keinen Cent dafür. Dazu kommen noch allerlei interessante Gespräche wie dieses hier. Das meine ich übrigens ernst. Mir gefällt, dass Sie öffentlich aussprechen, was so mancher denkt. Orhan: Ich muss sagen, diese Aktion ist für mich ein bisschen zu weit links. Frank: Für welche Partei engagieren Sie sich noch gleich. Orhan: Die Linke. Frank: Alles Gute.




Wir sind das Brot
Performance - Temporäre Installation Ausstellungsraum St. Paul-Kirche und DG-Galerie, München | 2015 - Eine Achtsamkeitsübung gegenüber Lebensmitteln, unserer Umwelt, der Gemeinschaft und uns selbst -








To the world´s End
Performance - Temporäre Installation Hikkaduwa und Colombo, Sri Lanka | 2015 Hastings, GB | 2014 Galoshan's, Grennock, Scottland | 2016 (…) Als ich am 14.01.2015 in Sri Lanka mit meinem Papierschiff in einem Haufen Plastikmüll an den Strand gespült wurde, musste ich mir überlegen wie die Reise weitergehen sollte. An einem Strand, der inzwischen den westlichen Surfern gehört, die dort ihre Wintermonate auf einem Surfbrett verbringen, trifft man nur in den frühen Morgenstunden auf die Fischer, denen der Strand wohl ursprünglich gehörte. So saß ich jeden morgen ab 4.30 Uhr in der Fischerhütte und versuchte den Fischern mit Händen und Füßen und einem kleinen Modell eines Papierschiffes zu erklären, dass sie mir helfen müssen, ein weiteres Papierschiff zu falten, damit ich meine Rückreise nach Deutschland antreten könne. Am 4. Tag holten sie endlich einen Cousin von Babbi, einem der Fischer von Hikkaduwa, der ein bisschen english spricht. Nach weiteren 3 Tagen in der Fischerhütte erklärten sie sich bereit, mir zu helfen. So falteten wir am nächsten Sonntag gemeinsam mit Fischern und Surfern ein 9 m langes Papierschiff. Die Fischer sorgten sich gemeinsam mit den Surfern um die Stabilität des fragilen Vehikels. Damit das Schiff die 8 m hohen Wellen am Strand von Hikkaduwa übersteht, schickten sie einen von ihnen in den Dschungel, um Bambusstäbe zu schlagen, die anschließend in die Bordwände eingefaltet wurden. Jemand anderes brachte Styropor zu Stabilisierung des Bodens. Ein Dritter besorgte ein paar Latten und Sisalseile, um ein Gerüst in die Faltungen einzuschlagen. So konnte die Reise weitergehen (…)










Refugee Origami Camp Brussels
Performance – Temporäre Installation Place du Beguinage/le petit Château | Festival Signal, Cifas Institut und Festival Kanal, KAAI-Theater, Brüssel | 2014 'Refugee Origami Camp Brussels' war die gemeinschaftliche Faltung von lebensgroßen Papierhäusern in der kunsthandwerklichen Technik des Origami von "legalen und illegalen" Flüchtlingen im politischen Zentrum Europas. Der formalen und inhaltlichen Überdehnung der Origami-Attribute: „kleinformatig, zurückhaltend und kontemplativ“ aus dem Reich des Hobbys entspricht die Ausdehnung der Rolle der Kunst als Mittel zur Sichtbarmachung akuter soziopolitischer Fragestellungen im öffentlichen Raum. 'Refugee Origami Camp Brussels' stellte die Frage an politische Vertreter und die Bürger Europas, welchen Platz wir Flüchtlingen in unserer Gesellschaft einräumen wollen auf zentralen Plätzen im Machtzentrum der Festung Europas. Nach Protesten der Nachbarschaft wurden die Camps geschlossen. Die Bewohner des 'Refugee Origami Camp Brussels' beschlossen daraufhin, die Papierhäuser demonstrativ durch die Innenstadt zum Ufer der "Senne" zu tragen, um von dem die Stadt durchquerenden Abwasserkannal ins Ungewisse deportiert zu werden ...









Belgrade Wall
Performance - temporäre Installation Trg Republike (Platz der Republik), Belgrad | 2009 Zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls in Berlin wurde Belgrad durch eine „über Nacht“ erstellte, monumentale Pappkopie des eisernen Vorhangs auf dem Platz der Republik in Belgrads geteilt. Der Grenzwall, der den nördlichen Teil der Stadt entlang der Mauerachse vom südlichen Teil isolierte, wurde von Bürgern der Stadt aus faltbaren Pappziegeln und Leim errichtet – andere Bürger beteiligten sich, indem sie die Mauer wieder abbauten, Material entwendeten oder anderweitig zu verhindern suchten. Der politischen Situation Deutschlands vor dem Mauerfall am 9.11.1989 entsprechend trennte die Stadt Belgrad das Bollwerk symbolisch in zwei Sektoren. Mit der Fertigstellung des Schutzwalls wurde die Grenze geschlossen, Grenzpolizisten sicherten die Staatsgrenze und informierten über die neue politische Situation Serbiens. Über die Stadt verteilt entstanden von Bürgern der Stadt erbaute weitere Grenzwälle, die von anderen Bürgern wieder abgebaut wurden. An der Mauer kam es zu Demonstrationen der lokalen ANTIFA-Bewegung, zu nationalistischen Versammlungen, Treffen der Kriegsveteranen und Demonstrationen für einen Wiederaufbau der DDR. In den Medien wurde ein Diskurs über weiterhin präsente „Mauern in den Köpfen“ der Bevölkerung im Schmelztiegel des Balkans angestoßen. Die Belgrader Mauer fiel in der Nacht zum 10.11.2009 angeblich durch einen Schneesturm.








Frank-Bölter-Weg
Performance – Temporäre Installation öffentlicher Stadtraum und Schlossplatz, Münster | 2012 Um 11:22 Uhr kam Frank Bölter auf Gleis 17 mit dem Regionalexpress aus Köln in Münster an. Er schulterte sein Schild, das fachgerecht an seiner Schilderstange hing und promenierte die Windhorststrasse hoch, kreuzte die Promenade, den Domplatz, die Frauenstraße, nur um am Schlossplatz einen Weg links vorm Schloss neu zu bezeichnen. Den Frank Bölter Weg. Auf einem Video von Konrad Abeln festgehalten war Bölters Schilderweg in einem beiläufigen Monitor bei Foto Köster zwischen neuen Kameras präsentiert. Es zeigte die freundliche Beihilfe beim Schildergang durch die Punks, die man geläufig auf den Mauern vorm Lackmuseum antrifft, und die ihm das Schild für ein paar Schritte abnahmen. Und sichtbar werden dort die Passanten, die den Weg mitverfolgten und eben das hochselbstverständliche Geschehen einer künstlerischen Aneignung begleiteten. Wem der öffentliche Raum gehört, wird hier unzweifelhaft geklärt - der Kunst im Allgemeinen und Bölter im Speziellen. Seinem eigenen Ruhm voraus eilt die Bezeichnung auf der münsterschen Kartografie. Dass es in Köln bereits einen Bölter Park gibt, soll nur anmerkende und anerkennende Erwähnung finden. Doch weit mehr als die selbstreferentielle Bedeutung der zeichenhaften Intervention in das vorliegende Straßenkataster wiegt das Gewicht, der selbstbeauftragten Handlung. Das sich selbst zugesprochene Recht auf offizielle Bezeichnung wird ent-demokratisiert und radikal individualisiert. Ein Konflikt mit der amtlichen Registratur ist augenfällig und wird von Bölter höflich in Kauf genommen. Frank Bölter gelingt mit seinem Bölter-Weg ein humorvoller Kommentar auf die gerade durch Volksentscheid herbeigeführte Entscheidung zur Umbenennung des Hindenburgplatzes in den Schlossplatz. Er bezieht Stellung, ohne sich politisch zu kaprizieren und ohne das verbal anzuführen. Er stellt den formaljuristischen und demokratischen Weg der Bezeichnungsfindung in Abrede und mit seinem performativen Schildergang durch die Stadt erinnert seine Schulterlast en passant an den Weg Christi nach Golgatha ebenso wie es den aufmerksamen Beobachtern einen freundlichen Anreiz zum Nachdenken gibt. Text: Ruppe Koselleck







Haus - savoir vivre
Performance – Temporäre Installation Im Osteresch 17, Bünde | 2006 Die Nachbarschaft des Bauplatzes Leisniger Straße 17 in der Siedlung Osterschaft in Bünde schuf mit vereinten Kräften in einer 3-wöchigen Bauphase eine Kopie ihrer Eigenheime (Wohnkonzept „Haus Alpha“ der Bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Kreis Herford e.V.) in Originalgröße aus faltbaren Pappelementen. Nicht die zu erstellende Skulptur des Papphauses war das vordergründige Ziel des Projekts, sondern die Kreation eines Nachbarschaftsgeistes in einer ethnisch divers-vielfältigen Siedlung durch einen kollektiv erarbeiteten Erfahrungswert innerhalb einer künstlerischen und damit scheinbar zweckfreien Beschäftigung. In einer nur scheinbar auf individuelle Ansprüche ausgerichteten Baukultur, die auch den Räumen zwischen den „Wohnobjekten“ kaum Beachtung schenkt, wurde ein sozialer und kultureller Zusammenhalt evoziert, der die „Bausünden“ erträglich gestaltete und die Zwischenräume mit sozialem Mörtel füllte. Das Papphaus wurde nach Fertigstellung der Nachbarschaft übergeben und stand mit seiner skulpturalen Erscheinung und seinem Raum spielenden Kindern/Flaneuren/Obdachlosen zur Verfügung. Im architektonischen Dialog mit den „richtigen“ Häusern Alpha hinterliessen Witterungseinflüsse ihre Spuren, wie eine Inbesitzname von spielenden Kindern und anderen. Die Lebenszeit eines typischen Einfamilienhauses war im Zeitraffer wahrnehmbar, das solitäre Papphaus „Haus – savoir vivre“ des neuen Nachbarn schien im Wettbewerb mit dem Kollektiv der „Häusern Alpha“ der Wohnungsbaugesellschaft zu stehen.





LeORIGAMIpard 3 : peacemaker
Performance – Temporäre Installation Julius-Leber-Kaserne, Berlin-Reinickendorf | 2011 Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden | 2012 Im Februar 2011 erhielten Unicef, ProAsyl, der deutsche Flüchtlingsrat, The Voice, Karawane und andere öffentliche Flüchtlingsorganisationen eine Einladung zur Teilnahme an einem Kunstprojekt, um auf die immer dringlicher werdende Lage von Flüchtlingen jenseits der üblichen politischen Diskussionsfelder durch die Kunst aufmerksam zu machen. Im Dezember 2010 erhielt der Kommandeur 1. PzDiv. der Bundeswehr in Hannover einen Brief mit der Frage nach dem Interesse einer Kollaboration zwischen Kunst und Militär zur Herstellung des lebensgroßen Faltpanzers "LEOrigamiPARD 3" im fernöstlichen Kunsthandwerk Origami. Anfrage-1.Panzerdivision-Hannover Im Januar 2011 erklärte sich das Bundesministerium der Verteidigung nach einer Einladung zur Projektvorstellung im Bendlerblock in Berlin bereit, das Projekt zu unterstützen und erließ im Anschluss einen Befehl zur Durchführung der Faltübung mit Soldaten der Bundeswehr. BefehlBundesministeriumDerVerteidigung Zunächst wurde nach Möglichkeiten gesucht, das Projekt möglichst öffentlichkeitswirksam durch eine Faltübung von Soldaten vor dem Reichstag zu inszenieren, nachdem in den Medien über eine bevorstehende Leopard 2-Lieferung nach Saudi-Arabien berichtet wurde, verlagerte man den Origami-workshop der Soldaten in die Julius-Leber-Kaserne nach Berlin-Reinickendorf, wo unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Faltungen durchgeführt wurden. Am 9. Juli 2012 wird der LEOrigamiPARD III durch Soldaten der Bundeswehr vor dem Militärhistorischen Museum aufgestellt, wo er im Rahmen der Museumsnacht Dresden am 14. Juli der Öffentlichkeit präsentiert und übergeben wird. Während "LEOrigamiPARd 3" Teil der Sammlung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden wird, wird der von Kriesgsflüchtlingen aus Somalia, Afghanistan und Irak in der alten Desinfectionsanstalt in Berlin-Kreuzberg gefaltete lebensgroße Papierpanzer "Peacemaker" nach Beschwerden der Nachbarn von der Berliner Stadtreinigung entsorgt.





AcropoLinz
Performance – Temporäre Installation Festival der Regionen, Linz - Kulturhauptstadt Europas | 2009
‚AkropoLinz‘ kopiert, die Bevölkerung des Linzer Stadtteils Auwiesen involvierend, den Bau der Akropolis von Athen als Meisterwerk der griechischen Antike aus Pappe samt der intellektuellen und kulturellen Entfaltungswirkung des fundamentalen europäischen Kulturerbes auf die Bevölkerung des in Verruf geratenen Linzer Stadtteils Auwiesen. Gemäß dem historischen Vorbild wird durch das gemeinschaftliche Errichten der monumentalen Skulptur einerseits versucht, an andere Stadtteile verlorenes städtebauliches wie gesamtkulturelles Terrain durch die Form eines identitätsstiftenden Weltkulturerbes zurückzugewinnen. Linz - Kulturhauptstadt Europas 2009 ist Ausgangspunkt für den Bau der ‚AkropoLinz’ im Rahmen des partizipatorischen Kunst“- Festivals der Regionen 2009, zu dem das Denkmal der Kultivierung und Kolonialisierung Europas mit Hilfe der Bevölkerung geschaffen wird. Demgegenüber steht das beinah widerstandslose Ausliefern des städtebaulichen wie historischen Monuments samt seiner Entstehung und Bedeutung durch die Wahl des fragilen Baumaterials Pappe. So wird die ‚AkropoLinz’ nach seiner Fertigstellung im Erscheinungsbild der beengten 80er Jahre Reihenhaussiedlung von Anwiesen der Öffentlichkeit übergeben und äußeren Einflüssen wie Verwitterung, Vandalismus etc. ausgesetzt. Exemplarisch steht dem kollektiven Kraftakt des Erschaffens einer Riesenskulptur und des kopierten Denkmals die Verwitterung und Ruinierung im Zeitraffer gegenüber.
Bautagebuch ---------------------------------- 05. Mai 2009: Vorbereitungen Verlegen eines Festzeltparkettbodens als Fundament für die ‚Akropo- Linz‘. Aufstellen eines Bauschildes auf der Baustelle. Bauplatz: Indianerpark an der Bowlinghalle.







