Frank-Bölter-Park Frank-Bölter-Park

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Temporäre Installation Vorgebirgspark, Köln | 2010   Eine offiziöse Verlautbarung zur überraschenden Umbenennung des Vorgebirgsparks könnte etwa folgenden Wortlaut haben: „In der langen Geschichte der Namensgebung von öffentlichen Parkanlagen und Plätzen wird hier und heute erstmalig zu Ehren eines noch lebenden Künstlers eine Grünanlage eingeweiht. Das bislang wegen ihrer Lage Vorgebirgspark genannte Areal wird fortan den Namen Frank-Bölter-Park tragen. Üblicherweise verdienen herausragende Persönlichkeiten durch ihr außerordentliches Wirken während ihrer gesamten Lebens- und Schaffenszeit eine derartige Würdigung als Zeichen der öffentlichen Anerkennung. Folglich wird ihnen diese Ehre jedoch erst nach ihrem Ableben zu Teil. Für den Künstler Frank Bölter wird nun erstmals eine Ausnahme gemacht. Sie ist begründet durch die intensive Wirkung seiner vielfaltigen öffentlichen Aktionen und Auftritte und durch seine große, aus diesem kompromisslosen und mutigen Schaffen erwachsende Reputation, die ihn in der schwierigen Phase der Namensfindung zum einzig möglichen Kandidaten hat werden lassen. Er hat mit seinen eindrucksvollen und viel beachteten Aktionen im öffentlichen Raum immer wieder für Aufsehen gesorgt, aufgerüttelt. Erinnert sei nur an seine waghalsige Bootsfahrt über 600 Seemeilen in einem Papierschiff kreuz und quer durch Europa …“ Ein entsprechendes Straßenschild Frank-Bölter-Park ist bereits aufgestellt. Zudem wird ein allerdings noch nicht ganz vollendetes Denkmal für den Künstler die Umbenennung der Grünanlage auf den noch ungewohnten Namen Frank-Bölter-Park nachhaltig im öffentlichen Bewusstsein verankern. Vorerst steht nur ein erstaunlich konventioneller Sockel umgeben von ebenso konventionellem Blumenschmuck im Zentrum des als Einganszone des Parks dienenden Baumhofs. Noch fehlt die eigentliche Skulptur, eine den Künstler darstellende Büste etwa, ein auf der Sockeloberseite sichtbares Gewinde weist auf das noch ausstehende, dort zu fixierende repräsentative Stück hin, macht die eigentümliche Leere dieses Postaments zu einer Leer- und Baustelle des Ruhmes. Naturgemäß unvollständig bleiben muss in dieser besonderen Würdigungssituation auch die auf das Wesentliche reduzierte Beschriftung des Sockels, lapidar lautet sie: „Frank Bölter / 1969 – „. Irritierend ist diese Lücke, das dereinst nachzutragende aber schon mitgedachte Sterbejahr fungiert als ein memento mori. Brüchig wird die Seriosität aller dieser Würdezeichen durch ihre Machart. Nicht allein die völlige Banalität der gewählten Formen, auch die Ausführung – das Heimwerkerhafte und Rohe des Sockels – lassen das ganze Ensemble der Parkneubenennungszutaten zweifelhaft erscheinen, sie untergraben den behaupteten Ehrerweis des frisch aufgestellten Schildes Frank-Bölter-Park, der durch den nachlässig gebauten Denkmalsuntersatz eben nicht beglaubigt wird. Der Künstler Frank Bölter gestaltet mit traditionellen Dignitätsmustern die anmaßenden Behauptung Frank-Bölter-Park als Imitation grundlosen Ruhmes, macht den ehemaligen Vorgebirgspark zum Schauplatz vermeintlicher Eintagsberühmtheit, wie sie massenmedial fortwährend produziert wird. Grotesk erscheint die eitle Selbstüberschätzung, lächerlich (oder auch tragisch) die Differenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Getarnt als leichtfertig erscheinende Inszenierung eingebildeter Größe handelt Frank Bölters Frank-Bölter-Park vom schwierigen Status, der unsicheren Wertschätzung des Künstlers, den Kriterien für (kulturelles) Erinnern und Vergessen, dem tiefen Bedürfnis nach Berühmtheit, den Formen ihrer Konstruktion. Text: Jens Peter Koerver  
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Performance – Temporäre Installation Kunsthalle Göppingen | 2024 Straßentheater ZigZag, Lausanne, Schweiz | 2019 Figura: Theater Festival Baden, Schweiz | 2018 Internationales figuren.theater.festival Erlangen | 2017  
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Bis zum Ende der Welt Bis zum Ende der Welt

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Performance - Temporäre Installation Hitzler Werft, Elbe-Lübeck-Kanal | 2007   ERSTER AKT Hitzler Werft, Elbe-Lübeck-Kanal in Lauenburg, km 61,35 - Große Werfthalle, im Hintergrund wird an einem 120 Meter langen Schiffskörper aus Eisen gearbeitet. 2 Rollen Getränketütenkarton. Schlaggeräusche, es ist unruhig und laut. Herr Büker, Frau Rothschild, Jon Manshardt, RTL, SAT1, Werftarbeiter, Katharina Bunzel, Hamburger Abendblatt, Landeszeitung Lüneburg, Lauenburger Landeszeitung, Harun, Arian, Jule, Harald u. Mutter, Pavel, Ümit, Nachbar Bodo. 14. August 2007: Ich wiederhole meine zuvor unverbindlich gestellte Anfrage beim Betriebsleiter der Hitzler Werft, Herrn Büker, nach einer Möglichkeit, ein überdimensioniertes Papierschiffchen in der großen Werfthalle zu falten. Meine Anfrage stößt auf Interesse und wird als ungewöhnliche Maßnahme im Zusammenhang mit den werftüblichen Aktivitäten begrüßt. Außerdem sei im Moment ausreichend Platz vorhanden, da wenige Kleinschiffreparaturen vorgenommen werden würden. Ich bedanke mich und versichere, den gängigen Werftbetrieb nicht zu stören. Redakteure der Lauenburger Landeszeitung, der Landeszeitung Lüneburg und des Hamburger Abendblattes erklären ihr Interesse an einer Berichterstattung über das Projekt. Der RTL informiert sich über die Möglichkeiten, das Falten des Riesenpapierschiffchens zu filmen. Frau Rothschild der RTL-Redaktion drängt, das Faltboot unmittelbar nach dem Falten zu Wassern, dann hätte RTL Interesse. Meiner Absage mit dem Hinweis auf die verabredet öffentliche Performance am Projekteröffnungstag, dem 23. Oktober wird mit der Antwort begegnet, dass RTL dann wohl nicht kommen könne. Gegen 19.30 Uhr erhalte ich einen Anruf von Jon Manshardt aus Alt Garge. Er bietet mir an, mich mit seiner Don bis zum Ende der Welt zu ziehen. Ich lade ihn ein, an der Faltperformance teil zu nehmen, er nimmt dankend an. 15. August 2007: Frau Rothschild von der RTL-Redaktion erklärt, sie habe sich beim Chefredakteur durchgesetzt, sie kämen doch. SAT1 erklärt sein Interesse, zum Stapellauf zu erscheinen und bittet um einen Interviewtermin am 23. Oktober unmittelbar vor dem Stapellauf. Es folgen etliche redaktionelle Anfragen die Ernsthaftigkeit des Unterfangens betreffend sowie zur Klärung technischer Unwägbarkeiten, "um die morgige Faltaktion nicht zu sehr zu stören." Unterdessen wird unter größten Anstrengungen die große Getränketütenkartonfläche geschweißt. Das Industriematerial erweist sich als schwer und sperrig. Mit einer Heißluftpistole lässt sich die Kunststoffoberfläche anlösen und durch Pressen mit der etwa handbreit unterliegenden Bahn verschweißen. Der Untergrund ist schmutzig und uneben. Das Material wird bereits beim Zusammenschweißen strapaziert. Die hergestellte Grundfläche hat ca. 180 m?. Einige Werftarbeiter und Angestellte erkundigen sich nach Vorhaben, Material und Größe des Faltschiffes. Meine Ausführungen werden zur Kenntnis genommen. Meiner Einladung, bei der morgigen Faltaktion mit zu helfen, wird freundlich begegnet: "Das schau' ich mir an!", kommentiert Schweißer Ümit. 16. August 2007: Morgens ruft Sozialarbeiterin Katharina Bunzel an, leider könnten nur 4 Jugendliche helfen, am Nachmittag das Riesenpapierschiff zu falten. Ich verberge meine Enttäuschung über die geringe Anzahl begeisterungsfähiger Jugendlicher in Lauenburg und ermutige Sie: "Dann falten wir das Schiff zu viert." Um 13 Uhr erscheinen neben Redakteuren von RTL, dem Hamburger Abendblatt, der Landeszeitung Lüneburg, der Lauenburger Landeszeitung in Begleitung der Sozialarbeiterin Katharina Bunzel, Harun, Arian und Jule. Harun glaubt, dass es besser wäre, noch eine vierte Person hinzu zu ziehen und bietet sich an, auf der Straße noch jemanden an zu sprechen. Er kommt 10 Minuten später mit dem 9-jährigen Harald und seiner Mutter in die große Werfthalle. Skipper Jon trifft ein. Alle jugendlichen Helfer werden mit einem Arbeitsanzug ausgestattet. Nach der Begrüßung aller Helfer und Medienvertreter beginnt die erste Phase des Reisekommunikationsprojekts "Bis ans Ende der Welt' mit der Performance, ein schwimmfähiges, reise- und schlepptaugliches Riesenpapierschiffchen zu falten. Der Faltprozess nimmt etwa 2 Stunden in Anspruch, einige Male unterbrochen durch Interviewanfragen der Print- und Fernsehmedienvertreter. Was zehn Fingern in kleinem Format gewohnt leicht von der Hand geht, erweist sich in dieser Größe als kaum zu bewältigen. "Ganz schön anstrengend", meint Arian nach 2 Stunden, "Und jetzt reicht's auch!" Werfti 'Pavel' behauptet: "Am Ende der Welt, da war ich auch noch nicht". Sein Kollege Ümit würde gern als Passagier am Stapellauf teilnehmen: "Wenn das funktioniert, mache ich damit Urlaub" 18 Uhr: Anruf von Skipper Jon: "Wir benötigen dringend noch eine Schwimmfähigkeitserklärung. Sonst kann ich eigentlich nicht fahren." Ich erkundige mich beim Wasser- und Schifffahrtsamt. Dort rät man mir, bei der Hitzler Werft nach jemandem zu fragen, der ein solches Papier mal eben ausstellen kann. In der Zwischenzeit haben sich die in der Werfthalle wohnenden Tauben über das neue Gefährt her gemacht. Werftleiter Herr Büker behauptet: "die zielen auf Alles, was neu in der Halle ist." Werftarbeiter Christof meint: "Das bringt Glück!" 16. August, 20 Uhr: Besuch bei Jon Manshardt in Alt Garge. Bei einem Bier auf seiner Don erläutere ich ihm mein Anliegen, mit dem Riesenpapierschiffchen bis ans Ende der Welt zu gelangen. Seine Don stellt sich als prädestiniert für die geplante Reise heraus (tief liegende Schraube, die keine Welle produziert und 2 Schlafplätze an Bord). Wir verbringen einen angenehmen Abend an Bord und sind froh, ein Schiffsreise vor uns zu haben, bei der keiner so genau weiß, wo sie eigentlich hinführen soll. Ich lade Jon für den kommenden Tag ein, mich noch einmal auf der Hitzler Werft zu besuchen, um das Schiff und seine Schwimm- und Schlepptauglichkeit in Augenschein zu nehmen. 17. August: Jon kommt in Begleitung seines Nachbarn Bodo gegen 14 Uhr zur Werft. Wir diskutieren ausgiebig über neuralgische Punkte und mögliche Schwierigkeiten beim Passieren der Schleuse bei Geesthacht. Außerdem sei ein Passieren des Hamburger Hafen nahezu aussichtslos. Ich kläre ihn über die inzwischen erteilte schifffahrtspolizeiliche Erlaubnis auf. Er zeigt sich erfreut und sieht dem Stapellauf und der anschließenden Reise mit Zuversicht entgegen. Ich erkläre meine Freude über seine Mitarbeit nicht zuletzt wegen meines Mangels an Kenntnissen über Schifffahrt, Navigation sowie Wetter- und Wasserverhältnissen der Elbe und des Meeres. Jon klärt mich in Kürze über die Strömung der Elbe im Vergleich zu anderen Großwasserstraßen auf. "Die Elbe hat etwa 2 Knoten bei diesem Wasserstand. Schwierig wird's zum ersten Mal, wenn wir vom Elbe-Lübeck-Kanal auf die Elbe raus müssen. Da zeigt sich, was das Papierboot wirklich kann." Wir beschließen, im Hafengrill beim Mittagessen weiter über die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen und Reisevorbereitungen nach zu denken. Wir diskutieren über Aspekte wie Proviant, Schlafmöglichkeiten an Bord und mögliche Havarien unterwegs. Auch an Jon's Don seien noch einige Umbaumaßnahmen notwendig, wie bspw. eine Schleppvorrichtung und eine Strickleiter für das Einsteigen ins Papierschiff bzw. Aussteigen aus dem Papierschiff. „Da ist schon noch einiges zu tun", gibt Jon vor. Nach dem Essen gehen wir zurück zum Riesenpapierschiff, um uns den Schiffskörper noch mal unter dem Aspekt des her zu stellenden Schleppverbandes an zu schauen. „Das ist nämlich gar nicht so einfach. Man unterschätzt das. Wir haben ja immerhin zusammen über 20 m Länge: 9 m Papierschiff und 7 m Don plus Tampen (Schlepptau). Die muss man erstmal sicher bewegen auf dem Wasser! Aber ich krieg das hin, lass mich mal machen". Ich erkläre meine Unerfahrenheit und verweise auf die Idee als Motivationsbasis für dieses vielleicht etwas „waghalsige" Projekt. „Wenn wir hiermit fertig sind, machst Du bestimmt noch einen Binnenschifffahrtsschein, der ist auch nicht so schwer." Jon macht den Vorschlag, die verschiedenen über einander liegenden Tetra-Pak-Schichten miteinander zu verschweißen. Außerdem könne man die Bordwände stabilisieren, indem man Styrodur in die Bordwand einschlägt. Ich erkläre meine Skepsis und die Absicht, bis ans Ende der Welt reisen zu wollen und nicht darüber hinaus. „Aber wenn Du hier nicht gleich untergehen willst, müssen wir da etwas tun, weil die Kräfte des Wassers beim Schleppen am Bug der Bordwände ansetzen, und da hast Du keinen Widerstand." Ich verspreche, eine Nacht darüber zu schlafen. Am Nachmittag erkundigen sich einige Redaktionen über den weiteren Verlauf des Projektes. Unter Anderen bekunden SAT1 und RTL ihr Interesse am Stapellauf. Das Hamburger Abendblatt, der Lüneburger Anzeiger und die Lauenburger Landeszeitung fragen nach Interviewterminen für den Tag des Stapellaufs. 20. August: Als ich gegen 9 Uhr auf der Hitzler Werft eintreffe, ist Jon Manshardt schon dort. Er behauptet seit Tagen schlecht geschlafen zu haben. „Ich habe eine Idee, wie wir die Bordwände etwas stabiler machen können. Wir benötigen PE-Schläuche. Die sind unglaublich stabil. Da können ruhig hohe Wellen kommen. Die können dem Schiff nichts anhaben." Meine Frage, ob das wirklich nötig sei, wird überhört. Ich entgegne, mich erst mal um ein Gutachten für das Riesenpapierschiff kümmern zu müssen. Jon Manshardt nickt zustimmend. Auf meine telefonische Nachfrage bei der Hitzler Werft nach einem potentiellen Gutachter, antwortet Herr Büker, dass eine Schwimmfähigkeitserklärung, die bürokratischen Gesichtspunkten stand hält, ca. 30.000,- € kostet und bei Herrn Neumann von der Schiffsuntersuchungskommission SUK zu beantragen sei. „Nur damit Sie ungefähr einordnen können, was man da von Ihnen verlangt.", so Herr Büker. Meiner anschließenden Anfrage nach einer Sonderschwimmfähigkeitser-klärung für das Papierschiff begegnet Herr Neumann mit dem Tipp, es bei einem privaten Gutachter zu versuchen: Herr Behr in Lauenburg. Herr Behr weist meine Anfrage nach einer Schwimmfähigkeitserklärung brüsk zurück und gibt zu verstehen, dass er als Folge prompt auf Regress verklagt würde, wenn er diese Erklärung erteile. „Wie kommen Sie eigentlich auf die Idee, dass irgendein Gutachter Ihnen ein solches Gutachten überhaupt ausstellen könnte?" Es könne nicht Sinn und Zweck der Tätigkeit eines Gutachters sein, diese Erklärungen willfährig zu erteilen. Auf meinen Einwand, dass ohne schifffahrtliche Risikobereitschaft Amerika noch nicht entdeckt sei, antwortet Herr Behr, dass dies weder etwas mit meinem konkreten Anliegen zu tun hätte, noch mit seiner Tätigkeit. Ich erkläre meine Zweifel an dieser These und verweise auf den seefahrtlichen Ursprung des Wagemuts und der Risikobereitschaft anhand des Beispiels der royalen Unternehmungen von Christoph Columbus. Herr Behr behauptet, dass jeder sehr wohl wisse, dass die bevorstehende Fahrt nicht gut gehe. Er sei überhaupt sonst zu jedem Spaß bereit. ZWEITER AKT Hitzler Werft, Elbe-Lübeck-Kanal in Lauenburg, km 61,35 - Große Werfthalle, im Hintergrund ein 120 Meter langer Metallschiffskörper. Im Vordergrund das 9 Meter lange Riesenpapierschiffchen. Eine große Metallplatte, Eisenketten, Kran, Stille (leise Lüftungsgeräusche) Herr Meyer (Pok WSP), Herr Heide, Frau Durster (WSA), Herr Roßmeier (Pom Abes, a, ade inserhas Lauenburg), NDRan, SiT, Hamburgte Nora Sdun, Publikum 23. August, 10.18 Uhr: Polizeioberkommissar Meyer von der Wasserschutzpolizei, WSPK 35/Lauenburg betritt die Werfthalle und inspiziert das Papierschiff. Wir sprechen über den Sachverhalt des nicht zu erwirkenden Gutachtens der Sonderstelle Schiffsuntersuchungskommission (SUK) oder eines amtlich bestellten Sachverständigen, Punkt 15 der schifffahrtspolizeilichen Erlaubnis Nr. 160/2007 aufgrund der erforderlichen Summe von 30.000,- € und der für die Erteilung notwendigen behördlichen Laufzeiten von Wochen bzw. Monaten. Ich unterrichte Ihn über das Gespräch mit dem Gutachter aus Lauenburg, Herr Behr, und dessen barscher Unwilligkeit, das Gutachten aus zu stellen. „Das kann ich mir denken, aber die Leute gehen doch mit allem Möglichen ins Wasser". Herr Meyer wünscht gutes Gelingen für die Projekteröffnung und verabschiedet sich mit den Worten, ich solle mich an Ihn wenden, wenn irgendetwas nicht klappen sollte. „Ich weiß auch nicht, warum das Ding nicht schwimmen sollte. Ich habe keine Bedenken". Er hinterlässt seine Visitenkarte. Tel. 04153- 2291 Fax 04153 - 5 13 76 Polizei Hamburg Polizei Hamburg Wasserschutzpolizei WSPK 35 / Lauenburg Übereicht durctElbetraßle 2 - 21481 Lauenburg POK HEYER Anschließende Vorbereitungen für den abendlichen Stapellauf. Meine Anfrage beim Werftingenieur Herrn Heide, ob jemand bereit sei, am heutigen Abend den Kran zu bedienen stößt nach anfänglichem Unbehagen und monetärer Argumentation auf verhaltene Zustimmung. Schweißermeister Henni würde sich bereit erklären. "Ich muss mich um meine Küche kümmern. Sonst würde ich das machen. Aber der Henni macht das", so Herr Heide. Einige Fernsehsender rufen im Sekretariat der Werftleitung an, die sich ihrerseits leicht missbilligend über die Anzahl der Anrufe äußert. "Ich kann die Typen nicht ab!", so ein Werftarbeiter. "Was wollen die alle?" Frau Lebert vom NDR ruft an und beschwert sich bitterlich über die Missachtung ihrer unzähligen Versuche, mich zu erreichen. Sie möchte unbedingt beim Stapellauf ein Kamerateam vorbei schicken und auch einen Tag bei Jon Manshardt auf der Don mitfahren. Ich erkläre mein Erstaunen über die soeben erteilte Beschwerde und entschuldige den Umstand mit der Lautstärke in der Werfthalle, erkläre mein Interesse an der Konzentration auf meine Arbeit als bildender Künstler und deute eine Projektgefährdung durch die bereits reisevorläufige, immense Medienpräsenz an. "Aber das ist doch gut für Sie!" urteilt Frau Lebert. 14.50 Uhr: Anruf von Frau Durster vom WSA Lauenburg. Sie teilt mit, das augenscheinlich Punkt 15 der Auflagen der schifffahrtspolizeilichen Erlaubnis nicht erfüllt werden konnte und die Wasserschutzpolizei angewiesen wurde, den Stapellauf unmittelbar zu unterbinden, sobald das Papierschiff zu Wasser gelassen werden würde. Meiner Frage, woher sie das denn wisse, wird mit: sie wisse das!, begegnet. Auf meinen Hinweis, dass man mir von Seiten des Wasser- und Schifffahrtsamtes durch die späte Erteilung der schifffahrtspolizeilichen Erlaubnis keinen Handlungsspielraum zugestanden habe, die zudem nach der Einschätzung von Herrn Büker 30.000,- Euro kostet, verweist Frau Durster auf ihre Anweisungen, ihre ledigliche Übermittlerfunktion und ihre Nichtverantwortlichkeit. Auf meine Frage nach einem Gespräch mit der Amtsleiterin Frau Kalytta heißt es, diese sei schon außer Haus. Ich solle versuchen, ganz schnell einen vorläufigen Schwimmfähigkeits/Schleppfähig-keitsnachweis bei Herrn Neumann von der SUK Hamburg oder Frau Mangold von der zentralen Schiffsuntersuchungskommission in Mainz zu erwirken. Anschließend soll Polizeiobermeister D. Roßmeier der Wasserschutzpolizei Lauenburg umgehend von dem Unterfangen, den Nachweis doch noch zu bekommen unterrichtet werden. Herr Neumann hatte sich bereits vor einigen Tagen telefonisch für 'nicht zuständig' erklärt, ist jetzt nicht erreichbar. Bei der zentralen SUK in Mainz (Herr Dühn) räumt man mir wegen des sehr kleinen Zeitfensters nur geringe Chancen ein, die Erlaubnisauflagen doch noch zu erfüllen. In Mainz sei man ausschließlich zuständig für größere Schiffe mit einer Länge von über 12 Metern. Man versorgt mich allerdings mit Telefonnummern weiterer amtlicher Gutachter, die ebenfalls keinen Erfolg bringen. 16.05 Uhr: Telefonat mit Polizeiobermeister D. Roßmeier von der Wasserschutzpolizei Lauenburg. Herr Roßmeier erklärt, dass er Anweisungen des Wasser- und Schifffahrtsamtes befolgen müsse. Er persönlich habe vollstes Verständnis für die Aktion, ihm seien jedoch die Hände gebunden. 16.10 Uhr: Der Leiter des Künstlerhauses Lauenburg, Herr Sdun besucht die Wasserschutzpolizei Lauenburg. Herr Roßmeier habe erklärt, dass doch mit dem Papierschiff gefahren werden könne, allerdings nur auf dem Elbe-Lübeck-Kanal, nicht auf die Elbe hinaus, nur von km 61,45 (Hitzler Werft) bis 61,55 (Einmündung in die Elbe). Außerdem dürfe ausschließlich der Künstler ins Papierschiff. Ziehen dürfe ausschließlich ein DLRG-Boot, so Herr Sdun. "Wenn es sich dabei um eine Aktion eines bedeutenden Künstlers wie z. B. Joseph Beuys handeln würde, wäre die Sachlage eine Andere. Aber unter diesen Umständen!", gibt Herr Sdun die Aussage von Polizeiobermeister Roßmeier wieder. 16.30 Uhr: Interviews mit den Fernsehteams des NDR, von SAT1, RTL und diverser Pressevertreter. Es herrschen Unstimmigkeiten bzgl. der Reihenfolge der Interviews. Der NDR fragt nach einer Reportage an Bord am morgigen Vormittag. RTL schließt sich an. Das Hamburger Abendblatt auch. 18.35 Uhr: K. Meins von der DLRG teilt mit, dass die Wasserschutzpolizei ihm soeben verboten habe, dass Papierschiff zu ziehen. „Wenn ich auch nur den Tampen (Schiffstau) in die Hand nehme, schreiten die ein. Ich kann nichts machen." Carolin George vom Hamburger Abendblatt fragt, ob man sich nicht ein wenig beeilen könne, eigentlich wäre jetzt schon Redaktionsschluss. 18.45 Uhr: Treffen mit der Wasserschutzpolizei. Man weist mich auf den Rechtsverstoß hin, falls das Schiff zu Wasser gelassen werden würde. Über ein Wassern im Becken der Werfthalle ohne Besatzung werde man jedoch hinweg sehen. Sämtliche Gewässer in der Umgebung seien Hoheitsgebiet der Behörden, dementsprechend würde man sich verhalten. Auf meine Frage, ob eine Geldstrafe höher ausfallen würde als die Kosten für einen behördlichen Schwimmfähigkeits-/ Schlepptauglichkeitsnachweis in Höhe von 30.000,- € gibt es keine klare Antwort. Polizeiobermeister D. Roßmeier erklärt das Gespräch für beendet, die Hand am Halfter. 19.10 Uhr: Stapellauf, Einführung Nora Sdun 19.50 Uhr: Die Wasserschutzpolizei stellt sich in den Weg und scheint wie angekündigt eine Ausfahrt auf die Elbe verhindern zu wollen. Wir können nicht vorbei. Beidrehen des Schleppverbandes Ruderboot-Riesenpapierschiffchen. Das Boot der Wasserschutzpolizei versperrt den Weg. Herr Sdun wendet und zieht das Papierschiff wieder Richtung Werft. Abbruch der Aktion. 20.10 Uhr: Anlanden am Pier der Hitzler Werft. Nachfrage nach Gründen für das Einschreiten der Wasserschutzpolizei und der Beendigung der Aktion. Begründung von der Wasserschutzpolizei: "Wenn wir das durchgehen lassen, haben wir morgen 20 Leute in einem Riesenpapierschiff auf der Elbe." Meine Anfrage, ob sie sich dazu öffentlich äußern würden, wird abgelehnt. Ich erkläre laut rufend: "Lauenburg ist das Ende der Welt.", im Publikum am Ufer herrscht Unruhe. Skipper Jon Manshardt: "So ein Mist. Die ganze Planung umsonst!"
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Signing Academy/Academic Square Signing Academy/Academic Square

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Temporäre Installation – dauerhafte Installation Ausstellungsraum I, Kunstakademie Münster | 2004 Signing Academy | temporäre Installation | Gravur im Estrich | 01. November – 27. Dezember 2004 Academic Square | dauerhafte Installation – Kunst am Bau | ab 27. Dezember 2004   ›Signing Academy/Academic Square‹ konkretisiert die Arbeitssituation der Studenten an der ‚neuen’ Kunstakademie Münster anhand eines installativen Eingriffs in den Neubau und gilt als monumentalarchitekturkritische Geste über den Präzidenzfall hinaus. Der Neubau der Kunstakademie Münster wurde mit dem Ziel ausgerufen, eine auf die zeitgemäß hohen Ansprüche der Kunststudenten zugeschnittene Ausbildungsstätte zu schaffen. Nach der Fertigstellung im Jahre 2000 intendierten der Verwaltungsapparat und die bürokratischen Ordnungskräfte ein Klima der Gebäudekonservierung, das zu Blockaden beim kunststudentischen Arbeiten und Forschen und zu Problemen bei der erforderlichen Inbesitzname des Instituts durch die Zielgruppe „Kunststudenten“ führte. Maßgebliche Beschneidungen der Studenten und ihrer Möglichkeiten durch eine Überpräsenz zeitgenössischer Architektur und daraus resultierender hausordentlicher Verhaltensregeln und Verbote erschwerten den Studenten einen Zugang zu adäquaten Handlungsfreiräumen im europaweit einzigen extra für Kunststudenten konzipierten Bauwerk. Der § 2 Abs. 1 Nr. 4 UrhG, der die Werke von Architekten als Werke der Baukunst schützt, steht der freien, kunstakademischen Nutzbarkeit des Gebäudes gegenüber. So durften sich beispielsweise Dozenten und Studenten der Faches Malerei über ein äußerst auffälliges, grobmaschiges Fugenmuster des Mauerwerks in allen Klassenräumen wundern, was eine sensible Präsentation im kleinen Format mindestens erschwert. Für Hängungen durften keine Nägel benutzt werden, stattdessen wurden Galerieschienensysteme installiert. Speziell die für Examenspräsentationen konzipierten Ausstellungsräume A1 und A2 sind durch die Ausstattungselemente der Lichtanlage, sichtbarer Stromleitungen und gebäudestrukturbedingtem Lärm umfassend gestört. Eine bis zur Präsentation von ›Signing Academy‹ hinter vorgehaltener Hand geführte Diskussion unter Studenten und Professoren wurde durch die handschriftliche "Signatur der Kunstakademie" und Gravur im Estrich bei gleichzeitigem Geständnis öffentlich. Vor dem Hintergrund des Studiums der ‚Unfreien Kunst’ entstand die exemplarische Arbeit ›Signing Academy‹, die als kunstkommunikatives und architekturkritisches Statement zu ›Academic Square‹ führte.   Protokoll: Montag, 01. November 2004 (Allerheiligen): Hängung der Malereien im Ausstellungsraum A1, dem Präsentationsraum für Examen der Kunstakademie Münster. Über Nacht: heimliche Gravur in den Estrich des Ausstellungsraumes. Dienstag, 02. November 2004, 12:00 Uhr: Examensprüfung der Arbeit ›En passant‹. Prüfer sind Prof. Gunther Keusen, Prof. Michael van Ofen, Prof. Dr. Raimund Stecker. Ergebnis: erfolgreich bestanden. 19:30 Uhr: Eröffnung der Examensausstellung ›En passant‹ von Frank Bölter im Ausstellungsraum 1 der Kunstakademie Münster, Leonardo-Campus 2, 48148 Münster Mittwoch, 03. November 2004, 14:35 Uhr: D. Burgholz (Leiter des Ausstellungsbüros der Kunstakademie) ruft an. Er sei soeben im Ausstellungsraum gewesen, ich solle mich umgehend beim Kanzler der Akademie, Herrn Frank Bartsch, melden, damit dieser „nichts macht“, denn der sei stinksauer. Herr Burgholz bemerkt des Weiteren, dass er zu dieser Sache nichts sagen müsse. 14:38 Uhr: telefonische Anmeldung bei Herrn Bartsch, Verabredung für 15:30 Uhr. 15:45 Uhr: Herr Bartsch eröffnet das Gespräch mit der Frage: „Was haben Sie sich dabei gedacht?“ Ich verweise auf den Anspruch des Künstlers, Kunst zu schaffen. Der Frage, inwiefern diese Aktion etwas mit dem Haus zu tun habe, begegne ich mit der Absicht einer künstlerischen „Erfrischung der Akademie“. Herr Bartsch fragt, warum ich vorher keine Erlaubnis eingeholt hätte, es gebe doch schließlich andere Möglichkeiten und gibt zu Bedenken, dass mit dieser „Erfrischung“ eine Sachbeschädigung einhergehe, auf die eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren steht, abgesehen von den Reparaturkosten, die sich auf eine Summe zwischen 6.000 und 8.000,- Euro, vielleicht auch 11.000,- Euro belaufen dürfte, da im vorliegenden Falle eher der gesamte Estrich der Akademie neu ausgegossen werden müsse. Auf meinen Einwand, dass es sich bei diesem Eingriff um Kunst handele und wir uns in der Kunsta- kademie befänden, entgegnet Herr Bartsch, dass Kunst bei Sachbeschädigung aufhöre und ich doch auch einmal an meine Karriere denken müsse. Ich betone, selbstverständlich ständig an meine Karriere zu denken, mir allerdings bei der Frage, ob Sachbeschädigung Kunst ausschließe, nicht so sicher sei wie er. Meinem Vorschlag, den Schaden selbst zu beheben, um eine möglichst rasche Beseitigung „der Störung“ zu ermöglichen und die Materialkosten für diese Arbeit so gering wie möglich zu halten, erwidert Herr Bartsch, dass bei einem solchen Schaden der Eigentümer des Gebäudes, der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB), über das weitere Verfahren zu entscheiden habe. Er beendet das Gespräch mit dem Hinweis, ich solle mir schon einmal einen guten Anwalt suchen. Donnerstag, 04. November 2004, 11:45 Uhr, Rektorat: Rektor Prof. Scheel fragt, was ich mir bei dieser Sache gedacht habe. Ich argumentiere mit „Infragestellung“ des kunstbetrieblichen Einerleis und „Pointierung“ von Kunstakademie als Brut- und Produktionsstätte von „ Namenskunst“. Herr Scheel stellt fest, dass das Signieren der Kunstakademie eine Aktion mit leicht destruktivem Charakter sei. Dies stelle insofern ein Problem dar, da der Architekt des Gebäudes ein Recht darauf habe, das sein Gebäude unverändert bleiben müsse. „Als Leiter dieser Akademie darf ich über diese Aktion nicht schmunzeln“ (schmunzelt leicht). 14:45 Uhr: Gespräch mit Herrn Sandmann (Leiter der Metallwerkstatt) und Herrn Waltermann (Haustechnik). Herr Waltermann erklärt, es sei noch eine Dose Restestrich auf Lager und Herr Sandmann ergänzt, man könne vorläufig farbige Gipsmasse in die entstandenen Fugen schmieren, um den Schaden so unauffällig wie möglich zu machen. So könnten die nachfolgenden Kommilitonen ihre Examensausstellung halten. Allerdings habe Herr Waltermann noch keine Anweisung von oben erhalten. Die sei notwendig, bevor irgendetwas geschehen kann. Freitag, 05. November 2004, 11:10 Uhr: Anruf bei Herrn Bartsch. Er rät mir „dringend“ davon ab, den verursachten Schaden selbst zu beheben. Das sei Sache einer Fachfirma. Er habe in Kürze einen Termin mit dem BLB, da würde über das weitere Prozedere entschieden. Er würde mich darüber informieren. 15:35 Uhr: Anruf von Marcel Langenohl. Er käme gerade zurück vom Besuch der Ausstellung in der Kunstakademie. Es würde ein Bild fehlen. Mittwoch, 10. November 2004, 13:10 Uhr, Foyer der Kunstakademie: Begegnung mit Herrn Bartsch. Er erklärt, dass noch heute jemand vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW erscheint, um sich den Schaden anzusehen. Eine Fachfirma würde dann den Schaden beheben. Er würde versuchen, die Kosten so gering, wie möglich zu halten. Ich bedanke mich für die Rücksichtname. Dienstag, 16. November 2004, 14:00 Uhr: Kolloquium in der Klasse Prof. D. Buetti. Herr Buetti verkündet, dass in der Senatssitzung der Kunstakademie der Beschluss gefasst wurde, von einer strafrechtlichen Verfolgung abzusehen, allerdings müsse Schadenersatz geleistet werden. Mittwoch, 17. November 2004, 11:10 Uhr: Anruf bei Herrn Bartsch. Ich erkundige mich, wann mit der Reparatur zu rechnen sei, damit nicht noch weitere Kommilitonen durch die Signatur in Mitleidenschaft gezogen werden. Herr Bartsch erklärt, dass die Reparatur sehr schnell, innerhalb der nächsten 2-3 Tage geschehen solle. Samstag, 20. November 2004: Zustellung des Schreibens der Kunstakademie. Donnerstag, 02. Dezember 2004, 15:40 Uhr: Telefonat mit Frau Nicola Dicke, der nächsten Ausstellungskandidatin im Ausstellungsraum A1. Sie berichtet, im Telefonat mit Herrn Bartsch habe dieser bei der Beschwerde auf das Nichtbeheben des Schadens von Ihrer Seite auf mich als Verantwortlichen verwiesen. Er habe nach wiederholter Anfrage von Frau Dicke, die Installation einer lackierten Metallplatte vorgeschlagen. Diese soll bis zur vollständigen Reparatur des Estrichs den Schaden verdecken. Frau Dicke leitet den Auftrag an mich weiter, Herrn Sandmann über das Vorgehen zu informieren. 15:45 Uhr: Anruf bei Herrn Sandmann. Ich gebe den Auftrag von Herrn Bartsch weiter. Dieser erwidert, dass es doch viel unproblematischer sei, mit Gips oder Estrichmasse die Signatur bis zur Reparatur zu behandeln. Er will sich seinerseits mit Herrn Bartsch in Verbindung setzen. Montag, 6. Dezember 2004, 12:46 Uhr: Da Herr Bartsch nach Auskunft von Herrn Sandmann bis Freitag, den 3. Dezember nicht zu erreichen war, erkundige ich mich bei Frau Widey (Sekretariat des Kanzlers). Herr Bartsch sei erst am kommenden Donnerstag wieder im Haus. Donnerstag, 9. Dezember 2004, 10:42 Uhr: Telefonat mit Herrn Bartsch. Herr Bartsch erklärt, dass eine Lösung mit einer Metallplatte wegen Verletzungsgefahr auszuschließen ist. Lediglich eine Verkleidung mit Papier, Pappe oder Folie sei angemessen. Eine endgültige Schadensbehebung könne erst zwischen Weihnachten und Neujahr erfolgen, da die Reparatur durch Trocknungszeiten verzögert werde und sich daher über mehrere Tage hinziehe. 16:45 Uhr: Anruf bei Frau Dicke. Ich erkläre, die notwendigen Pappen zu besorgen, damit Sie zu Ihrer Examensausstellung im Examensraum installiert werden können. Freitag, 10. Dezember 2004, 16:25 Uhr: Einkauf von 4 Graupappen, 108 x 150 cm. Sonntag, 12. Dezember 2004: Aufbau der Examensausstellung von Nicola Dicke und Auslegen der Graupappen auf dem Fußboden über der Signatur. Die Graupappen heben sich jedoch zu sehr vom Estrichgrau des Bodens ab. Nicola Dicke beschließt die Gravur besser mit Grafit abzudunkeln, damit sich die Schrift noch weniger von der Estrichfarbe abhebt. Dienstag, 14. Dezember 2004, 12:00 Uhr: Examensprüfung Nicola Dicke. 19:30 Uhr: Ausstellungseröffnung 27.–29. Dezember 2004: Reparaturarbeiten. Aufstemmen eines rechteckigen Teils des Estrichbodens, Ausgießen in mehreren Stufen und Trocknung der neuen Estrichmasse (s. Abb.). Zwischen dem 9. November und dem 14. Dezember haben sechs Kommilitonen im Ausstellungsraum ihre Examensprüfungen abgelegt. 12. Januar 2005: Postzustellung der Rechnung der Reparaturkosten der Firma Wiegrink Fußbodenbau GmbH über 1.081,70 € von der Kunstakademie Münster (Herr Schweigmann). 18. Januar 2005, 16:00 Uhr, Kolloquium der Klasse D. Buetti: Auf meinen Bericht über den Erhalt der Rechnung und den Hinweis, das notwendige Geld nicht zu besitzen, macht Studentin Barbara Schmidt den Vorschlag, die Rechnungssumme vorerst vom Klassenetat der Klasse Buetti zu begleichen. Bei einer Enthaltung wird der Vorschlag von B. Schmidt angenommen. Ich habe ferner die Rückzahlung meiner daraus resultierenden Schulden gegenüber der Klasse Buetti per Monatsraten in Höhe von 10 x 108,77 € zu begleichen. 19. Januar 2005, 11:20 Uhr: Ich übergebe die Rechnung an Herrn Prof. D. Buetti, der Sie am Nachmittag Herrn Schweigmann (Rechnungsstelle der Kunstakademie) zurückgibt. 23. Februar 2005, Förderpreisausstellung der Kunstakademie Münster, 19:45 Uhr: Timm Ulrichs läßt sich von einem seiner Studenten anzeigen, wer die Akademie signiert hat. Leicht zögerlich nähert sich Prof. Ulrichs mit den Worten: „Sie sind das also!“ Auf meine Frage, wer ich sei, erwidert Ulrichs: „Der, der den Akademieboden zerstört hat.“ Ulrichs weiter: „Sie leiden doch an maßloser Selbstüberschätzung. Sie, sie ...“. Auf meine Bemerkung, dass es sich bei dieser Arbeit in erster Linie um Selbstironie handelte, antwortet Prof. Ulrichs laut: „Ach, Selbstironie, hören Sie doch auf. Es ist gut, dass Sie soviel Geld dafür bezahlen müssen. Hätte ich das zu entscheiden gehabt, hätten wir Sie auch verklagt!“. Schimpfend und wild gestikulierend gesellen sich einige Studenten der Klasse von Prof. Ulrichs zu ihm. Der wendet sich mit abfälligen Äußerungen ab, seine Studenten folgen ihm, weitere beunruhigende Bemerkungen und Anschuldigungen vorbringend. 23. April 2005, 14:20 Uhr: Ich schreibe eine Mail an Herrn Schweigmann mit der Absichtserklärung die Rechnungssumme nun zu begleichen, das notwendige Geld sei nun vorhanden. 15:50 Uhr: Überweisung der Rechungssumme von 1.087,70 auf das Konto-Nr. 60027 der Universitätskasse Münster bei der WestLB Münster, Kennzeichen m/Bölter 24. April 2005, 11:30 Uhr: Erhalt einer Antwortmail. Herr Schweigmann ist erfreut über die so baldige Erledigung dieser Sache. Eine soeben vorgenommene Klassenetatkürzung verspricht er zurück zu nehmen, sobald das Geld eingegangen sei. 02. Mai 2005, 13:30 Uhr: Tutor Clemens Goldbach erklärt, in der Senatssitzung sei positiv über das solidarische Vorgehen der Klasse Buetti geurteilt worden. Prof. D. Buetti seinerseits begrüßt das schnelle Begleichen der Rechnung.
Signing Academy/Academic Square
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Performance - Temporäre Installation Rathausplatz, Augsburg | 2025   Das „Haus des Friedens“ ist der Bau eines alle Bereiche der Augsburger Gesellschaft integrierenden und sämtliche Öffentlichkeiten befruchtenden wie bereichernden monumentalen Friedensgebäudes für alle in Augsburg ansässigen Menschen aus faltbaren und temporär haltbaren „Pappsteinen“ auf dem Augsburger Rathausplatz. Im vorbildlichen Miteinander wird ein den weltweit notwendigen Friedensdialog abbildendes Denkmal gebaut, das als temporäres Dach der eigenen Friedensbemühungen alle gesellschaftlichen Sparten, separierte Blasen und Parallelgesellschaften zusammenführend skulptural beheimatet. Falte, gestalte und Baue mit! Ab dem 15. März könnt Ihr die kinderleicht faltbaren und zu bemalenden vorgestanzten Pappelemente im Friedensbüro der Stadt, Bahnhofstr. 18 1/3a (Hinterhof) in 86150 Augsburg abholen, um sie mit einem persönlichen Friedensbericht oder einer gemalten oder gezeichneten Friedensaktion zurückzubringen oder die „Steine“ ab dem 01. Mai 2025 auf dem Rathausplatz mit zu vermauern. Stein um Stein wird „das Haus des Friedens“ von Euch gebaut, Bild für Bild werden Eure Friedensbemühungen im Innern des Hauses ausgestellt, Schritt für Schritt gehen wir gemeinsam in den Frieden. Am Ende der Bauphase wird mit dem letzten Stein das ephemere Denkmal des Friedens am 8. Mai 2025, 80 Jahre nach der Beendigung des 2. Weltkrieges, verschlossen, versiegelt und die Ausstellung der gemeinschaftlich geschaffenen Bauskulptur mit seinem verbarrikadiertem Inhalt „eröffnet“ und der Öffentlichkeit vorgestellt. Die im Inneren an den Wänden des Gebäudes in der Bauphase zuvor ausgestellten „Schätze der privaten Augsburger Friedensbemühungen“ ist nur in der Bauphase der Öffentlichkeit zugänglich und verbleibt nach Fertigstellung und Eröffnung hinter dem Bollwerk verborgen: Das Ideal des Friedens scheint demnach ein unbetretbarer Ort zu sein, der nur auf Kosten von Zerstörung des höchst fragilen Gebäudes zu betreten ist? Wer wissen will, wie die Ausstellung im Inneren aussieht, muss sich mit Gewalt Zutritt verschaffen. Wer wagt den ersten Schritt, um zu sehen, was sich im Innern befindet? …
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Der Elefant im (Straf-)Raum Der Elefant im (Straf-)Raum

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Performance - Temporäre Installation öffentlicher Raum, Köln-Kalk | 2024   Sonntag, 01.09.2024 um 15 Uhr - erster Teil Wir treffen uns zum Kalkfest auf dem Hof der Sünner Brauerei zum Biertrinken, als Tommy plötzlich mit dem Fahrrad angerauscht kommt und meint: „Moin. Wir haben überall Wohnungsnot, Mietwucher und Separationspolitik der Mächtigen. Ihr Müsst was tun!“ Arthur meint: „Machen wir. Wir trinken für eine bessere Welt.“ Lenny pflichtet bei: „Wobei das Bier auch immer teurer wird.“ Bela ergänzt: „Wir haben heute hier nämlich eine Demo für eine Stadt ohne Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen ein Menschenrecht ist und fordern Wohnungen für alle!“ Arthur staunt über Wortgewandt-, Klug-, und Allwissenheit seines Freundes Bela. Lenny kramt eine Faltanleitung für ein Origami-Haus aus seiner Hosentasche und erklärt, die sei zwar mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden, aber noch lesbar, Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“ Plötzlich erscheint wie aus dem Nichts Christiane und behauptet: „Wir haben heute hier nämlich eine Demo für eine Stadt ohne Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen ein Menschenrecht ist und fordern Wohnungen für alle. Ihr müsst was tun!“ Arthur meint: „Machen wir. Wir trinken für eine bessere Welt.“ Lenny pflichtet bei: „Wobei das Bier auch immer teurer wird.“ Bela ergänzt: „Wir haben heute hier nämlich eine Demo für eine Stadt ohne Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen ein Menschenrecht ist und fordern Wohnungen für alle.“ Arthur staunt weiter über Wortgewandt-, Klug-, und Allwissenheit seines Freundes Bela. Lenny steckt die Faltanleitung für ein Origami-Haus wieder in seine Hosentasche und erklärt die sei mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden und deswegen nicht mehr lesbar, Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“ Plötzlich erscheint wie aus dem noch Nichtser Wolfgang und ruft: „Die haben heute hier nämlich für mich eine Demo für meine Stadt ohne meine Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen mein Menschenrecht ist und fordern eine Wohnung für mich. Ich hab Euer Plakat gesehen. Ihr müsst was für mich tun!“ Arthur staunt weiter und weiter über Wortgewandt-, Klug-, und Allwissenheit seines Freundes Bela, Lenny kramt die Faltanleitung für ein Origami-Haus wieder aus seiner Hosentasche und erklärt, die sei zwar mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden und deswegen nicht mehr lesbar, aber er kenne die sowieso auswendig. Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“ Wolfgang meint: „Ich bin obdachlos und Ihr seid „Angels“. Ich nehme das Haus, wenn es fertig ist. Ihr könnt das für mich in den Park stellen. Ihr müsst nur sofort die Polizei anrufen und sagen, dass das Haus von Euch kommt. Die Polizei kommt dann auch sofort und nimmt mir das Haus aber nicht wieder weg. Deswegen müsst Ihr sofort bei der Polizei anrufen und sagen, dass das von Euch kommt. Wenn Ihr das macht, dann sehen die, dass das aus der Mitte der zivilisierten Bevölkerung kommt und nicht von mir, also vom geduldeten "unzivilisierten Rand der Gesellschaft". Die kommen dann zwar kucken, sehen Euch aber bei mir. Nur so kann das stehen bleiben. Ich bin dann auch nicht mehr so obdachlos und Ihr seid „Angels“.“ Arthur staunt weiter und weiter und weiter über Wortgewandt-, Klug-, und Allwissenheit seines Freundes Bela, Lenny steckt die Faltanleitung für ein Origami-Haus wieder in seine Hosentasche und erklärt, die sei zwar mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden und deswegen nicht mehr lesbar, aber er kenne die sowieso in- und auswendig, darüber hinaus käme ein-Haus-für-die-Polizei-falten nur ohne ihn nicht in Frage(?). Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“ Als mir an Wolfgang gewandt einfällt, das wir das selbstverständlich gerne für ihn machten, aber er sich noch etwas in Geduld üben müsste, da wir erst mit dem Papierhaus an der Demo teilnehmen wollten, von der ja schon hier und da die Rede gewesen sei, bevor wir ihm danach das Falthaus in den Park stellten und die Polizei dann käme undundund… Als Bela ergänzt: „Wir haben heute hier nämlich eine Demo für eine Stadt ohne Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen ein Menschenrecht ist und fordern Wohnungen für alle“, platzt Wolfgang beinah mit den Worten: „Ich bin obdachlos und Ihr seid Arschlöcher…“, wendet sich um und schnaubt davon. „Ich dachte, wir wären „Angels“?“, wundert sich Tommy leicht irritiert. „Genau!“, ruft Christiane noch irritierter. „Nee, Ihr seid Arschlöcher!“, schnaubt sich Wolfgang nochmal um. „Ihr lasst mich hängen. Ihr braucht nicht die Polizei anrufen, weil ich nämlich das Haus nicht mehr will, denn wenn Ihr das für mich erst nach der Demo in den Park stellt, kommen die sofort und nehmen mir das wieder weg und behaupten, das sei illegal, weil das Haus auf der Demo war. Das wird dann konfisziert. Deswegen braucht Ihr bei der Polizei auch nicht anzurufen. Wenn Ihr das so macht, dann sehen die, dass das aus der Mitte der unzivilisierten Bevölkerung kommt und nicht von mir, also vom geduldeten "zivilisierten Rand der Gesellschaft". Die kommen dann trotzdem, sehen aber Euch bei mir und nehmen das Haus mit, weil Ihr mit dem Haus auf der Demo wardt. Ich bin nämlich obdachlos und Ihr seid Arschlöcher. Darüber hinaus seid Ihr noch größere Arschlöcher als alle anderen, weil ihr mir gar nicht helfen wollt. Ihr seid die größten Arschlöcher von allen, weil ich hab Euch die ganze Zeit vertraut.“ Arthur sucht nach der „ganzen Zeit“ und schaut dabei auf seine Uhr. „Wir wollen Dir schon gerne helfen, aber wir wollen auch gemeinsam hier auf dem Hof mit vielen Leuten das Haus falten, dann die Straße entlang „protestmarschieren“, um darauf hinzuweisen, das man kreativ seine Stimme erheben kann“, das wäre schließlich der nicht zu unterschätzende Sinn dieser Aktion: „Danach stellen wir Dir das Haus gerne in den Park“, höre ich mich Wolfgang hinterher argumentieren, der nur sein eigenes Argument: „Ihr seid die allergrößten Arschlöcher von allen!“, in alle Richtungen brüllend gelten lässt. Etwas mitgenommen und stehen gelassen zugleich, schicken wir uns mehr oder weniger benommen an, das Haus zu falten. Was sollten wir auch sonst tun? „Na dann. Los geht’s!“ meint Tommi. Arthur meint: „Machen wir. Wir falten für eine bessere Welt.“ Lenny pflichtet bei: „Wobei das Falten auch immer komischer wird.“ Bela ergänzt: „Wir haben heute hier nämlich eine Demo für eine Stadt ohne Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen ein Menschenrecht ist und fordern Wohnungen für alle.“ Das Haus sieht schließlich etwas mitgenommen und auf dem Hof der Brauwelt etwas stehen gelassen zugleich aus… Samstag, 07.09.2024 um 15 Uhr - Der Elefant im (Straf-)Raum. Zweiter Teil Wir treffen uns wieder an der Brauwelt auf dem Hof der Sünner Brauerei zum Biertrinken, als Tommy plötzlich mit dem Fahrrad angerauscht kommt und meint: „Moin. Wir haben überall Bewegungsmangel, Arthrose und Gelenkschmerzen der Ohnmächtigen. Ihr Müsst was tun!“ Arthur meint: „Machen wir. Wir trinken für eine bessere Welt.“ Lenny pflichtet bei: „Wobei das Bier auch immer teurer wird.““ Bela ergänzt: „Wir haben heute hier nämlich ein Fußballspiel von Borussia Kalk gegen den Dürener SV gegen Bewegungsnotstand, Arthrosewucher und Fußfäule. Die weisen daraufhin, das Bewegung ein Menschenrecht ist und fordern Fußball für alle.“ Arthur staunt über Wortklauber-, Klugscheißer-, und Besserwisserei seines Freundes Bela, Lenny kramt eine Faltanleitung für ein Fußball-Museum aus seiner Hosentasche, und erklärt, die sei mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden, aber noch lesbar, Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“ Als Christiane plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht und behauptet: „Wir haben heute nämlich keine Demo für eine Stadt ohne Armut vom Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung. Die weisen auch nicht daraufhin, das Wohnen mal ein Menschenrecht war und fordern keine Wohnungen für alle. Ihr müsst nichts tun!“, meint Arthur: „Machen wir. Wir trinken für eine bessere Welt.“ Lenny pflichtet bei: „Wobei das Bier immer teurer wird.“ Bela ergänzt: „Wir haben heute hier nämlich ein Fußballspiel von Borussia Kalk gegen den Dürener SV gegen Bewegungsnotstand, Arthrosewucher und Fußfäule. Die weisen daraufhin, das Bewegung ein Menschenrecht ist und fordern Fußball für alle.“ Arthur staunt weiter über Wortklauber-, Klugscheißer-, und Besserwisserei seines Freundes Bela, Lenny steckt die Faltanleitung für ein Fußball-Museum wieder in seine Hosentasche, und erklärt, die sei mit der letzten Wäsche mit gewaschen worden und deswegen nicht mehr lesbar, Tommy ruft: „Na dann. Los geht’s!“ Jetzt müsste eigentlich langsam Wolfgang aus dem, wie hieß das noch?, "noch Nichtser" auftauchen, wähne ich mich im seltsamsten "Déjà vü" von Köln, um das mit der Demo bis zum Erbrechen am letzten Wochenende zu wiederholen. Als dieser völlig überraschend fern bleibt, um seine Aussage: „Die haben heute hier nämlich eine Demo für meine Stadt ohne meine Armut vom Aktionsbündnis gegen meine Wohnungsnot und meine Stadtzerstörung. Die weisen daraufhin, das Wohnen mein Menschenrecht ist und fordern eine Wohnung für mich. Ich hab Euer Plakat gesehen. Ihr müsst was für mich tun!“, zu wiederholen. „Irgendwas stimmt hier mit der Zeit nicht!“, höre ich mich gerade vor mich hin murmeln, als alle anderen behände das Haus geschultert auf drei bereitstehende Hunde stellen, um das Haus über große Umwege durch Kalk zum Fußballplatz von Borussia Kalk zu rollen. Die Hände vom scharfkantigen Papier zerschnitten, die Trippelschritte der überfrachteten Häuslebauer, damit das Haus im Gleichgewicht durch die Straßen schlingert, an Pina Bausch in ihren besten Zeiten erinnernd, wird mit dem gefalteten Haus doch noch für eine Stadt ohne Armut mit dem Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung demonstriert. Das Papphaus weist gerade daraufhin, das Wohnen ein Menschenrecht ist und fordert Wohnungen für alle, und wird gerade quer durch Kalk zum Fußballspiel von Borussia Kalk gegen den Dürener SV gegen Bewegungsnotstand, Arthrosewucher und Fußfäule gerollt, um daraufhin zu weisen, das Bewegung ein Menschenrecht ist und um Fußball für alle zu fordern, als Thorsten aus Brandenburg an der Havel anruft und berichtet, dass ihn die lokale Wohnungsbaugenossenschaft trotz 100% Behinderungsgrad aus seiner Wohnung geschmissen hat, und er jetzt auf der Straße leben müsse: "Die Wohnungsbaugenossenschaften waren mal gemeinnützig. Das war einmal!" Ich traue meinen Ohren nicht und verspreche, bei allem Humor in diesem Text wie bei aller Freude und glücklichen Fügungen in meinem eigenen Leben diese Dinge nicht für mich zu behalten, sondern die Information zu verbreiten, dem ich mit diesem Text hier gern nachkomme. Als ich von Thorsten aus Brandenburg berichte, weiß Christiane Ähnliches von Kölner Wohnungsbaugenossenschaften zu berichten. Einen kurzen Moment überlegen wir, das Papierhaus nach Brandenburg zu rollen oder besser vor die Türen der Kölner Wohnungsbaugenossenschaften, als plötzlich einer der Hunde schlapp macht... Wie aus der Steigerung von Nichtser und als hätte man sich in Windeseile abgesprochen sind alle Aktionsstände und Demonstrationsteilnehmer von letztem Wochenende wieder auf der Straße. „Irgendwas stimmt hier mit der Zeit nicht!“, höre ich mich gerade vor mich hin murmeln, als Tommy sich in einer Zeitschleife gefangen sieht, dafür aber keine Zeit hat, da er uns den Weg mit seinem Fahrrad Freischneisen muss, damit das Papierhaus über möglichst wenig Zehen der zahlreichen Demonstranten von letzter Woche rollt. Arthur glaubt: „Wir haben zu viel für eine bessere Welt getrunken!“. Lenny pflichtet bei: „Das Bier wird auch immer teurer und schmeckt auch immer komischer“. Tommy rauscht mit seinem Fahrrad durch die Menge und meint: „Egal. Hauptsache: Los geht’s!“ Als wir am Stand vom „Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung“ ankommen, werden wir mit den Worten: „Das seid Ihr ja endlich. Nur eine Woche zu spät!“, angemessen freudig begrüßt. „Irgendwas stimmt hier mit der Zeit nicht!“, höre ich mich gerade vor mich hin murmeln, als Tommy meint: „Wir müssen schnell weiter zum Fußballspiel von Borussia Kalk gegen den Dürener SV gegen Bewegungsnotstand, Arthrosewucher und Fußfäule. Die weisen daraufhin, das Bewegung ein Menschenrecht ist und fordern Fußball für alle“, und wir müssten dort zu diesem Anlass selbstverständlich ein Fußball-Museum errichten. Am Stand des „Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung“ wird noch schnell das „Aktionsbündnis gegen Bewegungsnotstand, Arthrosewucher und Fußfäule“ gegründet und auf dem Gelände von Borussia Kalk ein dazu gehöriger Aktionsstand gesucht. Tommy vermisst die vielen angekündigten Teilnehmer, die schon in den Tagen und Wochen zuvor auf den sozialen Medien über das längst überfällige Fußball-Museum von Borussia Kalk, dem zweiten Fußball-Museum nach dem ersten in Borussia Dortmund, berichten. Als nach 30-minütiger Verspätung immer noch niemand der angekündigten Falt- und Fußballexperten auftaucht, und sich niemand der Zuschauer, außer Larissa, bereit erklärt, beim Falten des Fußball-Museums mitzu… äh -falten, erklärt Larissa, sie sei mehr an Elefanten interessiert. Dafür gebe es auch einen Grund, nämlich: Es gebe derzeit und für den Rest der Zeit dermaßen viele Krisen, Krisengebiete und -herden auf der Welt, das sie sich um alle beim besten Willen nicht kümmern könne. Deswegen würde es auch überhaupt keinen Sinn mehr machen, hier ein Papierschiffchen zu falten, dort und Häuschen und wieder zurück im Hier und Jetzt ein Fußball-Museum für Borussia Kalk, auch wenn ihr Sohn hier gerade für Borussia ein Tor geschossen hätte. Selbst wenn Ihr Sohn jetzt als Torschütze ins Borussia Kalk-Museum käme, würde ihr das nichts, naja, kaum etwas bedeuten. Einzig und allein, Elefanten blieben noch als sinnvolle Tätigkeit übrig. Auf die Frage: „Warum?“ antwortet sie: „Warum nicht!“, „Leuchtet ein“, gibt der Vorsitzende von Borussia Kalk auch noch seinen Senf auf seine mitgebrachte Bratwurst, die sich gerade von hinten ins Gespräch dazu schmuggelt. „In Zeiten des Totalistarismus sind ja auch Diskussionen nicht mehr so „in“, etwas aus der Mode gekommen und quasi nicht mehr en vogue“, versucht der große Vorsitzende sich, seiner Bratwurst und seiner Unlogik mit einem Dreiklang künstlich mehr Gewicht zu verleihen. Im Hintergrund parlieren die vor lauter nach Kalk importierter Allgemeinbildung strotzenden Lenny, Arthur und Bela gewieft über den offenbar verloren gegangenen Sinn sinnvoller Tätigkeiten und sehen diesen eher als im Reich sinnloser Tätigkeiten oder in Kalk verortet, was sowohl als auch eine fundamentale Zeitenwende bedeuten würde. „Liegt des Leben’s Sinn nun im Sinnlosen oder in Kalk?“ wird inzwischen innerhalb der kleinen, wenn auch größer werdenden Elefantenherde, die sich in der Fußballspielpause um uns herum versammelt hat, gerätselt. Darüber würden ja auch ohnehin inzwischen alle Mann bzw. Aliman nachdenken. „Kalk!“ ruft Tommi dazwischen und will eine Runde Getränke schmeissen. Er würde gern Getränke holen. "Ihr könnt ja schon mal anfangen zu falten", ruft er laut, bevor er seinen Ton auf ganz leise dreht, sodass kaum einer die Fortsetzung: „... oder auf mich warten, bis ich mit den Getränken zurück bin“ versteht. Arthur meint: „Machen wir. Wir trinken für eine bessere Welt.“ Lenny pflichtet bei: „Wobei das Bier auch immer teurer wird.“ Bela ergänzt: „Wir haben heute hier nämlich ein Fußballspiel von Borussia Kalk gegen den Dürener SV gegen Tierleid, Massentierhaltung und Fleischkonsum. Wir weisen daraufhin, das Tierleben ein Menschenrecht ist und fordern Elefanten für alle.“… Der Mao von Kalk bietet Larissa einen Job als 2. Vorsitzende an, die das dankend annimmt. Allerdings müsse vorher noch der Elefant gefaltet werden.    
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Temporäre Installation Bahnhofsvorplatz, Göppingen | 2024   B A U T A G E B L O G G - 1. Akt Vorbereitung „NEOKunsthalle Göppingen“ 18.12.2023 Besuch der Kunsthalle Göppingen mit Ortsbegehung und Besichtigung des Stadtmuseums, des Kornhauses wie verschiedener Plätze und Parks bzgl. seiner bzw. ihrer Eignung für öffentlichkeitsinvolvierende Kunstprojekte. Inspirierende Wirkung entfaltet der Erfindergeist der Göppinger in Form von Märklin, der Miniaturseidenstickerei, origineller Kochbücher etc., nachzuvollziehen im Stadtmuseum Göppingens. 18.01.2024 Nächster Besuch der Kunsthalle mit weiterer Ortsbegehung und wiederholter Besichtigung des Stadtmuseums, des Kornhauses wie verschiedenerer Plätze und Parks bzgl. seiner bzw. ihrer Eignung für öffentlichkeitsinvolvierende Kunstprojekte. Noch inspirierendere Wirkung entfaltet der Erfindergeist der Göppinger in Form von Märklin, der Miniaturseidenstickerei, origineller Kochbücher etc., wieder nachzuvollziehen im Stadtmuseum Göppingens. 18.02.2024 Übernächster Besuch der Kunsthalle mit noch weiterer Ortsbegehung und wiederholterer Besichtigung des Stadtmuseums, des Kornhauses wie verschiedenster Plätze und Parks bzgl. seiner bzw. ihrer Eignung für öffentlichkeitsinvolvierende Kunstprojekte. Inspirierendste Wirkung entfaltet der Erfindergeist der Göppinger in Form von Märklin, der Miniaturseidenstickerei, origineller Kochbücher etc., immer noch nachzuvollziehen im Stadtmuseum Göppingens. 18.03.2024 Überübernächster Besuch der Kunsthalle mit weitester Ortsbegehung und wiederholtester Besichtigung des Stadtmuseums, des Kornhauses wie verschiedener Plätze und Parks bzgl. seiner bzw. ihrer Eignung für öffentlichkeitsinvolvierende Kunstprojekte. Inspirierendste Wirkung entfaltet immer noch der Erfindergeist der Göppinger in Form von Märklin, der Miniaturseidenstickerei, origineller Kochbücher etc., immer nachzuvollziehen im Stadtmuseum Göppingens. Die "höheren Mächte" treffen die Entscheidung, diesen in Form eines Denkmals abzubilden. 14 Uhr zufälliger Besuch bei der Fa. Seyfert und seines Chefkonstrukteurs Andreas Wahl. Herr Wahl erklärt zunächst seine Urlaubsbereitschaft nach intensivster Forschung und Entwicklung dreier Pappsteinmodelle, die er genauso begeistert vorstellt, erklärt und die jeweiligen Besonderheiten erläutert, wie der Künstler sein Vorhaben, die Kunsthalle Göppingens damit aus Pappe nachbauen zu wollen. Der vom Ingenieur Andreas Wahl favorisierte Pappstein A stellt sich als besonders praktikabel heraus. Der Künstler erklärt seine Hochachtung vor dem Erfindergeist Andreas Wahl, der Erfindergeist seine Missachtung gegenüber der Uninspiriertheit des auftragegebenden Künstlers, dieser solle sich doch endlich mal an den Modellbau machen, um der Fa. Seyfert die finalen Maße des Pappmonumentalbauwerks, die finale Stückzahl und die Dachkonstruktion durchgeben. Der Künstler wünscht sich und Herrn Wahl einen angenehmen Urlaub. 28.03.2024 Einblick in die Konstruktionsbücher des Planungsbüros der NEOKunsthalle Göppingen und Ausblick auf die Durchführung des Projektes im Stadtraum Göppingens. Der Bahnhofsvorplatz erweist sich im Gegensatz zum Rathausplatz und dem Kornhausplatz als besonders schwierig für eine Durchführung des Projektes und schafft es gerade deswegen neben dem Aldi-Parkplatz in die engere Wahl. Neben dem Aspekt des Transits und den Reiseabsichten der Passanten, erweisen sich das leichte Gefälle des Platzes zum Ablauf des Regenwassers wie die architektonische Umgebung als städtische Problemzonen und als mit dem Bau der NEOKunsthalle in Konkurrenz stehend. Gerade deswegen fällt die Wahl auf den Bahnhofsvorplatz. 08.04.2024 Bericht aus der Modellbauwerkstatt der NEOKunsthalle Göppingen. Entwicklung kleiner Pappsteinmodelle auf einwelliger Wellpappe in 3 Millimeter Stärke im Maßstab 1:10. Neben der Entwicklung von nuklearen Papierwaffen als Beitrag für weltweite Friedensverhandlungen entwickelt sich das Projekt NEOKunsthalle Göppingen zusehends zum zentralen Anliegen der Werkstatt. Insbesondere die kommunikative Ebene bekommt mehr und mehr ein arbeitstagesfüllendes Volumen, da sich mehr und mehr Schulen, städtische Einrichtungen wie die Lebenshilfe e.V. u. A. für eine Beteiligung und Kooperation interessieren. Gespräche mit der Feuerwehr bzgl. Brandschutz und Untersuchungen bzgl. der Brennbarkeit von Pappsteinen füllen verständlicherweise virtuelle online-Konferenzen wie wirkliche Begegnungen mit städtischen Behörden und persönlichen Bedenkenträgern vor Ort... 09.04.2024 09.24 Uhr Anruf eines im deutsch-mit-österreischischem-Akzent-sprachigen Raum nicht ganz unbekannten Musikers. Er hätte gehört, es würde in der Nähe von Stuttgart ein Museum aus Pappe gebaut. Er fragt, ob das hallenartige Gebäude auch als Auftrittsort für Musiker und als Konzertveranstaltungsort in Frage käme? Er plane gerade eine größere Tournee durch die großen Konzertsäle Süddeutschlands. Etwas überrascht erläutere ich das Bauvorhaben als ephemeres Gemeinschaftsprojekt mit bewusst unsicherer Perspektive bzgl. seiner Stabilität, Wetterfestigkeit und damit auch seiner Nutzbarkeit... Er behauptet, gerade das sei doch interessant, genau deswegen sei er interessiert und gerade genau deshalb wolle er unbedingt dort auftreten, notfalls auch auf einer Ruine. 11.47 Uhr Anruf eines im süddeutschsprachigen Raum nicht ganz unbekannten Musikers. Er hätte gehört, es würde in der Nähe von Stuttgart ein Museum aus Pappe gebaut. Er fragt, ob das hallenartige Gebäude auch als Auftrittsort für Musiker und als Konzertveranstaltungsort in Frage käme? Er plane gerade sowieso eine größere Tournee durch die großen Konzertsäle Österreichs. Etwas irritiert nicht nur über die Verortung Göppingens erläutere ich das Bauvorhaben als ephemeres Gemeinschaftsprojekt mit bewusst unsicherer Perspektive bzgl. seiner Stabilität, Wetterfestigkeit und damit auch seiner Nutzbarkeit. Er behauptet, gerade das sei doch interessant, genau deswegen sei er interessiert und gerade genau deshalb wolle er unbedingt dort auftreten, notfalls auch auf einer Ruine. 14.03 Uhr Anruf eines im deutschsprachigen Raum nicht ganz unbekannten Musikers. Er hätte gehört, es würde in der Nähe von Stuttgart ein Museum aus Pappe gebaut. Er fragt, ob das hallenartige Gebäude auch als Auftrittsort für Musiker und als Konzertveranstaltungsort in Frage käme? Er plane gerade sowieso eine größere Tournee durch die großen Konzertsäle Deutschlands, Österreichs und der Schweiz. Etwas irritiert nicht nur über die öffentliche Bekanntheit des doch gerade erst in der Planungsphase befindlichen Projekts erläutere ich das Bauvorhaben als ephemeres Gemeinschaftsprojekt mit bewusst unsicherer Perspektive bzgl. seiner Stabilität, Wetterfestigkeit und damit auch seiner Nutzbarkeit. Er behauptet, gerade das sei doch interessant, genau deswegen sei er interessiert und gerade genau deshalb wolle er unbedingt dort auftreten, notfalls auch auf einer Ruine... 18.04.2024 13.41 Uhr Anruf eines eingebildeten Künstlerkollegen aus dem "Großraum Stuttgart aus dem Großraumbüro des überhaupt größten Künstlerateliers des Schwabenlandes". Er behauptet, das ohne Bauschild auf dem Bahnhofsvorplatz niemand auf das Projekt, das er ja gern auch außerhalb seines Großraumbüros bewerben würde, aufmerksam werden würde. Mein Hinweis, das ich mir immerhin aus diesem Grund statt der Errichtung eines Bauschildes die Mühe der Einrichtung eines Baustellentagebloggs gemacht habe, wird mit der Bemerkung kommentiert, dass das doch inzwischen jeder könne, während das Aufstellen eines Bauschildes entweder mangels Genehmigung ein besonders couragierte Akt der bildenden Kunst oder mangels Courage "eine Genehmigung der besonderen Art" erforderlich gewesen sei. Ich behaupte, in meiner Portokasse nachzusehen, ob ein Bauschild im Bereich der couragierten Möglichkeiten liege. Mit der Frage, ob der Anrufer ein Bestechungsgeld für die "Beschleunigung" des Genehmigungsverfahren aus seiner bestimmt geräumigeren Portokasse seines Großraumbüros beisteuern möchte, endet das Gespräch abrupt. B A U T A G E B L O G G - 2. Akt Aufführung „NEOKunsthalle Göppingen“ TAG 1: Der perfekte Tag 05:48 Uhr Ich schaue auf die Wetterapp meines Telefons: Es regnet. 06:13 Uhr Ich schaue aus dem Fenster meines Zimmers: Es regnet tatsächlich. 06:38 Uhr Ich schaue aus dem Fenster des Frühstücksraumes: Es regnet noch immer. Was sonst? 07:23 Uhr Ich verlasse das Hotel: Es regnet immer noch: Was tun? 7:31 Uhr Baubeginn auf dem Bahnhofsvorplatz in Göppingen. Es regnet…, äh, nicht(?). Mein Rückenschmerz, der sich am Wochenende eingestellt hat und bis ins Bein ausstrahlt hat, liess mich krumm schief aus dem Bett steigen und zum Bauplatz der NEOKunsthalle humpeln. Dort sind bereits mehr als alle versammelt, die sich dort versammeln sollen. Die Freude ist genauso groß wie die leichte Nervosität zu Beginn dieses leicht waghalsigen Projektes wie das Mitgefühl für meine krumme Körperhaltung. Bei der Begrüßung kommt sogar für einen sonnigen Moment der Mond heraus. Den hat man schon so lange nicht mehr gesehen, man könnte ihn sogar mit der Sonne verwechseln. Inzwischen weiß man ja nicht mehr, ob es gerade Tag oder Nacht ist, nur eins ist immer gewiß, es regnet. Seit 8 Monaten regnet es aus dem einheitlich grauen Himmel auf die Menschen herab, als hätte man nicht schon genug davon hier auf der Erde. Vom wunderbaren Team der Kunsthalle sind auch schon Allefrau und -mann vor Ort. „Was machen wir, wenn’s regnet?“, fragen Melanie, Veronika, Eva und Amelie wissbegierig mit einer Prise leichter Besorgnis aus ihren fröhlichen Augen. Meine westfälische Redeblockade erlaubt mir noch keine Antwort. Die kommt stellvertretend von Achim, der behauptet: „Pause!“ Hagen Betzwieser, der wie immer gewohnt eifrig seine Kameraequipment aufbaut und ebenso gut gelaunt mitteilt, das es erst ab Mittag regnen werde, weswegen man doch jetzt zügig zur Sache kommen könne, er habe bereits alle Kameras „on“, ist auch schon auf der Baustelle. Achim und Fabian legen schon munter die Holzplanken aus und schneiden diese auf die entsprechende Länge. Als ich mich bei den Anwesenden für die 1-minütige Verspätung entschuldige, schauen alle, als wäre ich eher einen ganzen Tag zu spät. Als ich verkünde, das es je jetzt endlich losgehen könne, schauen alle gerade so, als hätten sie schon etliche Arbeitsstunden in meinem Rücken. Als auch schon die gutgelaunten Kamera- und Radioteams der lokalen Medienanstalten die „Arbeitsbühne“ der NEOkunsthalle betreten, behaupten diese, sie freuten sich sehr auf die Grundsteinlegung, aber hätte die nicht eigentlich schon gestern stattfinden sollen? „Äh, eigentlich nicht!“, spüre ich im Kontrast zu meinen Worten einen leisen Zweifel an ihnen meinem unteren Rücken die Wirbelsäule hinauf steigen, wo die Lebensfreude darüber, etwas zwar verzögert, aber nicht gänzlich vergessen zu haben, meinen Körper wenigstens etwas zu begradigen scheint. Ich stammele entschuldigend sowas wie, ich hätte kaum geschlafen vor lauter Gedanken darüber, womöglich nicht nur die Baupläne zuhause auf dem Schreibtisch liegen gelassen zu haben, sondern auch die Antwort auf die Frage, was man mache, wenn es mal nicht regnet, als die Frage: „Was machen Sie eigentlich, wenn es regnet?“, vom sympathischen Mann vom SWR-Radio, erneut gestellt wird. Meine Antwort überspielt hoffentlich die mit der mehrfachen Wiederholung dieser bestimmt sinnvollen Frage steigende Nervosität. Ich behaupte, das wir uns von solchen Kleinigkeiten ganz und gar nicht beeindrucken liessen, beobachte aber dabei den mit der schlecht gespielten Zuversicht steigenden Schmerz im Lendenwirbelbereich. Als die Göppinger Bürgermeisterin Frau Cobet auf den Baustellenbrettern, die die Welt bedeuten, erscheint und kurz den Ablauf der Grundsteinlegung besprechen will, eröffnet auch sie das Gespräch mit der Frage, was man denn eigentlich mache, wenn es regnete? Genauso geschickt wie ihr doppelter Konjunktiv, behauptet Veronika Adam, man komme dann direkt ins Rathaus und müsse womöglich den ihr in Kürze zu überreichenden Grundstein, den alle Beteiligten zuvor zu unterschreiben hätten, wieder zurückfordern und verbauen. Wir hätten dann womöglich nicht ausreichend wetterfestes Baumaterial:) Als die Grundsteinlegung wie die letzte dunkle Regenwolke an uns vorbei- wie vorüberzieht, fängt es doch endlich wieder an zu regnen und wir können uns unendlich darüber Gedanken machen, was wir eigentlich machen, wenn es nicht regnet? Johannes und Hendrick schlagen vor, auschließlich nur zu bauen, wenn es regnet, damit der im Projekt verankerte und veranschaulichte Widerspruch zwischen dem Material „Wellpappe“ und dem uns derzeit so beherrschenden Element „Wasser“ so deutlich wie möglich zu Tage trete. Der Künstler behauptet, sie hätten das Projekt womöglich falsch verstanden, Amelie wünscht: „Na dann gute Nacht!“, Hagen Betzwieser meint: „Ein perfekter Tag!“ TAG 2: „Wo Maurerschnur?“ 08:01 Uhr Auf der Baustelle sind bereits Amelie und Hendrik. Interessanterweise fehlen ausgerechnet noch die Teammitglieder, die gestern dafür stimmten, heute schon etwas früher zu beginnen, um heute möglichst weit zu kommen mit dem Baufortschritt, damit der Bau heute möglichst weit voranschreitet, um heute viele Steine zu vermauern, damit weniger Steine noch zu vermauern sind, um alles vorbereitet zu haben für die heute zu erwartenden Schulklassen, damit wir gut gerüstet die Schüler beschäftigen können, um in den nächsten Tagen nicht in Zeitdruck zu kommen, damit wir nicht zu sehr unter Zeitdruck stehen, um damit, umdamit umdamitumdamu. Was soll dieser letzte Satz eigentlich bedeuten, fragt ein Leser, der das hier lesen muss? „Muss man ja nicht“, entgegnete ich. Auf der Baustelle haben alle bereits Anwesenden Verständnis für alle noch Abwesenden. Als Grund wird ein möglicher Muskelkater wegen des Schleppens der leichtgewichtigen Pappsteine von Hendrik ins Feld geführt, über einen möglichen Knoten in den Fingern beim Falten der Hände spekuliert Thomas, eine mentale Überfaltung des Hypocampus hält Amelie für wahrscheinlich. Um 9:20 Uhr erreichen 42 Schüler und 4 Lehrerinnen die Baustelle der NEOKunsthalle, nehmen auf den Bänken Platz und behaupten, sie hätten noch keine Zeit zum Falten, man müsse erst die Pausenbrote verzehren. Johannes fragt nach dem Pausenbrotbelag, die Erstklässler behaupten wegen uns ihr Brot nicht einfach Brechen zu können, überhaupt habe man einen nicht ganz so leichten Tag, bestätigen die Lehrerinnen. Ich pflichte bei mit dem Hinweis, das man exakt aus diesem Grunde vom auf dem Bau üblichen Werkstoff Stein auf Pappe umgestiegen sei. Die allgemein vermisste Leichtigkeit verfliegt, als nach kurzer Einweisung in die Geheimnisse des Pappsteinfaltens, alle Schüler in wuseliges Chaos hinein knicken, kreuz und quer über die Baustelle und darüber hinaus falten und die Pappsteine in den Himmel hinauf mauern. Eine dynamische Faltgemeinschaft zwischen rundlich gefalteten Pappsteinecken, gerundeten Faltkanten und gebrochener Pappwelle entsteht und bleibt für interessante 2 Stunden beieinander, bevor der erste Schüler Pippi muss, die nächste Schülerin die leimgebadeten Hände zum Pausenbrot verschmausen verwendet und Udai seine Mutter vermisst. Als ein älterer Syrer durch den Zaun: „Ich nix verstehen Deutsch, aber Kunst gut!“ Mit dem Daumen nach oben gerichtet ruft, kann eigentlich außer angemessen schief stehenden Mauern nix mehr schief gehen. Als dann noch ein rumänischer Bauarbeiter im Eingangsbereich zur NEOkunsthalle die wie an der Schnur verzogenen Mauer inspizierend fragt: „Wo Maurerschnur?“, glaube ich sogar an die Stabilität des heutigen Wetters. Als dann auch noch am Nachmittag die Schüler der sechsten Klasse der örtlichen Realschule meinen Rat, nicht mit zu falten, um stattdessen einfach auf der Bank sitzen oder liegen zu bleiben, um sich endlich mal auszuruhen, eher zu chillen und weder zu falten noch mauern, nicht befolgen, um stattdessen engagiert alle Wände des Gebäudes um ein paar Pappsteinreihen zu erhöhen, besteht Grund genug zur Annahme, den lokalen Gemeinschaftsgeist, der in der Vergangenheit das schwäbische Mittelstandswunder hervorgebracht hat, endgültig reaktiviert zu haben… TAG 3: „Nicht von Pappe.“ 08:01 Uhr Auf der Baustelle regnet’s, sonst auch. Der freundliche und das Projekt unterstützende Gerüstbauer Herr Kurz bringt noch kürzererhand zwei Rollgerüste auf die Baustelle. Ich frage, ob er kürzesterhand Hilfe dabei benötige. Er winkt mit den Worten, das machte er mit links, ab. Ich winke mit rechts zurück. Am Bahnhof wird vor Freude beidhändig lang gewunken, als sich auf der Baustelle etwas tut und Herr Kurz die Rollgerüste aufstellt. Wir verlegen die Faltworkshops kurzerhand in die Kunsthalle Göppingen, die dort mit 30-minütiger Verspätung anfangen. Als Grund dafür wird über die Bahnhofslautsprecher, das schlechte Wetter am Bahnhof Stuttgart 21 angegeben. 09:10 Uhr Anrücken von 27 Schülern der 4ten Klasse. Afra fragt, was wir heute machen, ich erkläre: „Falten!“. Mustafa meint: „Kannste knicken“. 09:30 Uhr Nach einer kurzen Einführung in die Geheimnisse der Kunst des Papierschiffchenfaltens werden weiter Unmengen an Pappsteinen aufgefaltet, die sofort zu eigenen Zimmern zusammen gesetzt und aufgemauert werden. Mustafa fragt, ob er eine Pappklingel anbringen könne, Chiara meint, in ihr Zimmer dürften nur Mädchen. Alession will gleich in sein neu erbautes Haus einziehen, Kaan möchte eine Dachpappe auf seinem Haus anbringen, Chiara will ihr Zimmer mit nach Hause nehmen, Güntog will am liebsten hierbleiben, wir einigen uns aufs Wiederkommen. 14:35 Uhr Besuch des Seniorenheims „Sternenquartier“. Wir berichten ausführlich vor versammelten Klientenschaft von einer Kunstaktion, die den separativen Tendenzen in Politik und Gesellschaft mit integrativer und inklusive Arbeit begegnet und als Vorschlag für die Kunft der Zukunst in Form eines Kunsthallegebäudes aus Pappe vorübergehend wie exemplarisch in Stellung bringt. Renate nickt zustimmend und meint, sie wolle lieber Pappnasen falten, Annemarie schüttelt mit dem Kopf nach Renates Bemerkung, Volker fragt, wann es endlich losgehe, Frau Tapoletti will den Stein signieren, bevor der Knick in ihrer Pupille die Pappsteine auf unscharf stellt, die Laberwatschel erklärt, wir wären hier nicht im Pappaltenheim und von hinten ruft Frau Bahren, wir „Falten mit den Alten“. Als ich erkläre, der Pappstein sei von einem sehr schlauen Mann, namens Andreas Wahl von der Firma Seiferth entwickelt, staunt Volker und die Laberwatschel aus Kasachstan fragt, ob es nicht besser wäre, wenn der nicht an unserer Stelle mal vorbeikäme? Der Mann sei offensichtlich nicht von Pappe. Ich rücke dessen Telefonnummer raus, damit man sich leichter verabreden könne. In Windeseile sind 50 Steine gefaltet, die morgen auf der Baustelle der NEOKunsthalle verbaut werden können, so die Wettergötter wollen. Volker eilt noch behände bzw. bebeine hinter uns her und verabschiedet uns angemessen mit einem Wort von Friedrich Rückert: Willst du, daß wir mit hinein In das Haus dich bauen, Laß es dir gefallen, Stein, Daß wir dich behauen. TAG 4: „soviel Wasser wie seit 143 Jahren nicht“ 07:33 Uhr Anruf der Rektorin der Schule der Schüler, die gestern so eifrig Steine gefaltet haben. Wir möchten doch bitte schleunigst die Fotos aus dem Bautageblogg herausnehmen, auf denen Adam und Eva zu erkennen sind. Wir hätten keine Genehmigung der Eltern, das die Kinder fotografiert werden dürften. Ich muss also zurück aus der Kunsthalle, die ich gerade im Begriff bin zu betreten in mein Gästezimmer in der Stadt, um dort meinen gestrigen Bloggbeitrag noch schnell zu korrigieren, bevor die nächste Schulklasse zum Steine falten erscheint. 09:37 Uhr Über 40 Schüler betreten den Ausstellungsraum in der Kunsthalle, um kleine wie große, einsame wie gemeinsame Falterlebnisse zu sammeln. 12:43 Uhr Ein Mann kommt mit dem Aufzug aus dem zur NEOkunsthalle gehörigen Parkhaus hinauf gefahren und verlässt die gläserne Kabine, nachdem er eine Weile das Treiben auf der Baustelle beobachtet hat mit den Worten: "Ist das Pappe? Was soll das? Das wird doch nass, oder etwa nicht? Sein Begleiter ergänzt: „ Habt Ihr zuviel Geld, oder was? 15:42 Uhr Ich komme zurück von einem Ausflug in die Welt der Baden-Württembergischen Baumärkte mit einem Baumarkterlebnis der besonderen Art, einem Eimer Leim und ausreichend Abdeckfolien im Gepäck. Im Baumarkt hatte es zum Glück nicht geregnet, dennoch schienen die Baumarktbesucher von heute nicht gerade vom Glück verfolgt zu sein. Einem polnischen Handwerker fehlt seit kurzer Zeit ein Finger, so sein Bericht am Kaffeeautomaten des lokalen Schraubengroßherstellers: „Der einfach weck. Aber, noch neun andere da“,seinem Arbeitskollegen fehlt schon länger ein Auge: „Nicht schlimm, ein Auge dafür besser sehen“. Wenige Meter entfernt humpelt ein einbeiniger Mann auf zwei Krücken zum Leiterregal, an der Kasse unterhalten sich zwei ältere Männer über lockere Schrauben im künstlichen Hüftgelenk. Der Kassierer wünscht einen guten Tag. Ich wüsste noch nicht, tue ich meinen Zweifel kund. Auf der Baustelle begrüßen mich Petzi, die eifrig einen Pappstein nach dem anderen faltet, und Michael, der vorgibt, den Zeitungsartikel gelesen zu haben, und nun mal an den Pappsteinen schnuppern möchte. Er wird von Petzi an die Hand genommen und mit der Faltanleitung der Pappsteine, die der ja inzwischen zu lokaler Berühmtheit gelangte Andreas Wahl entwickelt hat, betraut. Als mir der Namen des gelehrten Faltingenieurs, dieses Überfliegers der Papiermaterialkunde und des Grandseigneurs der Wellpappgesellschaften gerade über die Lippen kommt, ist dieser prompt am Telefon und behauptet, er stünde gerade vor „seinem“ teilweise verhüllten Pappmonument. Der rote Papierrollenteppich wird schnell ausgerollt, um dieser hohen Persönlichkeit entsprechend einen angemessenen Empfang zu bereiten. Der erklärt vor versammelter, vom Regen bereits durchweichter und vom langen Arbeitstag auf der Baustelle ermüdeter Truppe, das der Stein ja deswegen so großartig sei, weil er ja in seiner großen Entwicklerweisheit und… äh, Tüftlergröße, ja extra eine „Doppelwandfaltung“ verwendet habe, die dem Stein sogar bei Regen höchste Stabilität verleihe, da der innere Kern vom Wasser nicht aufgeweicht werden könne, da die äußere Wand die Feuchtigkeit fernhielte. „Sein Stein“ sei quasi ein Wunderwerk. Er halte einiges aus, außer vielleicht einen Starkregen. So wie dieser hier… - Als der einsetzende stürmische Wind Wahls Worte durch unsere Gehörgänge überraschend gemächlich in unseren Verstand segeln lässt, um ins vom hohen Besuch getrübte Bewusstsein zu tröpfeln und allmählich Vertrauen in das Vernommene zurückkehrt, kehrt ebenso langsam Leben in die anwesenden Körper zurück, die sich immer schneller in Bewegung setzen, um im Panikmodus angelangt zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Alles patschnass. Der beiseite geschobene Tüftler und im Rettungsweg gestandene Entwickler erklärt hinterher, das man extra keine Schmutzschicht auf die Pappe aufgetragen hätte, da das Drama doch ein wichtiger Bestandteil des Projektes sei, wenn er „sein Projekt“ richtig verstanden habe. Er liebe ja griechische Dramen. Die Kinnladen stehen offen, heraus kommt nichts. Uns fehlen die Worte, wie dem Wetter das Wasser, der Regen hat aufgehört. Es ist ja auch schon alles nass. Valentin erklärt, man müsse jetzt schleunigst die nasse Pappruine einpacken, um sie vorm Austrocknen zu schützen. Wer hat hier eigentlich was falsch verstanden? TAG 9: „Die Frage aller Fragen“ 9:18 Uhr Ein Herr in den mittleren 60ern kommt mit seiner Frau aus der Tiefgarage, die wohl extra unter der NEOkunsthalle gebaut wurde, witzelt Valentin, damit den vielen Leute, die aus dem Aufzug steigen, ein besonders herrlicher Blick auf das monumentale wie temporäre Pappbauwerk geschenkt werde. Man habe das eben schon früh vorher gesehen, das hier eines Tages etwas Weltbewegendes stattfinden werde, untertreibt Johannes. Hendrik meint: "Hoffentlich hält die Tiefgaragendecke dieser Belastung stand. Schließlich sei dieser Bau nicht von Pappe. Außerdem habe er gestern Abend viel gegessen, erklärt er sein heutiges Körpergewicht". Veronika meint: "Wenn der Bahnhofsvorplatz wegen Hendrik in die Tiefgarage stürzt, falten wir den Leuten einfach neue Autos:)". "Wir hätten die Wände doch besser aus Beton gegossen", wirft Achim noch ein. "Dann würden auch nicht soviel Leute fragen, was wir machen, wenn's regnet", schmunzelt er über die so verständliche Frage vieler Passanten. Aber zurück zum Geschenk an die Leute. Denn wie es im Leben so ist, manche nehmen ja Geschenke nur ungern oder gar nicht an. So eröffnet der Herr, der seinen SUV soeben unter der Pappkunsthalle geparkt hat, aus dem Aufzug steigend das Gespräch mit der Frage, die inzwischen ganz Göppingen in Atem hält und viel Göppinger bis zu einem extra-Besuch auf dem Bahnhofsvorplatz umzutreiben scheint: „Was machen’s, wenn’s regnet? Ich: „Dann wird’s vermutlich nass.“ Er: „Ja, aber ist doch Pappe, das wird dann ja nass.“ Ich: „Wenn nix Außergewöhnliches oder Übernatürliches passiert, haben Sie vermutlich recht.“ Er: „Warum machen’s denn das dann überhaupt?“ Ich: „Wir bauen für den Moment, nicht für die Ewigkeit.“ Er: „Sie bauen hier so a riesiges Gebäude für einen Moment? Und wer bezahlt das?“ Ich: „Zahlen Sie steuern? Falls ja, haben Sie das bezahlt.“ Die Frau des etwas unwirschen Mannes, der gerade nicht so genau weiß, was er sagen soll, wird von seiner Frau, die bisher ungläubig dreinschauend ihrem Mann nach dem soeben Gehörten eine kleine Pause gönnt, übernimmt die Fortsetzung des Gesprächs): „Und wer räumt dann hier wieder auf und macht den Dreck weg?“ „Das machen wir, wenn Sie sich darüber beschwert haben, das die Pappe vom Wind durch Göppingen gepustet wird, vor Ihrer Haustür oder im Garten landet und Sie sich daran stören. Bevor das aber soweit ist, lassen Sie sich ganz kurz sagen, das von Ihren Steuergeldern bisher mehr als 400 Göppinger in die Lage versetzt wurden, an diesem zukünftigen Müll mitzuwirken. Viele davon sind Schulkinder, Jugendliche und Kindergartenkinder und Senioren vom „Sternenquartier“, die alle beinah kindlich erfreut darüber waren, dass sie endlich mal etwas mit ihren Händen zu tun bekamen und Erfahrungen machen, die auf Tatkraft, Geschicklichkeit und einer Prise Widersinn beruhen. Das konnten sie alle hier vor Ort einbringen, indem sie Pappsteine zum Teil im strömendem Regen gefaltet und gleich vermauert haben, wodurch wir überhaupt erst in die Lage kommen, jetzt schon den Dachstuhl zu bauen. Die Göppinger haben es tatsächlich geschafft, dieses, zugegebenermaßen, leicht waghalsige Projekt, soweit mitzutragen und zu -entwickeln, das wir tatsächlich bis zum Richtfest am kommenden Freitag fertig werden könnten. Aber man weiß ja derzeit nie, ob sich die Himmelspforten nochmals öffnen und sich die Wettergötter zum wiederholten Male einmischen wollen. Nun kommen aber sie hierher und finden eine Gelegenheit vor, Ihr Wissen über gesellschaftliche Zusammenhänge bzgl. Geldverwendung und -Verschwendung anzubringen und deuten an, das hier sei Steuergeldverschwendung und Müll. Vielleicht geben Sie mir doch Ihre Telefonnummer, dann gebe ich die mal ans Seniorenheim weiter, da können Sie sich dann erzählen lassen, wie die älteren Damen und Herren in kindlicher Freude bei diesem Schabernack in eine Lebendigkeit geraten sind, die schon allein dieses Projekt hier rechtfertigt. Aber Sie können denen ja was erzählen von ihrem großen Wissen über Geld, Geldflüsse und -sinnvolle Verwendung, das wahrscheinlich aus großer Steuergeldverwendungsweisheit geboren ist… Die beiden stehen wie angewurzelt am Bauzaun, schlagen die Einladung zum Mitbauen nach der soeben erlebten Tirade genau wie die Einladung zum Richtfest am Freitag, den 12. Juli aus und müssen jetzt schnell noch was erledigen. Ich entschuldige mich für die deutlichen Worte, sollte ich übertrieben und etwas barsch reagiert haben. Ich erkläre, diese Frage werde selbstverständlich oft gestellt, ich könne leider nicht mit jedem ein solches Gespräch führen. Sie hätten jetzt offenbar die exemplarische Klar- und Richtigstellung erlebt. „Wir können es ja den anderen weitersagen“, scheint die nun lächelnde Dame ihren Humor entdeckt zu haben. Wir schieben die „Klarheit der Worte“ auf die „Klarheit des Wetters“, genau wie die Hitze dies hitzige Wortgefecht erst hervorgebracht haben möge. „Wir kommen vielleicht mit unseren Enkeln mal vorbei zum Falten“, geben die beiden vor. Ich bedanke mich für das womöglich etwas zu ausführliche Gespräch und erkläre meine Freude, sollten Sie tatsächlich zum Pappsteinefalten kommen. 15:28 Uhr Nach dem Besuch in der Stadt kommen die beiden nochmal zurück zur Baustelle und erzählen, wie sehr sie unter dem Bau ihres eigenen Hauses gelitten hätten. Sie hätten es gar nicht geniessen können, ihr Eigenheim zu bauen, da damit gleichzeitig ein Schuldenberg entstanden sei, der es ihnen offenbar unmöglich mache, einen Genuss bei der Betrachtung der Entstehung dieses Gebäudes aus Pappe zu empfinden. Ich erkläre, mich ebenfalls ganz gut auszukennen mit derlei Empfindungen und behaupte, exakt aus diesem Grunde solche Projekte überhaupt erst zu verwirklichen. Sie hätten soeben den Sinn solcher Vorhaben bestätigt und einen Schritt getan, zu dem ich Ihnen nur gratulieren könne. Dieser Perspektivwechsel sei schwierig und für viele unmöglich: „Das sollten sie bitte unbedingt weitererzählen!“ 10. Juli: Und dann der Regen 5:38 Uhr Es ist Morgen, ich werde vom Regen geweckt, der auf Petzis Dach trommelt. Mein Bauch fühlt sich an wie eine Waschmaschine, in dem sich meine Gefühle überschlagen zwischen: „Oh nein, muss das jetzt auch noch sein?“, „Der Regen muss sofort aufhören!“ Und: „Ich muss jetzt aufstehen und zur Baustelle, um alles abzudecken“. Tatsächlich kann ich gar nicht aufstehen, da meine Knochen und Muskeln zu sehr schmerzen von all der Anstrengung der letzten Tage. Ich habe keine Wahl, ich muss liegen bleiben und mich weniger wohl als übel den Gefühlen hingeben, die sich nun in so unangenehmer Weise aufdrängen. Die Kräfte reichten am gestrigen Abend nicht mehr aus, um alles angemessen vor dem zwar angekündigten, aber jetzt deutlich stärker ausfallenden Regen zu schützen. Wir können die der Gemeinschaft gebaute Kunsthalle in der inzwischen erreichten Dimension bei der Fragilität des Werkstoffes Pappe nicht mehr beschützen und müssen nun in Kauf nehmen, das sie der Regen schon heute mindestens massiv beschädigt oder sogar zerstört… Ein paar Momente später legt sich die Verzweiflung und verwandelt sich mit zunehmender Dauer des anhaltenden Regens in Loslassen dessen, was sich ohnehin der Kontrolle entzieht, um doch noch mal in tiefe Trauer über den möglichen Verlust zu fallen, um wiederum in Schicksalsergebenheit überzugehen. Was haben wir nicht alles investiert, um am Freitag ein Richtfest eines Gebäudes zu feiern, das die Fragilität der Gesellschaft abbilden kann wie den Willen, den Kräften der Elemente zum Trotz, darauf zu bestehen, das wir Menschen in Gemeinschaft so vieles, vielleicht sogar Unmögliches bewirken können? Im sinnbildlichen Spannungsfeld von Erstaunen über die Wahnwitz, ein Gebäude aus Pappe in den nassen Sommer des Jahres 2024 zu bauen und zu behaupten, wir bestehen trotz aller Widerstände auf Zusammenhalt und Gemeinschaft bei allen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Versuchen, die Menschen voneinander zu trennen? Wir können trotz allem eine Kunsthalle von unten nach oben bauen, um an Gründungsprozesse und Diskurse zu erinnern, die wir heute leichtfertig und umhinterfragt hinnehmen, weil es schon immer so gewesen ist. Wir ermutigen jeden, jenseits von Expertisen, besonderen Fähigkeiten und Titeln, sich freiwillig einzubringen, zu zeigen und am „Haus der künstlerischen Gemeinschaft“ mitzuwirken. Selbstverständlich schließen wir auch die höheren Mächte davon nicht aus. So ist der Regen womöglich ein Geschenk, exakt die Ingredienzie und Zutat, die das skulpturale Bild erst komplettiert und durch das Wasser des Himmels in Aufrichtigkeit, Authentizität und weit weg von Ideal, Illusion und Trugbild im Reich der Wahrhaftigkeit der Wirklichkeit platziert? 6:18 Uhr Textnachricht von Valentin: Oh weh, ich komm sofort runtergefahren zum Abdecken der NEOKunsthalle. Ich stehe sofort auf und bewege mich ebenfalls sofort zum Standort der NEOKunsthalle. Zum unser aller Glück sollte später Michael mit Kuchen zur Baustelle kommen, um uns damit ein wenig zu trösten...   Edition "NEOKunsthalle Göppingen", Auflage 25, 25 x 25 cm, Foto auf Aludibond   Tagesthemenbeitrag zum Projekt vom 16.07.2024 (ab Min. 28:55) https://www.tagesschau.de/multimedia/sendung/tagesthemen/video-1359664.html
NEOKunsthalle Göppingen
Auf großer Fahrt von Citeaux nach Gravenhorst Auf großer Fahrt von Citeaux nach Gravenhorst

Auf großer Fahrt von Citeaux nach Gravenhorst



Performance - Temporäre Installation Kloster Citeaux (Fr.), Canal de l'Est, Mosel, Rhein, Dortmund-Herne-Kanal, Kunsthaus Kloster Gravenhorst  | 2006     Auf großer Fahrt von Citeaux nach Gravenhorst ist das "Logbuch" eines ca. 600 Seemeilen langen Reiseabenteuers. Der Kölner Künstler Frank Bölter fuhr im Jahr 2006 mit einem Riesenpapierschiffchen aus Tetra Pak entlang der europäischen Kultivierungs- und Kolonialisierungswasserwege Saône, Canal de l’Est, Moselle, Mosel, Rhein, Rhein-Herne-Kanal, Donau-Ems-Kanal. Die Reise begann mit einer gemeinschaftlichen Faltaktion mit Novizen des Ordens im Gründungskloster des Zisterzienserordens Citeaux und endete mit der Übergabe einer Botschaft des Abtes im ehemaligen Tochterkloster des Ordens, dem heutigen „Kunsthaus Kloster Gravenhorst“. Das Buch dokumentiert die Unwägbarkeiten des Projekts sowie die Hilfeleistungen freiwillig wie unfreiwillig in das Projekt eingebundener Personen in Text und Bild, lässt die im Mittelalter übliche Verbindung zwischen Kunst und Spiritualität wieder aufleben und erinnert an die "Missionsreisen" früher Mönche (z.B. St. Brandanus, 5. Jh.). Festeinband aus dem als Bootsmaterial genutzten PE-Getränkefolienumschlag. Gefördert durch die Stiftung Kunstfonds mit Mitteln der VG Bild-Kunst.  

Publikation „Auf großer Fahrt“, erschienen im Salon Verlag, Auflage 1000, 68 Seiten, Hardcover mit Umschlag aus Milchkarton, 21 x 16 cm
mit Texten Frank Bölter

Auf großer Fahrt von Citeaux nach Gravenhorst
François Beultier François Beultier

François Beultier



Malerei, Performance - Temporäre Installation Kunstakademie Münster | 2024, Galerie Hausen | 2024   „Im Studium der freien Kunst entschloss ich mich, die Entwicklung der Kunsthochschulen bzgl. ihrer Fokussierung auf die neuen Medien mit der Entscheidung, meine damals einzige Zimmerpflanze, eine Primel, immer und immer wieder zu „porträtieren“, malerisch zu kommentieren. Die in den wöchentlichen Kolloquien in der Malereiklasse in „Rückwärtsgewandtheit zwischen Impressionismus und Expressionismus“ verortete Malerei wie die permanente Anwesenheit des pflanzlichen Wesen veranlassten mich, mein gesamtes Studium und darüber hinaus, meine Zimmerpflanze durch die Malerei zu hegen und zu pflegen. Als kritische Position zur Konzentration der Kunstakademien auf die neuen Medien wurde das erst nach etlichen Präsentationen der „Primel“ auf den jährlichen Rundgängen erkannt. Zunächst brachte man diese etwas „langweilige Malerei“ nicht mit meinen damaligen, als wesentlich interessanter bewerteten Performances überein, denn die Unterschrift der Kunstfigur „François Beultier“ war nur auf der Rückseite zu finden. Niemand macht sich die Mühe, die Bilder mal als ganzes Objekt zu betrachten. Zum Glück war mein Studium zu Ende, bevor dieser Umstand erkannt und eine Karriere in der Malerei damit möglich wurde“ (…), berichtet François Beultier rückwirkend in einem Text über seine Studienzeit um die Jahrtausendwende.
o. T., (Primel), 2001, Öl auf Leinwand, 50 x 50 cm

o. T., (Primel), 2001, Öl auf Leinwand, 50 x 50 cm

François Beultier hatte seinen ersten Auftritt in einer Kunstakademie beim Rundgang im Wintersemester 2000/2001, als er mit angeklebtem Künstlerschnurbart, geschwungenem Seidenschal mit aufgesetztem Hut und Gebahren kostümiert auftrat und eine Reihe seiner gemalten „Primeln“ in den Fluren der Hochschule und in seiner Klasse ausstellte. Die Kunstfigur „François Beultier“ fand nicht sonderlich viel Beachtung, war den Kommilitonen der angehende Künstler doch schon unter anderem Namen bekannt. Zudem waren seine Bilder für das Publikum unsichtbar auf der Rückseite signiert und die Signatur demnach nur bei zu intensiver Beschäftigung mit dem Bild und allseitiger Betrachtung der Leinwandobjekte zu entdecken. Eine seinerzeit namhafte Galerie im Rheinland vermied schließlich eine Präsentation der augenscheinlich „delikaten Malerei“ Beultiers mit der Begründung einer zu „arg listigen Täuschung“ innerhalb der bereits anberaumten Einzelausstellung. So blieb dem „französischen Künstler“ zunächst eine angemessene Karriere versagt, was ihn zunächst in eine langanhaltende Malblockade führte, die sich aber im Angesicht der zunehmenden Bedeutung der Thematik von Täuschung und Enttäuschung in den darauffolgenden Jahren und Jahrzehnten mehr und mehr löste… Der Kunst wird gern die Sichtbarmachung der allgemeinen Suche des Menschen nach seiner Position in der Welt, einer Identifikation des Individuums und einer Bestimmung des Ichs zugeschrieben. In der Kunstgeschichte können wir an der Entwicklung der „Handschrift“ ablesen, wie ausdifferenziert sich das Individuum zu behaupten vermag und abzugrenzen versteht. Was aber, wenn sich ausschließlich die Konzentration auf das Ego kausal zur Dimension des Erfolgs eines Künstlers verhält? Wenn der Mensch von seiner egoistischen Entwicklung, der dauerhaften Pflege desselben und ein messbarer Gewinn nur von der Ausbildung des Egos abhängt und die Unfähigkeit, davon abzulassen wie der Mangel an anderen Strategien eine Situation gebiert, die sich im Persönlichen wie im Gesellschaftlichen derzeit überall zeigt und der einzige Ausweg als eine überall postulierte Transformation des- und derselben verkauft wird, damit wir doch wieder im Ego-fokussierten Bewusstsein landen? Veranschaulicht die angestrengte und akademisch angestrebte Suche nach dem Alleinstellungsmerkmal eines Künstlers und damit die wieder erkennbare Handschrift einer Künstlerpersönlichkeit nicht genau dieses Problem? Sollte damit etwa allgemein sichtbar werden, dass Ausbildungen, Karrieren, technischer Fortschritt genau wie alle anderen gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen nur in eine Sackgasse der übersteigerten Egos führen und hier enden? Wenn dem so sein sollte, wird damit die Handschrift bei der Tiefe und Größe der Problematik obsolet zugunsten eine Epoche permanenter Wandelbarkeit von Handschriften, Haltungen und Hirarchien? Einzig eine höchste Qualität und Professionalität innerhalb einer Palette von Fertig- und Fähigkeiten bliebe erhalten und zeichnete den Menschen jenseits seiner Signatur diverser Handschriften aus. So entfaltet sich womöglich nach einer Zeit der Entwicklung des Solisten, Solitären und damit Separierten seit Albrecht Dürers „Selbstbildnis als Künstler“ im Jahre 1498 und seiner Pflege über die folgenden Jahrhunderte möglicherweise ein Sprung über das Bewusstsein des Egos hinaus, nur wohin? Was kommt nach der Entwicklung und Entfaltung des Egos, das zumeist auf Kosten anderer ausgeprägt werden muss? - Wie entstanden die allseits zu beobachtenden Täter- und Opferspiele, zu der sich neben diesen beiden Rollen, auch noch die des Initiators dieser Spiele, der sich dann auch noch als Retter des Opfers und als Richter des Täters aufspielen darf? Nehme ich mangels Sensibilität und Übersicht eine dieser Rollen ein, dränge ich mein Umfeld nur dazu, die anderen Plätze einzunehmen und es entsteht ein Verhalten innerhalb dieser Rollen, das alle unlebendig macht, da wir allmählich diese Rollen in Lebensgewohnheiten verwandeln und schließlich ganz mit dem Leben verwechseln. Ganze Industrien werden um den Erhalt dieser Rollen herumgebaut und behauptet, ohne sie könnten wir nicht überleben. Eine Dimension der Täuschung entsteht, die wir aufgrund ihrer Größe für die Wahrheit halten. Werden wir in diese Funktionen gedrängt, entsteht in dem Menschen, der es sich gestattet, ein Gefühl der Getrenntheit von sich selbst und von der Welt, das neben dem Bedürfnis nach Entfaltung das wichtigste Gefühl des Menschen überhaupt ist: die Verbundenheit. Jedes kleine Kind strebt danach und muss lernen, das beide Grundsteine seiner eigenen Entwicklung auf der Erde nicht gelebt werden können. Ähnlich verhält es sich mit der Rolle des Künstlers, der (mehr oder weniger verzweifelt) versucht, auf seine Umgebung über Impulse Einfluss zu nehmen, ihr Erneuerungen zu verschaffen, Innovative Elemente einzuverleiben, auch noch permanent Denkanstöße liefert und an Gefühle appelliert, um selbst aus seiner Rolle heraus zu finden und andere bestenfalls mit in die Lebendigkeit zurück zu führen. Dabei stabilisiert er nur durch seinen Beitrag den Mangel an Lebendigkeit, indem er so tut, als sei in dieser Gesellschaft eben doch alles möglich. Stimmt nicht, denn er bleibt mit seiner Beteiligung am Spiel selbst in Markt-, Sach- und Geltungszwängen gefangen. Aber wie verlassen wir nun das begrenzte Spielbrett dieser Möglichkeiten, in der die Kunst auch nur das Erfüllen einer beschränkt innovativen Erwartungshaltung der anderen bedeutet, um überhaupt ein bisschen Beachtung geschenkt zu bekommen? Wie können wir die dafür notwendige Sensibilität entwickeln, um in die nötige Übersicht zu kommen, um das gesamte Bild im Kleinen bei sich selbst wie im Großen in der Gesellschaft endlich wahrnehmen zu können? Beultier schlug beim Rundgang der Kunstakademie vor, die Rolle mit Humor zu füllen, indem er in seinem frankophilen Kostüm in frivol-französischakzentuiertem Deutsch dem an seinen Bildern interessierten Publikum die von ihr erwartete Künstlerrolle mit den Mitteln der Übertreibung und Pointierung vorspielte, so das eine innere Befreiung davon stattfinden konnte. So hüpfte er leichtfüßig über die, womöglich das Blumenfeld seiner eigenen Abhängigkeiten, Befindlichkeiten und Gefühle darstellenden einzelnen Blumentöpfe und sprang damit vom Spielfeld der Rollen zurück in seine eigene Lebendigkeit. Billigend in Kauf nehmend, das darauf eine Ignoranz des Kunstmarktes folgte, blieb das Gefühl der inneren Freiheit übrig. Damit ist der Humor, wie er uns zeigte, Mittel, Weg und Zweck, die Rollen der beschränkten Möglichkeiten oder das gesamte Spielfeld des Transaktionsdreiecks zu verlassen. Jenseits dieses Feldes wartet vielleicht eine Freiheit wie eine Kunst, die wirklich frei sind, und die einem das nicht nur vorgaukeln. So sind die Primeln womöglich der Versuch, mit jedem Bild neue Handschriften zu entwickeln, in täglicher Permanenz auf der immerwährende Suche nach neuen Positionierungen in sich wiederholender Sichtbarkeit, um der allgegenwärtigen Falle des Marktes, der krampfhaften Suche nach dem nur scheinbar erlösenden Alleinstellungsmerkmal oder des vordergründig nützlichen Labels auszuweichen…
o. T. (Feige), 2023, 50 x 50 cm, Öl auf Leinwand

o. T. (Feige), 2023, 50 x 50 cm, Öl auf Leinwand

o.T. (Feige), 2024, 50 x 50 cm

o.T. (Feige), 2024, 50 x 50 cm

o. T. (Feige), 2023, 50 x 50 cm, Öl auf Leinwand

o. T. (Feige), 2023, 50 x 50 cm, Öl auf Leinwand

o. T. (Feige), 2024, 50 x 50 cm, Öl auf Leinwand

o. T. (Feige), 2024, 50 x 50 cm, Öl auf Leinwand

So ist die Galerie Hausen in Euskirchen die erste Galerie, die sich der Malerei Francois Beultiers annimmt und seine Arbeiten öffentlich ausstellt. Einladungskarte François Beultier
François Beultier
Chronik von Que(e)rbeet, -feldein und -denken in Köln-Kalk Chronik von Que(e)rbeet, -feldein und -denken in Köln-Kalk

Chronik von Que(e)rbeet, -feldein und -denken in Köln-Kalk



Temporäre Installation – Performance Veedelsbüro Loéstraße 6, Brauwelt und Kalkberg, Köln-Kalk | 2023   Chronik "Que(e)rbeet, -feldein und -denken in Köln-Kalk 12.04.2023 Anruf von Tommi Grusch vom Stadtteilbüro Kalk-Nord und Veredle e.V. mit der Frage, wie die Welt in Kalk noch zu retten sei? Ich verspreche sofort nach Kalk zu kommen, um ein Loch in die Wand zu machen. 15.04.2023 Ortsbegehung und Besichtigung von Kalk und neuralgischen Punkten den öffentlichen Raum betreffend. Auf Nachfrage halten 50 % der Befragten die Parkplatzsituation für das größte Problem in Kalk, neben den Mietpreisen und den ansteigenden Lebenshaltungskosten. Als ich etwas zu spät zum meinem nur in Notfällen dieser Art zu fahrenden Auto zurückkomme, klebt ein Knötchen an der Windschutzscheibe. Die Parkzeit habe ich um 7 Minuten überzogen. 16.04.2023 Visualisierung des Projektvorhabens „Queerbet, -feldein und -denken in Kalk“ als zweiteiligem Workshop zur beispielhaften Transformation der gesamten Gesellschaft in Kalk in Form der gemeinschaftlichen Faltung des „SUV Kalk“ aus Karton zum Kalkfest am 19.08.2023 und der Transformation des Vehikels am 27.08.2023 in die „Rose of Kalk“. Tommi Grusch erklärt im Namen des Stadtteilbüros Kalk-Nord und des Veedel e.V. sein Einverständnis in den blumigen Worten: „is ok!“, warnt aber gleichzeigit vor zu hohen Parkgebühren, sollte der SUV Kalk die anvisierte Parkzeit von einer Woche überstehen. 19.08.2023 Ab 14 Uhr Fertigung des SUV Kalk mit tatkräftiger Unterstützung der Nachbarschaft der Loestraße unter Melonenspenden eines älteren türkischen Herrn und der Versorgung mit Kirschkuchen einer älteren „Urkalker Dame“, die das Geschehen von ihrem Balkon aus beobachtet und eine Stärkung verspricht: „Sie müssen doch was essen, bevor Sie damit losfahren! „Aber sagen Sie mal, wo wollen Sie denn damit eigentlich hin?“ Fragt Sie mit leicht besorgtem Unterton. Der 8-jährige Mohammed antwortet planvoll: „Erst auf den Kalkberg, dann parken wir falsch am Kalkar Stadtgarten!“. „Gute Idee“, meint die soeben die Bühne, die die Welt bedeutende und betretende Elke S., die mit ihrer gerade noch rechtzeitig entbundenen Tochter Lenja zur Jungfernfahrt des die Automobiltechnik womöglich weiter entwickelnden SUV Kalk erscheint, wie der frisch gebackene Opa Dirk S. Dazu meint, der dafür gesorgt hat, das die Kalker Bevölkerung einigermaßen Bescheid weiß, was sich Weltbewegendes im Hinterhof der Loestraße in Kalk abspielt. „Ich weiß noch nicht“, meint der frisch gebackene Projektbeauftragte des zivilen Ungehorsams in Kalk Tommi Grusch, „ob das hier gut geht.“ „Ich habe die Faltanleitung vergessen!“, fällt dem Künstler gerade noch rechtzeitig auf, damit Mohammed meint, er wisse, wie es weitergehe. Prompt wird dem 8-jährigen Mohammed der Führerschein gefaltet und ausgestellt, damit der Prototyp auf die Probe gestellt werden kann.   16 Uhr pünktlich wie die übrige lahmendere deutsche Autoindustrie läuft der Prototyp des SUV Kalk vom Band und kann seine Probefahrt antreten. Am Kalker Markt verlässt die eine Hälfte der Insassen das manövrierfähige Vehikel. Es fallen Sätze wie „Ich hätte ich gewusst, das ich selbst fahren muss, wär ich gar nicht erst gekommen!“, oder: „Danke fürs Mitnehmen.“, Andere meinen: „Das Lenken fällt ein bisschen schwer, ansonsten absolut verkehrstauglich!“. Mohammed fragt: „Ob er sofort einen Führerschein machen könne?“, der ihm prompt ausgestellt und gefaltet wird. „Man sieht ja drinnen gar nicht, was draußen los ist?“ Stellt Elke fest, damit Florian sagen kann: „Hier ist sohl der einzige Ort in Kalk, an dem man mal mit sich alleine ist.“ Als wir nur noch zu Dritt sind, fährt der heilige Geist in uns, mobilisiert unsere letzten Kräfte, die uns doch noch bis auf den Kalkberg führen. An der Pforte meint einer der das Areal bewachenden Feuerwehrmänner aufgeschlossen: „Eigentlich wollten wir keine Autos mehr auf den Berg rauf lassen.“ Bernd Giesecke kontert beflissen: „Der Wagen hat Brandschutzklasse 3, damit können wir überall hinfahren“. Das scheint die Feuerwehr zu überzeugen, die uns eine halbe Stunde Aufenthalt gewährt, die im Namen des Beauftragten des zivilen Ungehorsams in Kalk Tommi Grusch entsprechend überzogen werden muss. Zu unserem Glück fahren nach einer Stunde guter Aussicht vom Kalkberg über das Panorama von Köln ein paar Freiwillige den Wagen wieder hinunter. Der inzwischen von uns mehr als heilig gesprochene Fahrer Bernd Giesecke behauptet, das die Feuerwehr doch sowieso erst immer nach dem Brand, also eigentlich zu spät käme. Da können wir bestimmt mit Verständnis rechnen. „Kann ich mitfahren?“ schreit jemand von draussen im Vorbeifahren, was wir verneinen, da wir gerade so gut unterwegs sind, dass uns beinah die Arme abfallen. Als von hinten gehupt wird, scheint mir, das Tommi Gruschs rechter Arm durch das zu tragende Gewicht des Fahrzeugs bereits länger geworden ist als sein Linker. Auf Nachfrage antwortet der neue Karosseriebauer, das er gerade keine Zeit hätte, das zu überprüfen. Außerdem könne er nicht loslassen, ohne einen Unfall zu verursachen. Nach länger Probefahrt endlich zurück auf der Kalker Hauptstraße wird gezielt der Kalker Stadtgarten angesteuert, das Auto schnell falsch geparkt, ausgestiegen und sich in alle Winde zerstreut, bevor das Ordnungsamt um die bestimmt nächste Ecke kommt. Wir können in der vorbeikommenden Demo gegen zuviel CO2-Ausstoss und zu vielen Autos Kalk untertauchen. Außerdem (Achtung schlechter Witz:) fehlt zudem das Nummernschild!   27.08.2023 immer noch unversehrt, zwar mit ein paar kleinformatigen Grafittis und Plakaten, die auf das heutige Vorhaben werbend hinweisen, geschmückt, wird um 14 Uhr wie geplant der SUV Kalk zur Sünder Brauerei zur Kalk-Kunst gefahren, wo das Fahrzeug in „the Rose of Kalk“ umgefaltet werden soll. „Ob das gut geht?“ werden laute Zweifel von vorbeifahrenden und -hupenden Augenzeugen des immer noch fahrtüchtigen Vehikels vorgebracht. „Habt Vertrauen in die Deutsche Automobilindustrie“, ermuntert Bernd Giesecke die anderen zumeist schnelleren Verkehrsteilnehmer. Um 14.30 Uhr wird der SUV Kalk wieder entfaltet und einer gemeinschaftlichen Hau-Ruck-Kunstkation nach allen Regeln der partizipativen Künste mit Besuchern der Kalk-Kunst basisdemokratisch in „the rose of Kalk“ transformiert. Vollkommen klar, das „the rose of Kalk“ im Bezirksrathaus von Köln-Kalk landet.
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Ausstellungsansichten Ausstellungsansichten

Ausstellungsansichten



 

Kunsthalle Göppingen Kunsthalle Göppingen, 2024 

 

 

 

Ultra all inclusive Kunstmuseum Bonn, 2021, Fotos: Martin Plüddemann 

 

 

 

It's aqua origami, alright. But is it Art? Columbus ArtFoundation, Leipzig, 2009, Foto: Werner Hannappel

 

 

Michael Jezierny4

 

Michael Jezierny1

 

Foto Michael Jezierny3

Hidden landscapes Kunsthaus Kloster Gravenhorst, 2023 

 

 

Boelter 0001
Mauerwerk Haus am Waldsee, Berlin

 

 

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Mauerwerk Kunsthaus Kloster Gravenhorst, 2014, Foto: Simone Zaugg

 

 

0 Kilometer
0 Kilometer Kloster Bentlage, 1999

Ausstellungsansichten
Weiße Rose (XXL) Weiße Rose (XXL)

Weiße Rose (XXL)



photo_2022-05-20_10-56-41 (2)   Performance - Temporäre Installation Viktualienmarkt, Heilig-Geist-Kirche, München | 2022 Kuratiert von Benita Meißner und Ulrich Schäfert   Im Rahmen von ‚Auf der Suche …‘, dem Ausstellungsprojekt im Dialog von Kunst, Kirche und Wissenschaft, initiiert Frank Bölter ein eintägiges öffentliches Papierfalten auf dem Viktualienmarkt in München. Die Aktion „Weiße Rose (XXL)“ beinhaltet das öffentliche, gemeinschaftliche Falten einer überdimensionierten weißen Rose aus Karton in der kunsthandwerklichen Technik des Origami mit dem Laufpublikum auf dem Münchener Viktualienmarkt. Anlass für diese öffentlichkeitsinvolvierende, bildkünstlerische Form der Erinnerungskultur ist das 80-jährige Jubiläum der Gründung der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gegen die NS-Terrorherrschaft im Juni 1942. Als Ort der Realisierung der Faltaktion wird der viel frequentierte Viktualienmarkt gewählt, an dem Münchner Bürger*innen und Tourist*innen eingeladen sind, am Herstellungsprozess einer 2 x 2 Meter großen weißen Rosenblüte – inklusive Stängel in einer Gesamtlänge von 5 Metern – mitzuwirken. Das mehrteilige Faltobjekt wird so innerhalb einer „öffentlichen Bildhauerwerkstatt“ mit der Marktkundschaft als vielschichtigem bildhauerischen Akteur entstehen. Die zeitliche Inanspruchnahme jedes/jeder Faltenden variiert – angefangen beim bloßen Falten, über das Ineinanderlegen der einzelnen Faltobjekte bis hin zum Anbringen des Stängels am Blütenkopf bleibt jedem Marktbesuchenden selbst überlassen, ob er nur ein paar Minuten seiner Zeit schenkt oder sogar etliche Stunden. So entsteht über die Dauer eines Tages ein komplexes, gemeinschaftlich erarbeitetes Papierobjekt. Anschließend soll die Rose in der Heilig-Geist-Kirche ausgestellt werden; auch dorthin wird die riesige Origami-Skulptur von Freiwilligen gemeinschaftlich transportiert und erzählt so vom öffentlichen Herstellungsprozess samt Gebrauchsspuren, Fußabdrücke, unvorhergesehener Knicke und korrigierter Falten. Lokale Bezüge zu tatsächlichen Ereignissen in München wie zur überregionalen und internationalen Bedeutung und Strahlkraft der „Weißen Rose“ korrespondieren hier mit der Spannung zwischen den Attributen der kunsthandwerklichen Origami-Technik in üblicherweise kleinem Format, gepaart mit solitärer, kontemplativer und friedfertiger Beschäftigung auf der einen Seite und formaler Überdimensionierung und inhaltlich-politischer Aufladung auf der anderen. Neben der rein formalen Äquivalenz zur Weißen Rose greift die Kunstaktion das Material Papier auch als Informationsträger auf, wie auch die Ebene der öffentlichkeitswirksamen Beteiligung der Bevölkerung. So wird direkt eine Parallele zur folgeträchtigen Aktion der Gruppe Weiße Rose gezogen, deren Mitglieder am 18. Februar 1943 Exemplare ihres 6. Flugblatts gegen das NS-Regime von der Galerie in den Lichthof der Ludwig-Maximilians-Universität München warfen und daraufhin verhaftet wurden. Der Beitrag „Weiße Rose (XXL)“ ist der Versuch, das Bewusstsein für die grundsätzliche Gefahr von Diskurs- und Demokratieverlust, Ausgrenzung, Separation und Faschismus in der Form des kunstpraktischen Zitats des historisch konkreten und museal-institutionalisierten Beispiels des Bodendenkmals von Robert Schmidt-Matt vor dem Haupteingang der LMU mit dieser „neuen“ Übung zu schärfen. So lässt sich die Palette der geschichtsvermittelnden Möglichkeiten erweitern, in der Gesellschaft verankern und bestenfalls verstetigen. Alle Flanierenden am Viktualienmarkt sind eingeladen, zur Weiterentwicklung dieses Vorhabens in Form eines offenen Dialogs beizutragen. Text: Benita Meißner   https://www.dg-kunstraum.de/frank-boelter-weisse-rose-xxl-viktualienmarkt/
Weiße Rose (XXL)
Der Weg des geringsten Widerstandes Der Weg des geringsten Widerstandes

Der Weg des geringsten Widerstandes



Happening - Walk Köln bis Berlin | 2024   -5301102345192584987_121   ... war der ca. 650 Kilometer langer Fußmarsch von meiner Haustür am Rolshover Kirchweg 82 in Köln quer durchs Land, über Berg und Tal, Stock und Stein zu Mann und Maus bis in den Reichstag nach Berlin mit einem geschulterten Straßennamenschild mit der Aufschrift „Weg des geringsten Widerstandes“. Während des etwa 4-wöchigen Fußmarsches im September 2021 in Anzug, Krawatte und Lackschuhen, mit dem Rohrpfosten und installiertem Schriftzug auf der Schulter wurde auf dem „Weg des geringsten Widerstandes“ der Frage nachgegangen, ob und warum der Mensch einen leichten, bequemen und möglichst geraden Lebensweg einem unbequemen, umständlichen und komplizierten Lebensweg vorzieht? … Dieser Weg des vielleicht größten Widerstandes samt abschließendem „Besuch des Reichstages“ endete mit der Konfrontation der politischen Elite mit dieser lebenswichtigen Fragestellung exakt am Tag der Bundestagswahl am 26. September 2021 … Die Darstellung der Frage, ob ein gradliniger, schnörkel- wie um- und auswegloser Karriere-, Bildungs- und Lebensweg auch wirklich der Richtige ist, konnte über die Internetseite http://www.wegdesgeringstenwiderstandes.de in Form von täglichen Berichten und Wasserstandsmeldungen aus den Schuhen des Wanderers mitverfolgt werden. Neben allen Stationen dieses „Kreuzweges“ zeigte die tägliche Dokumentation dieser Tortour die exemplarischen, allegorischen wie bestimmt unbequemen Schritte dieses Weges mit all seinen Abzweigungen, Umleitungen, Sackgassen und Absperrungen, Irrungen wie Wirrungen, unsagbaren Mühen mit unerklärlichen Begegnungen, allen Hilfestellungen der Bevölkerung samt Gesprächen über Lebensmut, -glück und -müdigkeit wie Kommentaren in Reisetagebuchform mit Text und Bild. Diese humorvolle Infragestellung von Bequemlichkeit und den Schattenseiten dieses bestimmt freud- wie leidvollen Marsches quer durch die Republik ins Parlament zum Dialog mit der politischen Elite samt Schenkungen und Unterstützungsleistungen von Übernachtungsmöglichkeiten, Lunchpaketen und Lackschuhspenden in der Größe 44 für das formvollendete Erscheinungsbild des Akteurs dieser Langzeitperformance und -studie fanden im Internettagebuch Erwähnung, genau wie alle angenehmen Begleiterscheinungen und unliebsamen Begegnungen auf dem langen Weg vom Westen des Landes durch Westfalen und Niedersachsen durch den Osten nach Sachsen, durch Brandenburg bis nach Berlin. Wer mithalf, diesen charmanten „Schildbürgerstreich“ als Version historischer Ablasswanderungen, traditioneller Protestmärsche und zeitgemäß bewegter Verbindung mit Mutter Natur Wirklichkeit werden zu lassen oder zu begleiten, sollte nach Vollendung des Projektes zum Dank ein handsigniertes Buch und eine Grafik des „Wegs des geringsten Widerstandes“ überreicht bekommen, deren Auflage exakt der Summe der Unterstützenden entspricht. Eine Dokumentation erscheint in Kürze im Verlag für Moderne Kunst, Wien. Der Weg des geringsten Widerstandes Vernissage Mittwoch, 01.09.2021 um 8.30 Uhr, Rolshover Kirchweg 82, 51105 Köln Finissage Sonntag, 26.09.2021 um 18 Uhr im Reichstag, Platz der Republik, 10557 Berlin Wandertagebuch: www.wegdesgeringstenwiderstandes.de   Publikation "Weg des geringsten Widerstandes" erschienen im Verlag für moderne Kunst, Wien 298 Seiten, Hardcover mit Banderole, 21, 14,4 cm mit Texten von Dr. Katja Blomberg, Frank Bölter Buchgestaltung Julia Majewski Fotografie/Film Frauke Schumann und Achim Köhler ISBN 978-3-903439-84-9 Auflage 500, Preis 34,90 € https://www.vfmk.org/books/frank-boelter-der-weg-des-geringsten-widerstandes Bestellungen über den Verlag für moderne Kunst oder per mail an: Mail an Studio Frank Bölter   Sonderedition "Weg des geringsten Widerstandes", 298 Seiten, Hardcover mit Originalanzug und Banderole, 21, 14,4 cm mit Texten von Dr. Katja Blomberg, Frank Bölter Buchgestaltung Julia Majewski Fotografie/Film Frauke Schumann und Achim Köhler Auflage 20, Preis auf Anfrage Bestellungen per mail mit Betreff "Sonderedition" an: wegdesgeringstenwiderstandes@gmx.net
Frank_Buch_Rhenania-session0207   Frank_Buch_Rhenania-session0262   Frank_Buch_Rhenania-session0282 Fotograf Edition: Jens Pussel, www.jenspussel.de
Der Weg des geringsten Widerstandes
Eine Gans ist ein Turm ist eine Rose ist … Eine Gans ist ein Turm ist eine Rose ist …

Eine Gans ist ein Turm ist eine Rose ist ...



Performance - Temporäre Installation Monheim am Rhein, Kunstwerkstatt | 2022   Eine Gans ist ein Turm ist eine Rose ... war eine dreiteilige Performance im öffentlichen Raum von Monheim. So wurde aus demselben Blatt Papier an drei aufeinander folgenden Sonntagen im Juni 2022 zunächst das Wappentier der Stadt Monheim am Rhein, eine Gans, gefaltet, die am darauffolgenden Sonntag in das Wahrzeichen der Stadt, der Schelmenturm, umgefaltet wurde, um schießlich als Seerose auf dem das Stadtbild prägenden Rhein ins Ungewisse zu driften ... Veranstaltungen jeweils Sonntags am 05.06.22, 12.06.22 und am 26.06.22 von 14 bis 17 Uhr  
Eine Gans ist ein Turm ist eine Rose ist …
SauerlandUV SauerlandUV

SauerlandUV



Performance - Temporäre Installation Meschede, Hennesee | 2020   Der "SauerlandUV" wurde vom Publikum des spirituellen Sommers 2020 in Meschede gemeinsam gefaltet und nach einer "Rundfahrt" um den Hennesee für eine Woche falsch dauergeparkt, bevor das 160 qm große Papier in das Papierschiff "PSauerland" umgefaltet wurde, um über den Hennesee zu fahren, bevor die Fläche eine Woche später erneut in das bewohnbare Papierhaus "HOTEsauerLand" transformiert wurde. Der in Gemeinschaft in 3 unterschiedliche Formen gebrachte Karton veranschaulicht den gesellschaftspolitischen Transformationsprozess und appelliert durch Teilhabe an das Vertrauen in gemeinschaftliche Schöpfungsprozesse auf unbekanntem sauerländlichem Terrain ...   https://www.youtube.com/watch?v=uUo88mvGj1U
SauerlandUV
Galerie Galerie

Galerie



   

Fotografie

Weg der pol. Verfehlungen, pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs, 2011
126 x 152 cm, Fine Art Paper

 

To the world's End, 2014
Fine Art paper, 58 x 72 cm

 

To the world's End, 2014
Fine Art Paper, 58 x 72 cm

 

Weg des geringsten Widerstandes, 2021
132 x 158 cm, Fine Art Paper

 

Blume, 2017
Fine Art Papier, 83 x 112 cm

 

Porsche, 2017
Fine Art Papier, 98 x 132 cm

 

LEOrigamiPARD3, 2012
Fine Art Papier, 146 x 188 cm

Teichrose, 2022
Karton, 123 x 152 x 102 cm

 

AcropoLinz, 2009
Fine Art Paper
198 x 138 cm

 

AcropoLinz, 2009
Fine Art paper, 126 x 172 cm

 

Belgrader Mauer, 2009
Fine Art paper, 78 x 116 cm

 

Belgrader Mauer, 2009
Fine Art Papier, 78 x 105 cm

 
House - savoir vivre, 2006, 41,5 x 55,5 cm

House - savoir vivre, 2006, 41,5 x 55,5 cm

 
House - savoir vivre, 2006, 41,5 x 55 cm

House - savoir vivre, 2006, 41,5 x 55 cm

 
House - savoir vivre, 2006, 41,5 x 58 cm

House - savoir vivre, 2006, 41,5 x 58 cm

 

Hommage á John Heartfield, 105 x 145 cm, Fine Art Paper

 

Grafik

Marschbefehl LEOrigamiPARD 3 der Bundeswehr, signiert, 2011
Inkjetprint, 29,7 x 21 cm

 

Verzichtserklärung Villa Massimo, signiert, 2002, Inkjetprint, 29,7 x 21 cm

 

Diagram HOrigamiUSE, 2013
Alluminiumfolie, 29,7 x 21 cm

 

Modell

Zeppelin, 2022
Folie, Papier, Pappe, 68 x 34 x 31 cm

 

Weiße Rose xxl, 2022
Papier, 24 x 8,5 x 8,5 cm

 

Panzer, 2011
Tapete, 17 x 7,5 x 6,5 cm

AcropoLinz, 2009
Wellpappe, Leim, Sperrholz, 53 x 38 x 18 cm

 

FORigamiMEL 1, 2019
Papier, 26 x 18 x 9 cm

 

UFO, 2017
Papier, Lack,18,5 x 18,5 x 10,5 cm

 

Zeichnung

Faltanleitung Refugee Origami Camp, 2014
Marker auf Backpapier, 29,7 x 21 cm

 

Faltanleitung Papierschiff, 2005
Marker/Inkjetprint auf Papier, 30 x 20 cm

 

Faltanleitung little boys, 2005, Marker auf Papier, 29,7 x 21 cm

 

Faltanleitung Tulpe, 2017
Marker auf Papier, 29,7 x 21 cm

 

Skulptur

Elefant, 2009, Maße Elefant 19,5 x 16 x 9,5 cm, Bauchnabelflusen, Schaumstoff, Sockel

Elefant, 2009, Maße Elefant 19,5 x 16 x 9,5 cm, Bauchnabelflusen, Schaumstoff, Sockel

 

Kunst am Bau

Estrichgravur, Malerei (unsigniert), 2004, Kunstakademie Münster

Estrichgravur, Malerei (unsigniert), 2004, Kunstakademie Münster

 

Sachsenberger Tor, 2014
recyclete Ziegel, Mörtel, Eisen, 478 x 347 x 58 cm

 

Umtaufen des Hohenstaufenrings in Dietlinde-Schumacher-Ring, 2017
120 x 90 cm, Fine Art Print auf Aludidond

 

Bundesamt für Korruption, Lobbyismus und Vetternwirtschaft, 2023
710 x 312 cm, Bauschild

 

Malerei von François Beultier

o.T. (Feige), 2023
Öl auf Leinwand, signiert von François Beultier, 50 x 50 cm

 

o.T. (Feige), 2023,
Öl auf Leinwand, signiert von François Beultier, 50 x 50 cm

 

o.T. (Primel), 1999,
Öl auf Leinwand, signiert von François Beultier, 50 x 50 cm

 

o.T. (Primel), 1999,
Öl auf Leinwand, signiert von François Beultier, 100 x 100 cm

 

Bücher

Publikation "Weg des geringsten Widerstandes", Auflage 500, 298 Seiten, Hardcover mit Originalanzug und Banderole, 21, 14,4 cm mit Texten von Dr. Katja Blomberg, Frank Bölter

Publikation "Weg des geringsten Widerstandes", Auflage 500, 298 Seiten, Hardcover mit Originalanzug und Banderole, 21, 14,4 cm mit Texten von Dr. Katja Blomberg, Frank Bölter

  Sonderedition Publikation "Weg des geringsten Widerstandes", Auflage 20, 298 Seiten, Hardcover mit Originalanzug und Banderole, 21, 14,4 cm mit Texten von Dr. Katja Blomberg, Frank Bölter

Sonderedition Publikation "Weg des geringsten Widerstandes", Auflage 20, 298 Seiten, Hardcover mit Originalanzug und Banderole, 21, 14,4 cm mit Texten von Dr. Katja Blomberg, Frank Bölter

 

Publikation „Auf großer Fahrt“, erschienen im Salon Verlag, Auflage 1000, 68 Seiten, Hardcover mit Umschlag aus Milchkarton, 21 x 16 cm, Frank Bölter

 

Kauf und Kontakt: Mail an Studio Frank Bölter  
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Performance Kölner Ringe, Köln | 2017 Die uns allseitig versprochenen und doch nicht eintretenden Bedürfnisbefriedigungen durch Konsum unserer „Einkaufs- und Shoppingerlebnisse“ führt zu den immer gleich aussehenden Filialen der Konzernketten und Multistores – nicht nur auf den Kölner Ringen. BettelCologne überträgt das ökonomische Phänomen des Franchising und andere uns vertraute Marketingkonzepte auf das Bettelgewerbe. 11 Bettler ab 11 Uhr 11 alle 111 Schritte auf den 1111 von Konsum und Kommerz geprägten Metern der Kölner Ringe 11111 Sekunden lang am Tag des Sommerkarnevals "Jeck im Sunnesching". "Das ist das seltsamste Déjà-Vu-Erlebnis, das ich je hatte", so ein Passant im Vorbei gehen ... The satisfaction of our needs through the consumption of our "buy and shopping experiences", which is promised to us on all sides and yet does not materialise, leads to the branches of the corporate chains and multistores that always look the same - not only on Cologne's rings. BettelCologne transfers the economic phenomenon of franchising and other marketing concepts familiar to us to the begging trade. 11 beggars from 11 o'clock 11 every 111 steps on the 1111 metres of the Cologne Rings marked by consumption and commerce for 11111 seconds on the day of the summer carnival "Jeck im Sunnesching". "This is the strangest déjà vu experience I've ever had," said a passer-by as he walked past ... https://vimeo.com/237897414
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UMTaufen der Kölner Ringe UMTaufen der Kölner Ringe

UMTaufen der Kölner Ringe



Performance - Temporäre Installation Kölner Ringe, Köln | 2017   Das Herz der Stadt Köln ist fest umklammert von Dt. Herrscher- und Adelsdynastien (Hohenstaufen- Habsburger- und Hohenzollernring) und lenkt unseren Blick auf Historisches (Ubier-, Karolinger-, Salier- , Sachsenring etc.). Unser Verhalten beim Orientieren ist geprägt vom Aufschauen zu Macht und Historie. Warum? Wie können wir den Menschen Aufmerksamkeit schenken, die sich gegenwärtig, auf Augenhöhe und jenseits von Kommerz, Verkehr und Amüsierbetrieb auf den Kölner Ringen für Lebensqualität, Flair, Atmosphäre und Wärme einsetzen? Ein Projekt zur Erforschung alternativer Möglichkeiten zur Beschilderung der Stadt. Ringabschnitt für Ringabschnitt wird umgetauft, Schritt für Schritt werden bis dahin unbekannte BürgerInnen für ihren eigenmächtigen, oft unauffälligen Einsatz im Schatten der lauten und hektischen Kölner Ringstraßen mit einem Straßennamenschild geehrt. Zu Beginn wurde der Hohenstaufenring in Dietlinde-Schumacher-Ring umgetauft. Dietlinde Schumacher führt den ältesten Kiosk Kölns seit Jahrzehnten mit Herz und Seele. Die Nachbarschaft weiß dies zu schätzen ... mehr unter: http://www.koelnerringe.de http://www.stadtlabor-koeln2017.de
UMTaufen der Kölner Ringe
Refugee Origami Camp Detmold Refugee Origami Camp Detmold

Refugee Origami Camp Detmold



Performance - Temporäre Installation Café Welcome, Schlossplatz, Detmold | 2016   Wie sieht die Gesellschaft von morgen aus? Und wie können wir gemeinschaftlich zum Gelingen der großen Aufgabe ‘Integration’ beitragen? Geben wir diesen großen Fragen mal anders Gewicht und ihnen in Form eines Camps aus überdimensionierten, recyblebaren, gefalteten Papierhäusern, an dem jeder mitarbeiten kann, ein entsprechendes Gesicht. Refugee Origami Camp Detmold (ROCD) wird ab Montag, dem 9. Mai gemeinschaftlich im Zentrum von Detmold von seinen Bewohnern selbst und anderen Freiwilligen errichtet - Im weiteren Verlauf finden diverse Workshops und Labore zur Herstellung von Lebensmitteln im Bierbrauen, Brotbacken und im Backen von Schwarzwälderkirschtorte etc wie zur Eigenproduktion von Kleidung und Möbelbau statt. Die hergestellten Produkte werden am Camp “direktverkauft”, die Einnahmen werden zum weiteren Aufbau eines Programms der Refugee - Selbstversorgung und Eigenproduktion in Detmold verwendet. Wir suchen Hobbybrauer zum Brauen von Refugeebeer und Feinbrötchenbäcker zum Backen von Brot aus echtem Flüchtlingsschrot und -korn, Nählaien und Lakaien zur Produktion von Allwetterhosen und Starkregenjacken, die jedem Wetter trotzen. Spenden von Mehl, Salz, Wasser und anderen Grundnahrungsmitteln sind genauso erwünscht, wie bürgerschaftliches Engagement zum Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung, die jeden mit Freiheit zur Selbstentfaltung und Hilfsbereitschaft versorgt. Freiwilliges Engagement, zur Verfügung stellen von Know-how, wie Spenden von Lebensmitteln und Stühlen, Tischen und Matratzen werden gerne genommen. Refugee Origami Camp Detmold ist der Modellversuch einer selbstvermächtigten und ethnienübergreifenden Selbstversorger- wie Solidargemeinschaft und erprobt das fragile wie notwendige Gesellschaftsbild der natürlichen wie selbstverständlichen integration einer Gesellschaft im Wandel.   Chronik Refugee Origami Camp DETMOLD  Montag, 09.05.2016 11.30 Uhr Vorbereiten der 8 x 8 Meter großen Papierfläche im „Café Welcome“ des Flüchtlingsheims in der Adenauerstraße. Sofort kommen Mischa und Farouk und viele andere Kinder. Sie fragen: „Was Du machen?“ Ich erkläre mit „Händen und Füßen“, dass ich gerne mit Ihnen ein lebensgroßes Origami-Haus falten möchte. Das wird nicht verstanden, daher zeige ich Ihnen eine Faltanleitung eines Origami-Modells. Auch das ist anscheinend zu abstrakt für die kleinen Kinder. Ich versuche Ihnen mit einer auf der Theke des Cafés herumliegenden Serviette zu erläutern, wie man ein Haus faltet. „Ich helfen“, „ich helfen“, „ich helfen“, „nein, ich helfen“, ruft es vor lauter Begeisterung aus vielen Mündern. 13.22 Uhr Die große Papierfläche ist geklebt. Um etwas zu verschnaufen, setze ich mich auf den einzigen noch freien Stuhl im Hof des „Café Welcome“. Ich stelle mich meinen Sitznachbarn vor. Hassan erzählt, dass er in Aserbaidschan als Architekt und Designer gearbeitet hat. Ich frage ihn, ob er sich vorstellen könnte, beim gemeinschaftlichen Hausfalten mitzuarbeiten. Er fordert Holz und Schrauben. Der Baumarkt sei nicht weit. Ich fahre sofort los, um das angeforderte Material zu besorgen. Als ich nach 20 Minuten zurückkomme, haben die vielen Kinder – die allermeisten aus arabischen Ländern, bereits etliche Falten und Knicke in das Papier gemacht. Auf meine Frage: „Was ist das?“, antworten sie einstimmig und voller Lebensfreude: „Da Haus“. Den Impuls der Kinder aufnehmend wird mit allen Kindern und dem großen Papierknäuel einfach weiter gefaltet. Es ist kaum vorstellbar, dass aus diesem Papierhaufen noch ein Haus werden soll. Aber was sollen wir tun? „Falten Haus!“ ruft Mischa. Das Haus wird wohl krumm und schief werden, wenn es überhaupt nach einem Haus aussieht. Ich muss mir klar machen, das es weniger um das Objekt „Haus“ geht, als um das Gründen einer Gemeinschaft, die das Unmögliche möglich macht: Ohne sich mündlich verständlich machen zu können, können wir jedoch zumindest versuchen, die gemeinsame Sprache „Origami“ zu sprechen. Hassan macht sich sofort an den Gerüstbau. Die Kinder fragen nach Stiften zum Bemalen der Hauswände. Ich fahre sofort los, um das angeforderte Werkzeug zu besorgen. 17.10 Uhr Als das Haus tatsächlich fertig vor uns steht, kann ich kaum glauben, was wir da gemeinsam geschafft haben. Das Gerüst, das der unermüdliche Hassan schnell und stabil aus Dachlatten gebaut hat, passt auch noch so dermaßen exakt in das Papierhaus, das es sich fast wie ein Wunder anfühlt. Die Kinder wollen sofort Fenster und Türen hineinschneiden. Der Cutter ist allerdings verschwunden. Alle Stifte sind auch weg. Als Mischa, Farouk und die vielen andere Kinder in das Papierhaus krabbeln, werden sie von einem uniformierten Securityguard angeherrscht und zurecht gewiesen. Ich bremse den Aufseher und behaupte, es sei doch schön, wenn die Kinder mit und in dem Haus spielen – es sei ja schließlich ihr Haus. 18.52 Uhr Man verabredet für morgen, ein weiteres Haus zu falten. Abends kann ich vor Freude über die kindliche Begeisterung kaum einschlafen.     Dienstag, 10.05.2016 11.30 Uhr Es wird erneut eine den gesamten Platz vor dem Café Welcome füllende Papierfläche geklebt. Die Kinder haben schon gewartet, nehmen sich sofort der Heißluftpistolen an, um die Papierbahnen aneinander zu schweißen. Ich befürchte, dass sich die Kinder dabei verletzen; ist die Luft zum Verschweißen der einzelnen Milchkartonbahnen doch sehr heiß. Allerdings gehen sie so geschickt und sicher mit dem Werkzeug um, das jeder sowieso unmögliche Versuch, den Umgang mit dem Werkzeug mündlich zu erklären, überflüssig erscheint. „Ich“, „Ich“, „Ich“, „Ich“ schallt es aus allen Mündern, um dem Wunsch, den Heißluftfön zu übernehmen, Ausdruck zu verleihen. 12.18 Uhr Farouk hat sich am Papier geschnitten. Er blutet am Zeigefinger. Ich gehe mit ihm zum Sanitäter des Arbeiter Samariter Bundes. Der Finger wird mit einem Pflaster geschützt. Farouk lächelt wieder. 13.47 Uhr Hassan nimmt sich wie selbstverständlich des Gerüstbaus an. In Windeseile steht das Gerüst, nur die Kinder sind mit dem Hausfalten schneller. Um sie zu beschäftigen, verteile ich Stifte, sie bemalen hochkonzentriert und in stiller Versunkenheit die Papierwände. Herzen und Blumen sind die Lieblingsmotive. Ich bin gerührt von soviel Herzlichkeit und Zuversicht. Die Erwachsenen sitzen am Rand und schauen den Kindern dabei zu. 18.40 Uhr Abtransport des zweiten Hauses. Die Kinder wollen es behalten und geben es nur unter der Bedingung heraus, dass morgen ein neues Haus gefaltet wird. Hassan erwähnt, dass er sich ein Fahrrad wünsche, mit dem er die Gegend erkunden kann.   Mittwoch, 11.05.2016 10.27 Uhr Falten des nächsten Papierhauses. Alles wie immer. Die Kinder wieder nicht zu bremsen und versprühen pure Lebensfreude. Die Erwachsenen schauen dabei allerdings nur zu. Außer Hassan, der unermüdlich mit Gerüstbau beschäftig ist, ist nur gelegentlich jemand bereit, mal eine Dachlatte zu halten. Als ich frage, warum er soviel Leistungsbereitschaft zeigt, sagt er, dass er die Langeweile im Flüchtlingsheim kaum aushält. Auf meine Frage, warum die anderen Erwachsenen, seiner Meinung nach, nicht mithelfen, weiß er zunächst auch keine Antwort. Dann erklärt er, dass Kriegs- und Fluchterfahrungen eine Beteiligung bestimmt schwierig machen. Es trübe die Freude am Leben. Außerdem sei man hier in einer schwierigen Situation: „Alle warten darauf, dass das Leben anfängt.“ 12.35 Uhr Einige Erwachsene Geflüchtete laden uns zum Essen ein. Sie bestehen darauf, das wir die lange Schlange der Wartenden vor der Essensausgabe überholen – alle wollen uns vorlassen. Wir lehnen dankend ab. Auch die Security will uns an der Schlange vorbei „schleusen“. Wir bestehen auf das Warten. 12.55 Uhr Als wir zum Essen Platz nehmen, nehmen unsere Nachbarn unseren Getränkebecher und wollen uns Orangensaft holen. Alle 2 Minuten werden Assistant Pauli und ich mit Händen, Füßen und sehr freundlichen Gesten gefragt, ob wir noch etwas zu trinken wollen. Wir lehnen dankend ab und fragen, ob wir unsererseits ihnen noch Getränke holen können. Man lehnt ebenfalls dankend ab. 13.20 Uhr Ich fahre mit Hassen sämtliche Fahrradläden in Detmold ab, um ein „second hand-Bike“ zu besorgen. Wir finden schließlich eines in der Fundgrube. Ich hoffe, Hassan eine Freude gemacht zu haben. 16.10 Uhr Es tauchen Probleme auf beim Versuch, das Gerüst unter die gefaltete Papierhülle zu klemmen. Ahmed, Sherwan, Mohammed und drei weitere Erwachsene Männer packen schließlich doch mit an. 18.56 Uhr Das Papierhaus wird gemeinschaftlich geschultert und in einer Prozession durch das Stadtzentrum von Detmold zum Theaterplatz getragen.   Donnerstag, 12.05.2016 10.12 Uhr Aufhängen von Plakaten im Café Welcome und im Kindergarten des Flüchtlingsheims: Einladung zum Hausfalten auf dem Theaterplatz ab 14 Uhr. Wird jemand um 14 Uhr zum Theaterplatz kommen? In Gesprächen mit Mitarbeitern des Arbeiter Samariter Bundes, die den Geflüchteten in der Adenauerstraße betreuen, erklärt man, man freue sich über das Angebot im Rahmen des Straßentheaterfestivals, vor allem die Kinder hätten ihre Freude gehabt. Man glaube allerdings nicht daran, das es gelänge, die Bewohner des Heimes in die Stadt zu locken. 14.27 Uhr 45 Kinder des Kindergartens des Flüchtlingsheimes kommen mit ihren ErzieherInnen Ellina, Anna und Joelle zum Theaterplatz und wollen sofort anfangen, kleine Papierhäuser zu falten. Völlig überfordert von so vielen Stimmen und Sprachen fordere ich Verstärkung beim Festivalteam an. Sofort kommen Marvin und Pirko, schneiden Papier, um die Kinder damit zu versorgen. 16.08 Uhr Der Prinz Stephan zur Lippe lässt über die Mitarbeiterin des Bauamtes, Frau Reue, ausrichten, das die Kinder von der Grünfläche des Schlossparks verschwinden müssen: „Also mit dem Camp auf dem benachbarten Theaterplatz hat der Prinz ja keine Probleme. Das aber jetzt auf dem Teil des Parks, der zum Schloss gehöre, die Aktion mit den Flüchtlingskindern stattfindet, das stößt auf und kommt nicht gut an.“ Ich erkläre, ich könne leider nicht auf jeden dahergelaufenen Prinzen Rücksicht nehmen. Es gäbe hier mit der aktiven Integrationsarbeit gerade Wichtigeres zu tun. Nach 3 Stunden gehen alle Kinder mit einem Papierhaus auf dem Kopf nach Hause. Ob morgen die Erwachsenen kommen? 17.35 Uhr Hassan kommt mit seiner Freundin Jewgenia zum Theaterplatz. Er bittet um Unterstützung beim Versuch, einen „Transfer“ in ein Flüchtlingsheim nach Bielefeld zu bekommen, da Jewgenia dort lebe. Wir verabreden uns für einen Besuch bei der Heimleitung für morgen, 9 Uhr.   Freitag, 13.05.2016 Ich spreche mit Ali im Büro der Heimleitung über Hasan und Möglichkeiten eines Transfers nach Bielefeld. Dort erklärt man, das Flüchtlingsheim in Bielefeld sei derzeit voll. Sobald dort ein Platz frei werde, werde man Hassan dort hin vermitteln. Jürgen Niestrath spendet ein Fahrrad für das Flüchtlingsheim und bietet einen Trommel-workshop an. Ich verspreche, mich darum zu kümmern. 12.10 Uhr Verabredung mit Jürgen Niestrath, dass Hassan sein second-hand-Fahrrad zu ihm in die Werkstatt bringt, um es dort reparieren zu lassen. Installation der Fotos des Origami-workshops in den Falthäusern auf dem Theaterplatz. Etliche Gespräche mit Passanten über den Sinn und Unsinn der Faltübungen mit den vielen geflüchteten Kindern im Detmolder Flüchtlingsheim. Überwiegend große Anteilnahme und Unterstützung dieser Art der Gründung von Gemeinschaften und der Verknüpfung der unterschiedlichen Lebenswelten. Wenige Flaneure fragen, wann das RefugeeOrigamiCampDetmold endlich beginne. Es wird jeweils geantwortet, dass entscheide jeder selbst mit einem Beitrag zur Bewältigung der großen Aufgabe, die da allgemein „Integration“ genannt werde. Das Projekt „RefugeeOrigamiCamp“ sei damit jeder selbst. 19.22 Uhr Einige der am Origami-workshop beteiligten Kinder kommen zum Theaterplatz. Wir betreten die seid heute geöffneten Papierhäuser. Sie freuen sich sichtlich, sich auf den Fotos wieder zu erkennen und fotografieren sich mit den Handys ihrer Eltern, die ebenfalls fröhlich und ein bisschen stolz auf ihre Kinder zu sein scheinen. Wir verabreden uns für morgen gegen 14 Uhr zum Falten eines weiteren Papierhauses. 19.47 Uhr Bakhary kommt zum Camp und fragt nach, ob er morgen für das Camp kochen könne? Ich behaupte hocherfreut, man habe nur auf ihn gewartet. 19.53 Uhr Anruf von Jana Erlenkamp. Sie habe von dem Projekt gehört und würde gerne „RefugeeMet“ brauen. Ich behaupte, man habe nur auf sie gewartet. 20.09 Uhr Dietmar kommt zum Camp. Er erklärt, er sei unter dem Namen LamaSan ambitionierter Hobbybrauer und habe gerade Maische angesetzt. Es sei doch eine gute Idee, morgen hier einen Biersud anzusetzen. Ich behaupte, man habe nur auf ihn gewartet.   Samstag, 14.05.2016 Es befindet sich ein neues Sofa im RefugeeOrigamiCamp. Frank Kirschlager hat ein Sofa gespendet. Uwe Windmeier bringt drei Klappfahrräder für das Flüchtlingsheim. 9.40 Uhr Aufbau des Gasgrills für Bakhary. 10.46 Uhr Aufstellen des Zeltes wegen der schlechten Wetterprognose. 10.52 Uhr Sarah aus Syrien bringt ein Rezept für Fladenbrot zum Camp. 11.00 Uhr Mike Biere bringt den Backofen wie verabredet, erklärt kurz dessen Bedienung und erzählt, dass er einem Geflüchteten aus der Adenauerstraße vor einigen Monaten einen Praktikumsplatz in seiner Bäckerei verschafft hat, der nun aufgrund der guten Erfahrungen und der guten Zusammenarbeit tatsächlich bei ihm eine Ausbildung zum Bäcker beginne. Es entwickelt sich ein sensibles Gespräch die Lebensverhältnisse in der Bundesrepublik und die Flüchtlingspolitik ihrer Regierung betreffend. Gemeinsam vermissen wir ein vollständiges Übertragen der Verantwortung von der politischen Elite auf die Bevölkerung. Von der politischen Klasse werde an der Verantwortung festgehalten, anstatt offen der Gesellschaft und Einzelpersonen die Verantwortung komplett zu übertragen. So entstünden Ohnmacht und Verantwortungslosigkeit bei Personen, die sich sonst aktiver zeigen würden. Die Regierung ermächtige sich damit ausschließlich selbst und niemanden sonst. 12.18 Uhr Erda aus Bielefeld kommt zum Camp. Sie habe im Internet von diesem Projekt erfahren und wolle sich engagieren. Sie könne sich vorstellen, Brot zu backen. Wir holen die gestern gespendeten Zutaten: Mehl, Salz, Gewürze etc. 12.24 Uhr Weitere Zutaten werden zum Camp gebracht. Man versorgt uns mit weiteren 2,5 Kg Mehl und etlichen Hefewürfel. 13.05 Uhr Bakhary kommt zum Camp, er freue sich über die rege Beteiligung und erzählt, er könne heute leider nicht bleiben, da die Mutter seiner beiden Kinder erkrankt sei. Er würde morgen kommen und afrikanisch kochen. 13.38 Uhr Jana Erlenkamp kommt mit einem Met-Braukitt zum Camp, fragt nach einem Gasofen und nach 6 KG Honig, zum Ansetzen des Medsuds. Ich fahre schnell zum nächsten Markt, bezahle von eingegangenen Spendengeldern den Honig, als die Kassiererin viel Erfolg beim RefugeeOrigamiCamp wünscht, sie habe mich in der Zeitung gesehen und sei gerührt von dem Vorhaben. Ich bedanke mich für die guten Wünsche. Wieder im Camp angekommen hat bereits jemand einen 20 Liter Kochtopf zum Ansetzen des Metsuds gespendet. 14.12 Uhr Viele Leute kümmern sich selbständig um das Backen des Fladenbrotes, auch die Bedienung des Ofens scheint kein Problem zu sein. Ebenso viele Leute beteiligen sich am Zubereiten des Brotteigs. Ich freue mich darüber, überflüssig zu sein und bereite mit Pauli und Hassan die große Papierfläche zum Falten eines Riesenpapierschiffes vor. 14.15 Uhr Dietmar kommt zum Theaterplatz. Er habe alles zum Bierbrauen einer „Großen imperialistischen Suppe“ dabei und macht sich sogleich ans Werk. Schnell wird ein Tisch besorgt, Strom für das Erhitzen des Biersuds gelegt und los geht’s. 14.28 Uhr Einige Leute fragen, wann endlich das große Papierschiff gefaltet werde. Ich vertröste sie auf später, bis der Regen aufhört. Als ich kurz in die Stadthalle gehe, höre ich das Gerücht, dass der Bürgermeister Detmolds womöglich Interesse an einer Papierschifffahrt haben könne. Wenn Prinz zu Lippe kein Interesse habe, könne man doch Bürgermeister Rainer Heller fragen, gebe ich zurück. 14.58 Uhr Falten des Riesenpapierschiffes. Mit jedem Faltschritt wird die Gruppe der Beteiligten größer. Sara kennt jeden Faltschritt und weiß immer, was als nächstes zu tun ist. Bernhard hat eine gute Idee beim Auseinanderziehen des Schiffes - ein sensibler Moment, in dem auch schon mal das Papier reißen kann. Es klappt aber problemlos. Schließlich sind viele Kinder begeistert damit beschäftigt, den Schiffsrumpf zu bemalen, während die Erwachsenen versuchen, das fragile Vehikel in Form zu bringen. 16.17 Uhr Es beginnt heftig zu regnen. Eine 20 cm tiefe Pfütze steht im Papierboot. Es scheint dicht zu sein! 17.40 Uhr Bürgermeister Rainer Heller erscheint zum verabredeten Stapellauf. Das schlechte Wetter hat die Anzahl der beteiligten Menschen etwa halbiert. Als wir das Papierschiff zum Schlossteich bringen, schließen sich doch wieder viele an. Manche kommen neu hinzu. Sie hätten von der Idee des untergehenden Bürgermeisters gehört, geben sie schmunzelnd vor. 17.48 Uhr Stapellauf. Alles läuft wie geplant. Allerdings geht Bürgermeister Rainer Heller, nicht wie verabredet mit dem Papierschiff unter. Dafür scheint es zu stabil und wasserdicht zu sein. 18.43 Uhr Das Papierschiff wird nach der Fahrt auf dem Schlossteich neben diesem platziert.   Sonntag, 15.05.2016 8.40 Uhr Anruf. Im Gespräch mit Prinz Stephan zur Lippe schlägt dieser vor, eine Gruppe von Flüchtlingen aus der Einrichtung an der Adenauerstraße durch sein Schloss zu führen. Ein Termin müsse noch vereinbart werden. Im Gegenzug wird ihm eine Führung durch das Flüchtlingsheim Adenauerstraße angeboten. 9.20 Uhr Eines der gestern gespendeten Klappfahrräder fehlt... 11.05 Uhr Bakhary kommt mit Freunden zum Camp. Er fragt nach einem weiteren Gaskocher. Der wird schnell von Carsten gebracht, der seine Telefonnummer hinterlassen für den Fall, dass es irgendwo brennt. 12.38 Uhr Die Afrikanische Küche ist eingerichtet. Das RefugeeOrigamiCampDetmold füllt sich zusehens. Die Gäste machen es sich mit ihrem Essen in den Papierhäusern gemütlich, damit es regnen kann. 13.05 Uhr Erda kommt zum Camp, sie möchte weiter syrisches Fladenbrot, heute allerdings in westfälischer Brötchenform backen. Hocherfreut über die interessante Mischung von Menschen unterschiedlichster Herkunft mach sie sich ans Werk. 13.57 Uhr Viele Leute fragen nach Stiften, um die wenigen noch freien Stellen auf und in den Papierhäusern mit politischen Botschaften und anderen Anliegen zu füllen, unter anderem steht auf einem der ganz kleinen Häuser: „God bless everyone, who goes in and out of this house“. Immer wieder sieht man jemanden, der ein Papierhaus auf dem Kopf durch die Stadt trägt. 14.17 Uhr Pedro kommt zum Camp. Er habe früher ein Fahrradgeschäft hier in Detmold gehabt, möglicherweise ließe sich nach dem Camp mal über eine Möglichkeit der Einrichtung einer Reparaturwerkstatt sprechen. 15.32 Uhr Wir beginnen mit dem Falten eines lebensgroßen Papierpanzers, werden immer wieder zu einer Regenpause, die mit afrikanischem Essen und Gunpowder tea gefüllt wird, gezwungen 17.28 Uhr Der Papierpanzer ist fertig. Es versammeln sich schnell Passanten und Flaneure um das Vehikel, als ein Sanitätswagen des roten Kreuzes bittet, mal eben den Papierpanzer weg zu fahren, da man damit die Feuerwehreinfahrt zum Festivalgelände blockiere. Der Panzer wird daraufhin gemeinschaftlich im Schlosspark vor dem Schloss des Prinzen zur Lippe installiert. Jemand dreht den Geschoßlauf weg vom Portal des Schlosses zur Lippe, ein anderer dreht es wieder an die ursprüngliche Stelle. 17.34 Uhr Jemand berichtet von der aktuellen Ausstellung des Künstlers Christoph Brech im Schloss, in der sich zwei Panzer Rohr an Rohr gegenüber stehen. Diese werden nun vom einem Papiertieger bedroht...   Montag, 16.05.2016 10.07 Uhr Mir kommt der Gedanke, Hassan mit der Leitung des RefugeeOrigamiCampDetmold zu betrauen... 12.13 Uhr Die Köche aus dem Senegal, Gambia und Kongo treffen ein. Sie bereiten in Windeseile den Gunpowder tea zu. Die Gaskocher werden angeworfen, die Zutaten geschnitten und zubereitet. Viele Altdetmolder nehmen das exotische kulinarische Angebot an und spenden Geld für die Köche. Mich beschleicht zum wiederholten Male das Gefühl, überflüssig zu sein. 12.41 Uhr Erda kommt erneut zum Camp, ernimmt sofort das Zubereiten Fladenbrotteiges. Erneut werde ich nicht gebraucht. 14.38 Uhr Ich stelle dem Kulturteam Detmold als Veranstalter des Festivals „Bildstörung“ Hassan Soleymani als neuen Leiter des RefugeeOrigamiCampDetmold vor. Man gratuliert ihm allseits erfreut, ist aber wenig überrascht, hat Hassan doch bereits durch seinen Einsatz die heimliche Leitung des Camps übernommen. 15.18 Uhr Ich verabschiede mich von Hassan. Jeder bedankt sich beim anderen für dieses so ungewöhnliche wie einfache Gründen einer Gemeinschaft, die weit über das Flüchtlingsheim Adenauerstraße hinaus Menschen mit ange- wie einbezogen hat. Bei uns beiden kullern ein paar Tränen die kuturell, religiös und zivilisatorisch so unterschiedlich geprägten Wangen hinunter ...
Refugee Origami Camp Detmold
Sachsenberger Tor Sachsenberger Tor

Sachsenberger Tor



Performance – dauerhafte Installation Orker Straße, Sachsenberg | 2013   Das Sachsenberger Tor wurde von der Bevölkerung Sachsenbergs gemeinschaftlich aus recycelten Ziegeln der lokalen ehemaligen Ziegelei errichtet, um den schönsten Blick auf das nordhessische Dorf zu "rahmen". Beim partizipatorischen Bau des Monumentes wurden Wasserwaagen, Maurerschnüre und Zollstöcke entwendet, nur so konnte krumm und schief gemauert werden. Noch heute wollen manche Ortsansässige die Skulptur deswegen abreissen lassen, andere schützen das Bauwerk aus diesem Grund... Das Sachsenberger Tor steht für den Befreiungsakt des kleinen nordhessischen Dorfes Sachsenbergs. Nachdem ich mich in den ersten Wochen nach meiner Ankunft in meiner neuen Heimat Sachsenberg umgeschaut habe, musste ich feststellen, dass die Menschen, die mich gerufen haben, nicht diejenigen sind, die mich brauchen. So haben genau diese handvoll Menschen bei der StiftungLandschafft für ein halbes Jahr "einen Künstler gewonnen", die die anderen 850 Einwohner des nordhessischen Dorfes bevormunden - Manchmal macht das Beherrschen einiger Fremdworte, manchmal macht ein Doktortitel oder das Herausgeben eines Buches den Unterschied zwischen dem Recht auf Bevormundung und dem auf Entmündigung aus - So sah ich mich mit dem Auftrag ausgestattet, die informelle Hierarchie samt Unterschieden zwischen den selbsternannten Herrschern und dem Volk Sachsenbergs zu bestätigen, zu vergrößern und die Macht der Meinungsführer weiter ausbauen. Das geht natürlich nicht. So kam es schließlich zu unterschiedlichsten Übungen zur Ermächtigung der lokalen Bevölkerung: Von einer Postwurfsendung zur basisdemokratischen Abstimmung über „ein Kunstwerk für Sachsenberg“ zu für die selbsternannte Oberschicht Sachsenbergs anstößigen Skulpturen, die mehrfach umgebaut, zerstört und abgetragen wurden, wie zu Schreikursen zum Umschreien unliebsamer Nachbarn und zum Sachsenberger Tor, dem Symbol zur Befreiung Sachsenbergs von seinen, den größten Teil der Bevölkerung bevormundenden Schreihälsen. Dokumentionen von "Kunst fürs Dorf/Dörfer für Kunst", produziert von ARTE: https://www.dailymotion.com/video/x7n05dk https://www.dailymotion.com/video/x7n08vl https://www.dailymotion.com/video/x7n0cu2 https://www.dailymotion.com/video/x7n03c5 https://www.dailymotion.com/video/x7n2bnk https://www.dailymotion.com/video/x7n2bni
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Performance - Installation Kunst am Moltkeplatz, Moltkeplatz, Essen | 2014   Am 22.06.2013 wurde auf dem Essener Moltkeplatz in Anlehnung an die besondere architektonische wie städtebauliche Bedeutung des gleichnamigen Viertels das lebensgroße Papierhaus "HOrigamiUSE" von Nachbarn, Anwohnern des Skulpturenparks und Mitgliedern des Vereins Kunst am Moltkeplatz e.V., der sich um die permanent installierten Skulpturen des Parks kümmert, gemeinschaftlich aus Karton gefaltet. Die fragile und ephemere Objekt stand ein Jahr lang im Dialog mit den permanent im Skulpturenpark platzierten Skulpturen von Künstlern wie Ulrich Rückriehm, Heinz Breloh u. a., wurde mit der Fertigstellung der Öffentlichkeit übergeben und damit allen äußeren Umständen überlassen. Mit dem Einsetzen der Verwitterung des Papiers und den Spuren von Passanten und Flaneuren entstand ein exemplarischer und am HOrigamiUSE öffentlich ablesbarer Dialog zwischen der Position der Konservierung und Instandsetzung des lebensgroßen Papierhauses und einer dem Material Papier angemessenen öffentlichen Veranschaulichung von Alterungsprozessen und Vergänglichkeit ... IMG_0101 500 x 354 x 426 cm, Karton, Juni 2013 - Mai 2014  

HOrigamiUSE, 132 Seiten, 14,8 x 21 cm

Herausgeber: Kunst am Moltkeplatz KaM e.V. 

Texte: Dr. Sabine Maria Schmidt, Lisa Lambrecht-Wagenitz, Frank Bölter

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Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs

Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs



Performance – temporäre Installation DST-Galerie, Atelierhaus Münster | 2011   Nachdem das Straßenschild "Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs" am Sonntag, den 18.12.2011 installiert wurde, ging das Eigentum an diesem Objekt per Schenkungsurkunde über auf den Bürgermeister der Stadt Münster: SchenkungOberbürgermeisterStadtMünster Nachdem diverse Zeitungen über das längste Straßenschild der Welt berichtet hatten, zahlreiche Besucher nach Münster reisten, um sich vor und mit diesem fotografieren zu lassen, wurde das Kunstwerk am 17.01.2012 von unbekannt entwendet. Gerüchten zufolge soll sich der "Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs" im Partykeller des Oberbürgermeisters der Stadt Münster, Herrn Markus Lewe, befinden.     Nimm die Abkürzung! That‘s the way, aha, aha, I like it KC and the Sunshine Band   Vereinfachend spricht der Volksmund von jeder Namensgebungszeremonie als von einer Taufe; wir wollen nicht abseits stehen und schließen uns dem Sprachgebrauch an, gratulieren also dem kurzen Stück Weg, das unweit des wassergefüllten Grabens rings des Schloßparks von der Münsterschen Hüfferstraße abzweigt, zur Taufe und dem Paten, Frank Bölter, zur Namensfindung. Fürderhin soll dieser erst gepflasterte, dann im Sande verlaufende Fußweg also heißen: „Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs“ So steht es auf dem am 4. Adventssonntag des Jahres 2011 feierlich errichteten Straßenschild. Das in jedweder Hinsicht äußerst bemerkenswert ist. Was als erstes auffällt: Der Pfosten steckt nicht senkrecht im Boden, sondern ist kräftig zur Seite geneigt. Dadurch weist das ganz korrekt in rechten Winkel dazu angebrachte Namensschild steil nach oben. Man ist geneigt, das reflexartig inhaltlich zu deuten, dass nämlich die Wege nach oben, insbesondere die ganz steilen Karrieren, mit dem Straßennamen auffallende Kongruenzen besitzen. Das Raffinierte daran ist natürlich, dass die Betrachtung des Schildes von der anderen Seite – wiewohl sie durch die Positionierung so dicht vor der Hauswand rein imaginär bleiben muß – die umgekehrte Erkenntnis mit sich bringt. Der steile Abstieg ist also vorprogrammiert, wenn auch zunächst nicht sichtbar. Aber auch auf der formalen Ebene ist diese seitliche Neigung des haltenden Pfostens von Belang: Sie stellt nicht nur statisch, sondern auch optisch ein Gleichgewicht her zur enormen Längenausdehnung des Straßenschildes: Trotz der verwendeten Abkürzungen erreicht es das stolze Maß von 2,40 Metern. Dass das scheinbar zufällige Resultat, sowohl der gekippten Positionierung als auch des nur mit Mühe und Not auf das Schild gezwängten Bandwurmnamens, Ergebnis sorgfältiger Planung ist, belegen des Künstlers Vorstudien in Photomontagen und aquarellierten Zeichnungen. Die Abkürzungen auf dem Straßenschild kann man zwar mutwillig missdeuten, aber   eigentlich liest sie in diesem Zusammenhang jeder sofort richtig. Was offenbleibt, ist, an was oder wen man dabei denkt. Klar jedoch auch, dass sich der Mittelteil des Namens, also die „persönliche Bereicherung“, auf alle möglichen Menschen, Teil eins und drei des Namens aber ausschließlich auf die Würdenträger der politischen Kaste beziehen lassen. Alle Jahre wieder ein paar neue. Politische Verfehlungen und Machtmissbrauch sind in der Regel genau die richtigen Methoden, um seinen Namen auf Straßenschilder einschreiben zu dürfen. Denn die Geschichtsschreibung ist schon immer die der Sieger gewesen und sie spiegelt sich in der Benennung von Straßen und Plätzen; da die Namensgebung aber auch von der aktuellen politischen Großwetterlage abhängt (also der jeweils gegenwärtigen Bewertung der geschriebenen Geschichte) und bekanntermaßen nichts so unvorhersehbar ist wie das Wetter, ändern sich diese Benennungen auch von Zeit zu Zeit. Gerade Münster hat mit seinem riesigen Areal des Schloßvorplatzes, der auf den Namen „Hindenburgplatz“ hört, ein Paradebeispiel hierfür. Denn erst vor kurzem wurde eine Kommission berufen, die untersuchen sollte, ob der immer wieder gerne als „Steigbügelhalter Hitlers“ apostrophierte Generalfeldmarschall und Reichspräsident Hindenburg als Namensgeber eines Platzes nach 1945 überhaupt noch tragbar sei. Oder ob er nicht endlich umgetauft gehört. Die Kommission kam zu letzterem Ergebnis. Aber noch zu keinem neuen Namen. Nicht zuletzt das ist ja eine der herausragenden Qualitäten von Frank Bölters Straßenschild: Es könnte viel länger Bestand haben als die meisten anderen, deren man sich ganz schnell wieder so sehr schämt, dass sie eilends umbenannt werden (spätestens nach dem nächsten Kriegsende). Der „Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs“ wird bleiben. Dass der Name einen solch mickrigen, man könnte auch sagen: idyllischen Weg bezeichnet, schmal, gepflastert und wiesengesäumt, bevor er durch ein schmiedeeisernes Tor in ein Parkgelände führt, paßt nicht so recht. Eigentlich müßte, der Länge des Schildes und der Gewichtigkeit seiner Aussage entsprechend, mindestens eine vierspurige Prachtallee so benannt sein. Aber alle haben einmal klein angefangen, auch die Hitlerstraßen und Hindenburgplätze. Dennoch bleibt natürlich die Frage: Bedarf ein solches Schild nicht unbedingt einer behördlichen Genehmigung? Ist das erlaubt, so öffentlich und unverblümt ein Mahnmal aufzustellen, das sich als harmloses Straßenschild tarnt? Das hinterrücks jeden harmlosen Passanten zum wiedererkennenden Kopfnicken oder Kopfschütteln, zu hämischem Lachen oder tiefem Nachdenken veranlassen wird? Ein großes Kunstereignis, wie die Einweihung von Frank Bölters „Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs“ eines war, hat am vierten Adventssonntag in der Provinzmetropole Münster naturgemäß einen überschaubaren Zuschauerkreis. Es fehlten jedoch auch die eigentlich notwendigen, unausgesprochen eingeladenen Festredner, die zu diesem besonderen Zeitpunkt des Jahres 2011 unbedingt Christian Wulff und Dr. plag. Karl-Theodor zu Guttenberg hätten sein müssen, die aber ebenso plötzlich wie vorhersehbar leider verhindert waren. Aber wenn Frank Bölters Idee sich erst einmal durchsetzt (und auf lange Sicht wird sie das ob ihrer Qualität sicher tun), dann kommen besagte Herren bestimmt gerne doch noch einmal zur nächsten festlichen Straßentaufe oder zur Umbenennung der Stalin-, ach nein, der Frankfurter Allee nach Berlin - mit entsprechend viel Schampus und Pressefotografen im Gefolge. Wahrscheinlich werden dazu weder der Künstler noch ich eingeladen. Wir freuen uns trotzdem darauf.   Stephan Trescher
Weg der pol. Verfehlungen, der pers. Bereicherungen und des Machtmissbrauchs
Limes Tower Bad Ems/ Limesturm Bad Ems Limes Tower Bad Ems/ Limesturm Bad Ems

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Performance - Installation Kurpark, Bad Ems | 2011   2011, Pappe/cardboard, 11,5 x 5,5 x 5,5 m Im August 2011 wurde im Kurpark in Bad Ems von Hartz IV-Empfängern gemeinschaftlich eine Kopie eines römischen Limesturmes, des lokalen Wahrzeichens wie UNESCO-Welterbes aus Pappe gebaut. Der Limesturm Bad Ems diente wie andere Wahrzeichen, Denkmäler und den öffentlichen Raum bestimmende Setzungen für 2 Monate lokalen Hochzeitspaaren und Limes-Touristen als Anlaufstelle und Fotohintergrund wie Limesvereinen als Treffpunkt.
Limes Tower Bad Ems/ Limesturm Bad Ems
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Performance - Installation Kunsthalle Mainz | 2012 Schloss Morsbroich, Leverkusen | 2013 Schlossmediale Schloss Werdenberg, Schweiz | 2019   Als Michael Schumacher am 03.08.2012 einen Brief mit der Bitte um Kooperation zur Faltung eines Origami-Boliden nach Konstruktionsplänen seines letzten Formel 1-Modells erhielt, erklärte dieser daraufhin Anfang Oktober 2012 seinen Rücktritt von der Formel 1. Dennoch erklärte er sich bereit, gemeinsam mit mir das langsamste Formular 1-racecar aus Rettungsdecken zu falten. Dieses Objekt wurde daraufhin in der Kunsthalle Mainz, auf dem Parkplatz des Direktors des Museums Schloss Morsbroich, im Künstlerdorf Schöppingen und im Kunstmuseum Bonn präsentiert. Boxenstopp im Museum Schloss Werdenberg/pit stops in Museum Schloss Werdenberg, 2019, Switzerland https://www.youtube.com/watch?v=iLZTEm8JcKk
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Performance – Temporäre Installation Lieux public, Marseille | 2016   Es war der 11. September 2016, als die Festivalbesucher des Festivals Travellings in Marseille die Anweisungen des Künstlers, lebensgroße Papierflieger zum 15. Jahrestag von 9/11 in riesige Origamitürme fliegen zu lassen, ignorierten. Das Publikum entschied sich stattdessen, lieber Himmel und Hölle, Schiffe, Autos und ein Swimming Pool als Symbole des friedlichen urbanen Zusammenlebens zu falten. Sie brachten eigene Vorstellungen und Origami-Faltanleitungen in lebensgroße Modelle, die Handlungsanweisungen des Künstlers permanent missachtend. Nur eine Gruppe von Origamisachverständigen Besuchern faltete am Ende des Festivals einen lebensgroßen Papierpanzer, um den Künstler damit in die Flucht zu jagen...  
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Temporäre Installation - Performance Ausstellungsraum Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft, Bonn | 2016   Anlässlich der Buchpräsentation „Über die Teilhabe in der Kunst – zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ landete am 10. März 2016 um 18 Uhr im Gesellschaftsraum der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft ein Ufo. Über die Teilhabe in der Kunst Zwischen Anspruch und Wirklichkeit Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft (Hg.) Bonn, 2016 136 S. ISBN 978-3-00-052296-3 mit Beiträgen von Ruth Gilberger, Gabriele Oberreuter, Isabel Rith-Magni, Thomas Egelkamp, Guido Meinke und Volker Pohlüke, Olek Witt, Teresa Grünhage, Dorothea Eitel, Reinigungsgesellschaft, Susanne Bosch, Rolf Dennemann, Angela Ljiljanic, André Koernig, Michaela Englert, Amanda Bailey, Anneliese Ostertag, Aude Bertrand, Anne-Katrin Bicher, Gerhard Wolf und Frank Bölter flyingsaucer diagram by John Szinger
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Unsern täglichen Biersud gib uns heute Unsern täglichen Biersud gib uns heute

Unsern täglichen Biersud gib uns heute



Performance, Edition, kleiner Borsigplatz, Dortmund | 2014/2015   "Unsern täglichen Biersud gib uns heute ist eine illegale Bierbrauaktion zur Herstellung von 'Dortmunder Schwarzbräu Premium - Selbstgebraut' zur Wiedererlangung von an die Droge Alkohol abgetretener Verantwortung über die eigene Person"   Tagebucheintrag Notiz 37: Als am Samstag, den 01.03.2015 um 9.17 Uhr mit Volker, Guido und André die nötigen 30 Liter Wasser, zwei Hocker und das Braurezept auf dem kleinen Borsigplatz eintreffen, die zwei Braubottiche und der Gasbrenner aufgestellt und in präsentabler Manier zentral auf dem Platz platziert sind, fallen die ersten Sonnenstrahlen aus heiterem Himmel aus allen Wolken. Als dann auch noch Orhan auftaucht, scheint der Tag einen perfekten Verlauf zu nehmen: Orhan: Ich bin gekommen, um mich zu beschweren. Frank: Aha? Orhan: Ich war letzte Woche schon mal beim Verein Machbarschaft Borsig11, da waren Sie aber nicht da. Die haben gesagt, ich soll heute wieder kommen, da könnte ich mich direkt an Sie wenden. Frank: Ja? Orhan: Ich habe vor einigen Tagen dieses Plakat hier gesehen und frage mich, wie kann man bloß diesen Leuten hier eine solche Aktion zumuten? Das ist doch zynisch. Frank: Meinen Sie das Selberbrauen? Orhan: Ja, wissen Sie denn, wo genau wir hier sind? Frank: Ziemlich genau. Ich habe da drüben bis vor einigen Wochen gewohnt. Orhan: Ich wohne auch da drüben die Straße rein. Frank: Wie schön, dann waren wir ja fast Nachbarn. Orhan: Ja, aber ich bin ja wegen der Beschwerde hier. Meine Frau war übrigens der gleichen Meinung. Sie arbeitet in der Suchthilfe. Frank: Welcher Meinung nochmal? Orhan: Das man so eine Aktion hier auf keinen Fall machen darf. Frank: Aber warum denn nicht? Orhan: Weil das völlig falsch ist. Frank: Was genau? Orhan: Hier auf dem kleinen Borsigplatz trinken so viele Alkoholiker den ganzen Tag lang ihr Bier. Die liegen dann hier manchmal sogar auf der Erde rum. Da fragen Sie sich, ob die noch leben. Das ist doch tragisch genug. Wissen Sie, wieviel Tragik dahinter steckt? Hinter jedem einzelnen, der hier den ganzen Tag rumsitzt und säuft, stecken Suchtkrankenakten, kaputte Familiengeschichten, gescheiterte Laufbahnen und Offenbarungseide. Und jetzt kommen Sie und wollen denen zeigen, wie man selber Bier braut. Frank: Genau. Orhan: Warum denn? Frank: Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Borsigplatz-Leuten und mir. Außer dass ich mich vielleicht mehr fürs Selbermachen interessiere. Also habe ich die Zutaten und ein paar Pötte besorgt und habe ein paar Plakate aufgehängt. Ich hätte auch eine Frage, warum machen Sie das eigentlich nicht? Hier halten Sie kurz die Gerste, ich muss eben … Orhan: Ich bin hier Lokalpolitiker und habe genug zu tun. Frank: Ach so! Orhan: Ja. Und als Politiker muss ich ihnen auch sagen, also so eine Aktion. Ich bin schon jetzt seit Tagen dermaßen wütend und bin froh, dass ich das jetzt loswerden kann. Und meine Frau ist der gleichen Meinung. Ich muss schon sagen, wir haben uns wirklich sehr gewundert über so eine Aktion. Frank: Hm. Wunder ist schon die passende Bezeichnung für das, was hier stattfindet, würde ich sagen. Aber sagen Sie mal, als Lokalpolitiker suchen Sie doch bestimmt den Kontakt zu den Leuten, damit Sie Gelegenheit bekommen, überhaupt bemerken zu können, was die Leute so umtreibt? Orhan: Ja, das ist total wichtig. Sonst sind Sie da im falschen Beruf. Frank: Sind Sie eigentlich nur wegen dieser Aktion heute hier auf den kleinen Borsigplatz gekommen? Orhan: Ja, ich mache sonst immer einen großen Bogen um diesen Platz. Frank: Sehen Sie, genau dafür mache ich diese Aktion. Orhan: Wie meinen Sie das? Frank: Damit Sie hier mal hinkommen. Genau Sie. Orhan: Ich. Wieso? Frank: Meine Aufgabe ist es, Leute zusammenzubringen, die sich sonst niemals begegnen würden. Ich versuche, Situationen wie diese, des gemeinschaftlichen Bierbrauens, zu schaffen, wo Leute zusammenkommen können, die sich sonst eher aus dem Weg gehen. Kommen Sie, ich stelle ihnen mal die Hansa-Export-Truppe da hinten vor. Orhan: Moment mal. Wissen Sie, auf diesem Plakat, da sind ja zwei Trinker abgebildet. Das ist doch die pure Lust am Saufen, die Sie da abbilden. Da vermitteln Sie doch etwas ganz anderes. Damit erreichen Sie doch nicht die Leute, und mich schon gar nicht. Frank: Täusche ich mich, oder sind Sie gerade hier? Orhan: Äh… Ja, stimmt schon, aber…. Meine Frau kommt übrigens auch gerade. Hallo! Frank: Hallo. Frau: Hallo. Orhan: Wir sprechen gerade darüber. Frau: Ja. Orhan: Dieser Mann ist der Veranstalter des Bierbrauens. Frau: Ja. Und was haben Sie sich dabei gedacht? Frank: Dass man ein Stück weit die an die Sucht abgegebene Verantwortung für die eigenen Person durch die beim Selberbrauen gewonnene Portion Selbstermächtigung zurück gewinnt. Frau: Aha,… sehr konfrontationstherapeutisch gedacht. Frank: Sie blicken dem Feind ins Auge. Frau: Ja. Frank: Ja. Frau: Ja. Frank: Ja. Frau: Ich hole mal Zigaretten. Orhan: Ich sehe das Plakat ja immer noch als Aufruf zum Trinken, und weiter nichts. Frank: Aber wir trinken ja nicht. Wir brauen. Wir sind die einzige Gruppe hier auf dem Borsigplatz, die nicht trinkt. Orhan: Ja, aber wenn Sie das Plakat betrachten, dann fühlen Sie sich doch zum Trinken ermutigt. Frank: Ich fühle mich zunächst mal zum Schmunzeln ermutigt. Orhan: Aber auch durch die Aktion bringen Sie den Leuten den Alkohol nahe. Frank: Beim Brauen entsteht noch kein Alkohol, erstmal bringe ich den Leuten eine Zuckerlösung nahe. Ist natürlich auch nicht gesund. Orhan: Aber Sie werben für das freie Trinken. Frank: Durch das Selberbrauen? Das ist ja erst mal ziemlich unfrei, weil Sie was tun müssen. Orhan: Ich glaube nicht, dass Ihr Vorhaben funktioniert, die Leute vom Alkohol weg zu bringen, indem Sie ihnen zeigen, wie schön das Selbermachen ist. Frank: Warum nicht? Orhan: Kann ich mir einfach nicht vorstellen. Frank: Da haben Sie etwas mit dem Leiter einer Suchtberatungsstelle in Dortmund gemeinsam. Der konnte sich das auch nicht vorstellen. Orhan: Sehen Sie! Frank: Naja, der glaubt das auch nicht – er weiß es aber genauso wenig wie Sie und ich. Er sagt, als Mensch könne er diese Herangehensweise verstehen, durchaus sogar unterstützen. Allerdings als Politiker, der er in seiner Position als Leiter der Suchtberatung auch sein müsse, könne er das nicht unterstützen. Orhan: Ach so. Frank: Und genau deswegen gibt’s mich. Ich mache das dann für ihn und für Sie. Als Künstler hat man den schlechten Ruf ja schon verloren, bevor Sie den überhaupt angehängt bekommen. Da lebt es sich bekanntermaßen ganz ungeniert. Dann können Sie auch solche Aktionen machen. Ich betrachte das übrigens als praktische Politik. Ich finde nämlich heraus, ob es nicht doch geht, anstatt zu glauben, es ginge nicht. Orhan: Ich habe ja den Verdacht, dass es Ihnen nur um die Publicity geht und nichts weiter. Sie benutzen die Schicksale der Schwachen für Ihren persönlichen Gewinn. Frank: Persönlicher Gewinn? Wenn ich an Publicity interessiert wäre, hätte ich diese Aktion viel größer beworben. Die Presse kommt übrigens auch nicht. Es hängen ausschließlich hier auf dem Platz Plakate, wie Sie vielleicht gesehen haben. Das heißt, ich bin nur an den Leuten hier selbst interessiert und mache mir sogar die Mühe, bei den Adressaten der Aktion ins Wohnzimmer zu klettern. Genau da befinden wir uns nämlich hier. Außerdem bezahle ich diese Aktion selbst bzw. mit Mitteln des Vereins Machbarschaft Borsig11, muss hier den ganzen Tag rumstehen, und bekomme keinen Cent dafür. Dazu kommen noch allerlei interessante Gespräche wie dieses hier. Das meine ich übrigens ernst. Mir gefällt, dass Sie öffentlich aussprechen, was so mancher denkt. Orhan: Ich muss sagen, diese Aktion ist für mich ein bisschen zu weit links. Frank: Für welche Partei engagieren Sie sich noch gleich. Orhan: Die Linke. Frank: Alles Gute. Als das Wasser vom Gasbrenner endlich auf 55 °C Wasser erhitzt ist, betritt endlich Braumeisterin Jana Erlenkamp den kleinen Borsigplatz und kann die geschrotete Gerste in das Wasser einrühren, bevor Wolfgang auftauchen und behaupten kann, im Knast habe er siebeneinhalb Jahre lang auch immer Bier selber gebraut. Er habe zuhause noch das Rezept. Man fragt nach der Möglichkeit, nach seinem Rezept und unter seiner Anleitung gemeinschaftlich das Dortmunder „Knast-Bier-vom Borsigplatz“ zu brauen. Er zeigt sich einverstanden und verspricht, das Rezept vorbeizubringen. Als der Biersud 70 °C erreicht hat, erscheint Klaus und behauptet, von dieser Aktion des „Dortmunder Schwarzbräu – Selber Brauens“ noch nichts gehört zu haben, allerdings wohne seine Tochter um die Ecke. „Ach?“, staunt Guido Meinke vom Verein Borsig11, um umgehend mit den einladenden Worten: „Dann kannste ja mitbrauen“, zum Mitbrauen einzuladen. Möglicherweise seine Tochter auch?, versucht Guido Meincke mit Geschicklichkeit den Kreis der Brautümler zu vergrößern. „Die mag kein Bier“, stellt Klaus heraus, um sich als Maler und Schauspieler für verschiedene Projekte und Kooperationen ins Gespräch zu bringen. Wir danken für die Information, buchen ihn direkt für die Teilnahme am Bierbrauen und reichen ihm den Braulöffel zum Umrühren des Biersuds. Er beginnt umgehend. Von der Bank gegenüber schallt in leicht bierseliger Manier die Frage: „Wie sieht deine Tochter denn aus?“ an die ungläubigen Ohren der um den heiligen Braualtar versammelten Gemeinde. Als um 10.27 Uhr Katja und Matthes die Braubühne Borsigplatz betreten, scheint sich jemand aus einer Gruppe Hansa Export trinkender Männer daran zu erinnern, dass Katja und Matthes beim letztmaligen Bierbrauen Brötchen, Griebenschmalz und Butter mitbrachten und macht lauthals seinem Glauben an eine baldige Speisung mit den Worten: „Gleich gibt’s watt zu Essen!“ Luft. „Erst später“, antwortet Matthes, bevor Unbekannt erwidert: „Später bin ich vielleicht schon tot“. „Das kommt davon, wenn man sein Bier nicht selber braut!“, bricht es aus dem ehemaligen und überraschend unbekümmert den Borsigplatz betretenden Grundschulkameraden des Künstlers, Jürgen Rump heraus. „Ein Wunder“, behauptet der Künstler, der vorgibt, seinen ehemaligen Schulkameraden seit jener Zeit nicht mehr gesehen zu haben. Jürgen Rump zeigt zum Beweis seiner Existenz seinen Ausweis und behauptet als Bauingenieur in der Gegend gerade eine Baustelle zu betreuen. Von der Bau- sei es ja nicht weit zur Braustelle, erklärt dieser, was dem soeben Erschienenen einen großen Lacherfolg beschert. Er wolle also sein Pausenbier hier abholen, fragt Matthes, um sogleich darauf hinzuweisen, dass hier ja nur gebraut und nicht getrunken werde. Endlich fährt das Ordnungsamt in seinem polizeifarbenen Sprintermodell mit zwei uniformierten Beamten nicht vor, sondern im Schritttempo zweimal um den Borsigplatz herum und in die Wambeler Straße abbiegend langsam am Epizentrum der Weltverbesserungs- und Bekehrungsmaßnahmen, an dem kleinen Borsigplatz vorbei. „Da haben wir ja mal Glück gehabt!“, behauptet jemand der um den heißen Biersud Versammelten. „Warum?“, fragt Vorbrauerin Jana: „Wir brauen doch nur.“ Außerdem sei es schließlich eine Kunstaktion, da sei doch zunächst mal alles erlaubt. Zudem würde man doch brauen – und nicht trinken. „Da haben WIR ja mal Glück gehabt!“, wird von der Gruppe Hansa-Export-Gläubiger mutmaßend korrigiert. Nach diesem Moment größter Erleichterung betreten plötzlich zwei uniformierte Ordnungsbeamte den Bierbrauplatz. Der mit der größten Knasterfahrung und mit einem Ausweis gesegnete Wolfgang zückt diesen reflexartig, um von den staatlichen Autoritäten stehen gelassen und übergangen zu werden. Ordnungsamt: Was machen Sie hier? Klaus: Bier. Ordnungsamt: Warum? Klaus: Ist billiger. Frank: Stimmt nicht. Hansa Export gibt’s da drüben im Kiosk für 32 Cent. Das schaffen wir leider nicht. Hier auf der Rechnung stehen 36, 28 €, wenn man die Lieferkosten von 5,10 € noch dazu nimmt und alles durch die 30 Liter Bier teilt, die es mal werden sollen, kommen wir auf 1,38 € pro Liter. Das sind 46 Cent für 0,3 Liter Bier gegenüber den 32 Cent des Hansa Export. Ich habe aber schon bei der Hansa Brauerei angerufen und nach deren Rezept gefragt, damit wir hier demnächst… Ordnungsamt: Leiten Sie diese Aktion hier? Frank: Ich habe die Plakate aufgehängt, um zu dieser Aktion hier einzuladen. Ordnungsamt: Wie heißen Sie? Frank: Frank. Ordnungsamt: Nachname? Frank: Bölter, aber Sie können mich ruhig duzen. Ordnungsamt: Haben Sie einen Ausweis dabei? Frank: Den habe ich in Sri Lanka im Hotel abgeben müssen, da wir auch Bier ge…. Ordnungsamt: Ist jetzt nicht so wichtig. Können Sie sich irgendwie ausweisen. Frank: Nein. Sie? Ordnungsamt: Wir haben hier unsere Dienstausweise. Frank: Ich habe hier meinen Arbeitsvertrag. Ich arbeite für den Verein Machbarschaft Borsig11, der diverse Kunstaktionen hier im Viertel zum Wiedererwecken des entschlafenen Nachbarschaftsgeistes unternimmt. In diesem Rahmen ist das Bierbrauen eine Aktion. Wie finden Sie die Plakate, die ich aufgehängt habe? Eine andere Aktion machen wir nächste Wo… Ordnungsamt: Trinken Sie denn auch Bier während dieser Aktion? Frank: Nein. Wir brauen nur. Getrunken wird gerade dahinten auf der Bank. Die haben aber mit dieser Aktion hier nichts zu tun. Aber sagen Sie mal, auf dem Borsigplatz wird doch seit über 50 Jahren Bier getrunken. Da kommt das Ordnungsamt doch sonst auch nicht zu Besuch. Warum sind Sie denn ausgerechnet heute hier? Ordnungsamt: Weil zum ersten Mal jemand angekündigt hat, dass er hier Bier trinken will. Frank: ☺ Ordnungsamt: Können Sie hier bitte mal Ihre Adresse und Ihre Telefonnummer eintragen. Auf Wiedersehen, wir überprüfen das dann mal. Volker Pohlüke vom Verein Machbarschaft Borsig11 entgleist mit der Bemerkung, dass man vor lauter interessanten Besuchern gar nicht zur eigentlichen Aufgabe der regionalen Versorgung mit illegalen Kunstaktionen komme. Guido Meinke gleich mit, indem er seine unangebrachte Hoffnung, mit einer Anzeige vom Ordnungsamt viel Publicity erzeugen zu können, in unangemessene Worte kleidet. In diesem Moment brennt der Biersud an und kann nur mühsam rührend vor weiteren Folgeschäden und Anbrennaromen bewahrt werden. Da kommt Elena zum Borsigplatz und fragt interessiert nach unserer Tätigkeit des unorthodoxen Rumlungerns und seinen Beweggründen. Ihr wird kurzerhand die konsumkritische und gemeinsinnstiftende Bedeutung des Selberbrauens in Zeiten des Massenkonsums, der industriellen Massenproduktion und des Umweltkollapses auf zentralen Plätzen dieser unbewussten Menschenmassensteuerung erklärt. Sie zählt kurzerhand, dass offenbar lokal nur acht Personen zu dieser weltanschaulichen Weltbewegung bereit wären, um schließlich festzustellen, dass es sich trotzdem lohnen würde, auch wenn die Aktion 200.000,- € koste, da es sich dabei schließlich um eine fundamentale Veränderung im Bewusstsein des Menschen, im Selbstverständnis, und eben nicht nur auf der Handlungsebene, handeln würde. Der Grundschulkollege Jürgen Rump macht die abschließende Abrechnung mit allem auf und behauptet: „Wenn die Veränderung des Bewusstseins von acht Menschen 200.000,- € kostet bei einer Bevölkerungszahl von knapp 55.000 Menschen in der Dortmunder Nordstadt, würde die Bewusstseinsveränderung der gesamten Dortmunder Nordstadt exakt 11 Milliarden € kosten. Das entspräche doch exakt dem Betrag der EU-Finanzspritzen, die Griechenland in den letzten Jahren erhalten habe. Da könne man doch besser die Dortmunder Nordstadt verändern als Griechenland, so der ehemalige Grundschüler Rump in seiner mehr als anschaulichen Analyse. Elena beendet diesen völlig wirklichkeitsnahen und deswegen komplett uninteressanten Dialog mit der erbosten Bemerkung: „Ich bin Griechin!“. Rezept Dortmunder Schwarzbräu Premium – Selber Brauen: Zutaten für 27-28 Liter Malz 5,5 kg Malz 0,65 kg Dortmunder Malz Typ I 0,21 kg Röstmalz Typ II Hopfen Bitterhopfen 15% 12 gr Northern Brewer 18 gr Tettnanger 4,4 % Ako 12 gr Tettnanger MA Hopfen Hefe 11,5 gr Hefe W3470 Wasser 25 l Hauptguss 15 l Nachguss DortmunderSchwarzbräuPremiumPlakat
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Wir sind das Brot Wir sind das Brot

Wir sind das Brot



Performance - Temporäre Installation Ausstellungsraum St. Paul-Kirche und DG-Galerie, München | 2015 - Eine Achtsamkeitsübung gegenüber Lebensmitteln, unserer Umwelt, der Gemeinschaft und uns selbst - DieGabeModellsw   Innerhalb eines workshops in der St. Paul-Kirche in München wurden von Kindern und Jugendlichen des Viertels gemeinschaftlich 2 überlebensgroße Brote aus Papier gefaltet und in einer „Prozession“ von der St. Paul-Kirche ausgehend durch die Ludwigsvorstadt über die Theresienwiese getragen, um anschließend in der St. Paul-Kirche ab- und zusammen mit einer Videodokumentation der Gemeinschaftsaktion im Rahmen der Ausstellung "Die Gabe" ausgestellt zu werden.           Wir sind das Brot, 2015, Papier, je 720 x 150 x 140 cm, St. Paul München
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To the world´s End To the world´s End

To the world´s End



Performance - Temporäre Installation Hikkaduwa und Colombo, Sri Lanka | 2015 Hastings, GB | 2014 Galoshan's, Grennock, Scottland | 2016   (…) Als ich am 14.01.2015 in Sri Lanka mit meinem Papierschiff in einem Haufen Plastikmüll an den Strand gespült wurde, musste ich mir überlegen wie die Reise weitergehen sollte. An einem Strand, der inzwischen den westlichen Surfern gehört, die dort ihre Wintermonate auf einem Surfbrett verbringen, trifft man nur in den frühen Morgenstunden auf die Fischer, denen der Strand wohl ursprünglich gehörte. So saß ich jeden morgen ab 4.30 Uhr in der Fischerhütte und versuchte den Fischern mit Händen und Füßen und einem kleinen Modell eines Papierschiffes zu erklären, dass sie mir helfen müssen, ein weiteres Papierschiff zu falten, damit ich meine Rückreise nach Deutschland antreten könne. Am 4. Tag holten sie endlich einen Cousin von Babbi, einem der Fischer von Hikkaduwa, der ein bisschen english spricht. Nach weiteren 3 Tagen in der Fischerhütte erklärten sie sich bereit, mir zu helfen. So falteten wir am nächsten Sonntag gemeinsam mit Fischern und Surfern ein 9 m langes Papierschiff. Die Fischer sorgten sich gemeinsam mit den Surfern um die Stabilität des fragilen Vehikels. Damit das Schiff die 8 m hohen Wellen am Strand von Hikkaduwa übersteht, schickten sie einen von ihnen in den Dschungel, um Bambusstäbe zu schlagen, die anschließend in die Bordwände eingefaltet wurden. Jemand anderes brachte Styropor zu Stabilisierung des Bodens. Ein Dritter besorgte ein paar Latten und Sisalseile, um ein Gerüst in die Faltungen einzuschlagen. So konnte die Reise weitergehen (…)    
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Refugee Origami Camp Brussels Refugee Origami Camp Brussels

Refugee Origami Camp Brussels



Performance – Temporäre Installation Place du Beguinage/le petit Château | Festival Signal, Cifas Institut und Festival Kanal, KAAI-Theater, Brüssel | 2014   'Refugee Origami Camp Brussels' war die gemeinschaftliche Faltung von lebensgroßen Papierhäusern in der kunsthandwerklichen Technik des Origami von "legalen und illegalen" Flüchtlingen im politischen Zentrum Europas. Der formalen und inhaltlichen Überdehnung der Origami-Attribute: „kleinformatig, zurückhaltend und kontemplativ“ aus dem Reich des Hobbys entspricht die Ausdehnung der Rolle der Kunst als Mittel zur Sichtbarmachung akuter soziopolitischer Fragestellungen im öffentlichen Raum. 'Refugee Origami Camp Brussels' stellte die Frage an politische Vertreter und die Bürger Europas, welchen Platz wir Flüchtlingen in unserer Gesellschaft einräumen wollen auf zentralen Plätzen im Machtzentrum der Festung Europas. Nach Protesten der Nachbarschaft wurden die Camps geschlossen. Die Bewohner des 'Refugee Origami Camp Brussels' beschlossen daraufhin, die Papierhäuser demonstrativ durch die Innenstadt zum Ufer der "Senne" zu tragen, um von dem die Stadt durchquerenden Abwasserkannal ins Ungewisse deportiert zu werden ...   Refugee_Origami_Camp_Brussels Tagebuch, 38 Seiten, mit Texten von Frank Bölter
Refugee Origami Camp Brussels
Belgrade Wall Belgrade Wall

Belgrade Wall



Performance - temporäre Installation Trg Republike (Platz der Republik), Belgrad | 2009   Zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls in Berlin wurde Belgrad durch eine „über Nacht“ erstellte, monumentale Pappkopie des eisernen Vorhangs auf dem Platz der Republik in Belgrads geteilt. Der Grenzwall, der den nördlichen Teil der Stadt entlang der Mauerachse vom südlichen Teil isolierte, wurde von Bürgern der Stadt aus faltbaren Pappziegeln und Leim errichtet – andere Bürger beteiligten sich, indem sie die Mauer wieder abbauten, Material entwendeten oder anderweitig zu verhindern suchten. Der politischen Situation Deutschlands vor dem Mauerfall am 9.11.1989 entsprechend trennte die Stadt Belgrad das Bollwerk symbolisch in zwei Sektoren. Mit der Fertigstellung des Schutzwalls wurde die Grenze geschlossen, Grenzpolizisten sicherten die Staatsgrenze und informierten über die neue politische Situation Serbiens. Über die Stadt verteilt entstanden von Bürgern der Stadt erbaute weitere Grenzwälle, die von anderen Bürgern wieder abgebaut wurden. An der Mauer kam es zu Demonstrationen der lokalen ANTIFA-Bewegung, zu nationalistischen Versammlungen, Treffen der Kriegsveteranen und Demonstrationen für einen Wiederaufbau der DDR. In den Medien wurde ein Diskurs über weiterhin präsente „Mauern in den Köpfen“ der Bevölkerung im Schmelztiegel des Balkans angestoßen. Die Belgrader Mauer fiel in der Nacht zum 10.11.2009 angeblich durch einen Schneesturm. Tagebuch Der Fall der Belgrader Mauer Grenztagebuch, 158 Seiten, mit Texten von Jutta Gehrig, Dr. Dorothee Bauerle-Willert und Frank Bölter
Belgrade Wall
Frank-Bölter-Weg Frank-Bölter-Weg

Frank-Bölter-Weg



Performance – Temporäre Installation öffentlicher Stadtraum und Schlossplatz, Münster | 2012     Um 11:22 Uhr kam Frank Bölter auf Gleis 17 mit dem Regionalexpress aus Köln in Münster an. Er schulterte sein Schild, das fachgerecht an seiner Schilderstange hing und promenierte die Windhorststrasse hoch, kreuzte die Promenade, den Domplatz, die Frauenstraße, nur um am Schlossplatz einen Weg links vorm Schloss neu zu bezeichnen. Den Frank Bölter Weg. Auf einem Video von Konrad Abeln festgehalten war Bölters Schilderweg in einem beiläufigen Monitor bei Foto Köster zwischen neuen Kameras präsentiert. Es zeigte die freundliche Beihilfe beim Schildergang durch die Punks, die man geläufig auf den Mauern vorm Lackmuseum antrifft, und die ihm das Schild für ein paar Schritte abnahmen. Und sichtbar werden dort die Passanten, die den Weg mitverfolgten und eben das hochselbstverständliche Geschehen einer künstlerischen Aneignung begleiteten. Wem der öffentliche Raum gehört, wird hier unzweifelhaft geklärt - der Kunst im Allgemeinen und Bölter im Speziellen. Seinem eigenen Ruhm voraus eilt die Bezeichnung auf der münsterschen Kartografie. Dass es in Köln bereits einen Bölter Park gibt, soll nur anmerkende und anerkennende Erwähnung finden. Doch weit mehr als die selbstreferentielle Bedeutung der zeichenhaften Intervention in das vorliegende Straßenkataster wiegt das Gewicht, der selbstbeauftragten Handlung. Das sich selbst zugesprochene Recht auf offizielle Bezeichnung wird ent-demokratisiert und radikal individualisiert. Ein Konflikt mit der amtlichen Registratur ist augenfällig und wird von Bölter höflich in Kauf genommen. Frank Bölter gelingt mit seinem Bölter-Weg ein humorvoller Kommentar auf die gerade durch Volksentscheid herbeigeführte Entscheidung zur Umbenennung des Hindenburgplatzes in den Schlossplatz. Er bezieht Stellung, ohne sich politisch zu kaprizieren und ohne das verbal anzuführen. Er stellt den formaljuristischen und demokratischen Weg der Bezeichnungsfindung in Abrede und mit seinem performativen Schildergang durch die Stadt erinnert seine Schulterlast en passant an den Weg Christi nach Golgatha ebenso wie es den aufmerksamen Beobachtern einen freundlichen Anreiz zum Nachdenken gibt. Text: Ruppe Koselleck   Fotos: Konrad Abeln
Frank-Bölter-Weg
Haus – savoir vivre Haus – savoir vivre

Haus - savoir vivre



Performance – Temporäre Installation Im Osteresch 17, Bünde | 2006   Die Nachbarschaft des Bauplatzes Leisniger Straße 17 in der Siedlung Osterschaft in Bünde schuf mit vereinten Kräften in einer 3-wöchigen Bauphase eine Kopie ihrer Eigenheime (Wohnkonzept „Haus Alpha“ der Bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Kreis Herford e.V.) in Originalgröße aus faltbaren Pappelementen. Nicht die zu erstellende Skulptur des Papphauses war das vordergründige Ziel des Projekts, sondern die Kreation eines Nachbarschaftsgeistes in einer ethnisch divers-vielfältigen Siedlung durch einen kollektiv erarbeiteten Erfahrungswert innerhalb einer künstlerischen und damit scheinbar zweckfreien Beschäftigung. In einer nur scheinbar auf individuelle Ansprüche ausgerichteten Baukultur, die auch den Räumen zwischen den „Wohnobjekten“ kaum Beachtung schenkt, wurde ein sozialer und kultureller Zusammenhalt evoziert, der die „Bausünden“ erträglich gestaltete und die Zwischenräume mit sozialem Mörtel füllte. Das Papphaus wurde nach Fertigstellung der Nachbarschaft übergeben und stand mit seiner skulpturalen Erscheinung und seinem Raum spielenden Kindern/Flaneuren/Obdachlosen zur Verfügung. Im architektonischen Dialog mit den „richtigen“ Häusern Alpha hinterliessen Witterungseinflüsse ihre Spuren, wie eine Inbesitzname von spielenden Kindern und anderen. Die Lebenszeit eines typischen Einfamilienhauses war im Zeitraffer wahrnehmbar, das solitäre Papphaus „Haus – savoir vivre“ des neuen Nachbarn schien im Wettbewerb mit dem Kollektiv der „Häusern Alpha“ der Wohnungsbaugesellschaft zu stehen.  
Haus – savoir vivre
LeORIGAMIpard 3 : peacemaker LeORIGAMIpard 3 : peacemaker

LeORIGAMIpard 3 : peacemaker



Performance – Temporäre Installation Julius-Leber-Kaserne, Berlin-Reinickendorf | 2011                                                                                       Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden | 2012     Im Februar 2011 erhielten Unicef, ProAsyl, der deutsche Flüchtlingsrat, The Voice, Karawane und andere öffentliche Flüchtlingsorganisationen eine Einladung zur Teilnahme an einem Kunstprojekt, um auf die immer dringlicher werdende Lage von Flüchtlingen jenseits der üblichen politischen Diskussionsfelder durch die Kunst aufmerksam zu machen. Im Dezember 2010 erhielt der Kommandeur 1. PzDiv. der Bundeswehr in Hannover einen Brief mit der Frage nach dem Interesse einer Kollaboration zwischen Kunst und Militär zur Herstellung des lebensgroßen Faltpanzers "LEOrigamiPARD 3" im fernöstlichen Kunsthandwerk Origami. Anfrage-1.Panzerdivision-Hannover Im Januar 2011 erklärte sich das Bundesministerium der Verteidigung nach einer Einladung zur Projektvorstellung im Bendlerblock in Berlin bereit, das Projekt zu unterstützen und erließ im Anschluss einen Befehl zur Durchführung der Faltübung mit Soldaten der Bundeswehr. BefehlBundesministeriumDerVerteidigung Zunächst wurde nach Möglichkeiten gesucht, das Projekt möglichst öffentlichkeitswirksam durch eine Faltübung von Soldaten vor dem Reichstag zu inszenieren, nachdem in den Medien über eine bevorstehende Leopard 2-Lieferung nach Saudi-Arabien berichtet wurde, verlagerte man den Origami-workshop der Soldaten in die Julius-Leber-Kaserne nach Berlin-Reinickendorf, wo unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Faltungen durchgeführt wurden. Am 9. Juli 2012 wird der LEOrigamiPARD III durch Soldaten der Bundeswehr vor dem Militärhistorischen Museum aufgestellt, wo er im Rahmen der Museumsnacht Dresden am 14. Juli der Öffentlichkeit präsentiert und übergeben wird. Während "LEOrigamiPARd 3" Teil der Sammlung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden wird, wird der von Kriesgsflüchtlingen aus Somalia, Afghanistan und Irak in der alten Desinfectionsanstalt in Berlin-Kreuzberg gefaltete lebensgroße Papierpanzer "Peacemaker" nach Beschwerden der Nachbarn von der Berliner Stadtreinigung entsorgt.     Tagebuch LEOrigamiPARD3-Peacemaker Tagebuch, 138 Seiten, mit Texten von Frank Pergande für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", Britta Senn und Denis Bury für "Das Magazin" und Frank Bölter
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AcropoLinz AcropoLinz

AcropoLinz



Performance – Temporäre Installation Festival der Regionen, Linz - Kulturhauptstadt Europas | 2009  

‚AkropoLinz‘ kopiert, die Bevölkerung des Linzer Stadtteils Auwiesen involvierend, den Bau der Akropolis von Athen als Meisterwerk der griechischen Antike aus Pappe samt der intellektuellen und kulturellen Entfaltungswirkung des fundamentalen europäischen Kulturerbes auf die Bevölkerung des in Verruf geratenen Linzer Stadtteils Auwiesen. Gemäß dem historischen Vorbild wird durch das gemeinschaftliche Errichten der monumentalen Skulptur einerseits versucht, an andere Stadtteile verlorenes städtebauliches wie gesamtkulturelles Terrain durch die Form eines identitätsstiftenden Weltkulturerbes zurückzugewinnen. Linz - Kulturhauptstadt Europas 2009 ist Ausgangspunkt für den Bau der ‚AkropoLinz’ im Rahmen des partizipatorischen Kunst“- Festivals der Regionen 2009, zu dem das Denkmal der Kultivierung und Kolonialisierung Europas mit Hilfe der Bevölkerung geschaffen wird. Demgegenüber steht das beinah widerstandslose Ausliefern des städtebaulichen wie historischen Monuments samt seiner Entstehung und Bedeutung durch die Wahl des fragilen Baumaterials Pappe. So wird die ‚AkropoLinz’ nach seiner Fertigstellung im Erscheinungsbild der beengten 80er Jahre Reihenhaussiedlung von Anwiesen der Öffentlichkeit übergeben und äußeren Einflüssen wie Verwitterung, Vandalismus etc. ausgesetzt. Exemplarisch steht dem kollektiven Kraftakt des Erschaffens einer Riesenskulptur und des kopierten Denkmals die Verwitterung und Ruinierung im Zeitraffer gegenüber.

  Bautagebuch ---------------------------------- 05. Mai 2009: Vorbereitungen Verlegen eines Festzeltparkettbodens als Fundament für die ‚Akropo- Linz‘. Aufstellen eines Bauschildes auf der Baustelle. Bauplatz: Indianerpark an der Bowlinghalle. ---------------------------------- 07. Mai 2009: Der erste Tag ‚Linz 2009 - Kulturhauptstadt Europas‘, baut sein temporäres Weltkulturerbe. Idee und Entwicklung: Frank Bölter und die Bürger von Auwiesen, Linz Realisation: Bürger von Auwiesen, Linz Ort: Tornado Bowlinghalle, Karl-Steiger-Straße Arbeitsbeginn: 7. Mai, 9 Uhr Richtfest: 21. Mai, 16:00 Uhr Mit dem Arbeitsbeginn am Papierbauwerk ‚AkropoLinz‘ an der Karl-Steiger-Straße wird nebenan eine weitere Baustelle eröffnet: ein Basketball- und Fußballplatz inklusive Bandengitterelementen aus Stahl. Auf Nachfrage erklären die dort beschäftigten Bauarbeiter, dass die Vorgängervariante aus Holz selbstverständlich angezündet worden ist. --------------------------------- 08. Mai 2009: Baustelle ‚AkropoLinz‘ eröffnet Anliefern der ersten Pappkartons auf der Baustelle an der Karl-Steiger-Straße. Gegen 10 Uhr, unmittelbar nachdem die ersten Steine gefaltet worden sind, erscheinen die ersten Auwiesener Kinder und fragen, ob sie mithelfen könnten. Sie werden eingeladen, beim Bau der ‚AkropoLinz‘ mitzuwirken. Nach kurzer Einführung in das Pappsteinfalten und der Frage: „Wos is e Akropolis?“, gehen sie engagiert zu werke. „Des is ja Leiwand!“ meint Luigi zu seinen ersten gefalteten Pappsteinen. Es kommen immer mehr Kinder zwischen 7 und 11 Jahren zum Bauplatz und unterweisen sich gegenseitig im Falten der Pappelemente. Dominic, Amel und Mero erweisen sich als besonders geschickt im Umgang mit der Pappe und den anderen Kindern und werden zu Vorarbeitern ernannt. Einige Passanten behaupten, das man ein Pappgebäude im Stadtteil Auwiesen besser nicht errichten sollte, da es sowieso angezündet werden würde. Wahrscheinlich noch heute nacht. Gegen 16.30 Uhr setzt sich ein Mann mit Cowboyhut und Sohn an den Rand der Baustelle und ruft den Mitarbeitern Unverständliches zu. Mit zunehmendem Alkoholgenuss wird seine Sprache für die Zuhörer verständlicher: „Ride on, ride on!“ schallt es aus ihm heraus in Richtung Bauhelferteam. „Keep on watchin‘!“ wird von einem der jungen Bauhelfer auf den Zurufer reagiert. Kurz darauf verschwinden die beiden, um mit einigen Dosen Bier wieder auf dem Baugelände zu erscheinen. Sie werden gebeten, den Tempel zu betreten, Eintrittsgelder wären die soeben erstandenen Naturalien. Wir stoßen an. Eine Unterhalten über die Brennbarkeit von Pappe schließt sich an, immer wieder beendet von einem betrunkenen „Es wird brennen! Brennen wird des! (I woiß es genau.) ---------------------------------- 09. Mai 2009: Playground AkropoLinz Es ist sehr warm heute. Die Baustelle scheint unversehrt. Morgens werden gestanzte Pappsteine auf die Baustelle transportiert. Gegen 10.30 Uhr erscheinen Erhart und Daniel auf der Baustelle: „Geht‘s jetzt weiter?“, wird voller Tatendrang gefragt. Um 11:05 Uhr betreten die gestern zu Vorarbeitern beförderten Mero, Amel und Dominic die Baustelle und entschuldigen sich für das späte Erscheinen, gefolgt von weiteren 5 Kindern, die auch zu Vorarbeitern ernannt werden möchten und umgehend beginnen, Steine zu falten. Sedat, einer der fünf stellt sich und die anderen als tschetschenische Kinder aus dem Haus gegenüber der Straße vor, „Wir wohnen hinter der Akropolis!“ Gegen 15.30 Uhr kommen Ratman und seine Gang auf die Akropolis. Sie nutzen die herumliegenden und soeben von anderen Kindern gefalteten Säulensteine, um damit aufeinander einzuschlagen. Als hätten wir sie gerufen, erreichen plötzlich zwei Polizisten das Akropolisflachplateau. Da die Außenwände bereits relativ hoch aufgemauert sind, können sie jedoch kaum Zeuge des griechischen Dramas auf der ‚AkropoLinz‘ geworden sein. Als jemand ruft: „Fuck, Polizei!“ sind alle ganz schnell verschwunden. Zurück bleiben versehrte Pappsäulenreste. Die Polizei wird auf der Baustelle begrüßt und zeigt sich dem Projekt sehr zugetan: „Was für ein großartiges Projekt, so etwas brauchen wir genau hier in Auwiesen!“ behauptet der männliche Beamte gegenüber seiner Kollegin. Ein Passant, der der Unterhaltung unscheinbar lauscht, gibt später zu Bedenken, dass am Vortag der Rektor der Linzer Kunstuniversität beim Versuch, während einer Demonstration einer der Polizeigewalt gerade zum Opfer fallenden Studentin zu helfen, verhaftet worden sei. „Die müssen jetzt gute Stimmung machen!“. ergänzt er. „Heute Nacht wird‘s bestimmt brennen!“ ruft ein Mann im Vorübergehen einigen Bauhelfern zu. ---------------------------------- 10. Mai 2009: Der Ansturm Vormittag: Es bricht erneut ein sonniger, heißer Tag an. Auf der Baustelle ist alles ruhig. Warten auf Mitarbeiter. Gedanken keimen auf, ob die Auwiesener ihre Akropolis überhaupt wollen. Bisher ist es ein Auwiesener Kinderbauwerk, kein Stadtteilbauwerk. Nach dem gestrigen Stimmungstief tut eine Erholungspause gut. Nachmittag: Nach einigen Versuchen, ein praktikableres Verhüllen der Pappbaustelle bei Regen zu ermöglichen, geben Georg Mitteregger und Johann Waldegger auf. Wir bleiben bei der bisherigen Variante des einfachen Folien-über-alle-Mauern-Werfens. Gegen 16 Uhr kommt plötzlich ein Schaar 14-16jähriger Jugendlicher, die alle mithelfen und in Windeseile 150 Steine falten und den hinteren Tempelbereich aufmauern. Es handelt sich um eine Gruppe regionaler Breakdancer, die sich zum Richtfest einen Auftritt vorstellen kann. Gegen 18.00 Uhr ist der Ansturm vorbei. Wir decken ab. ---------------------------------- 11. Mai 2009: Ice & HipHop in der Akropolis Erneut sehr warm. Vormittags ist wenig los auf der Baustelle. Gegen 15 Uhr kommen ca. 20 Jugendliche in Begleitung dreier junger Erwachsener. Sie stellen sich als Teilnehmer bzw. Veranstalter eines HipHop-workshops vor. Sie erkundigen sich nach dem Bauprojekt und einer möglichen Kooperation und der Perspektive auf der ‚AkropoLinz‘ zu performen. Eine der Teilnehmerinnen erkundigt sich mit einem Eis in der Hand nach dem Sinn der ‚AkropoLinz‘: „Und was macht‘s, wenn‘s regnet?“ Auf die Antwort: „Nichts!“ reagiert sie fragend: „Aber warum macht man dann so etwas überhaupt, wenn es beim ersten großen Unwetter schon wieder zerfällt?“ Die Bemerkung, dass von der Akropolis in Athen schließlich auch nicht viel mehr übrig sei, als man in Linz bereits gebaut hätte, wird mit: „Das ist ja wohl was ganz anderes!“ quittiert. Auf die Frage, was denn von ihrem Eis noch übrig wäre, nachdem sie es aufgegessen hätte, antwortet sie: „Nichts!“. Auf die Bemerkung, dass man vermuten dürfe, dass sie sich sicherlich noch an das Vergnügen beim Eis essen erinnern könne, und dass es sich mit dem Bau der Linzer Akropolis genauso verhielte, kontert sie, sie sei sehr vergesslich. Um 18:00 Uhr kommt der LA-Crime-Gangnachwuchs auf die Baustelle. Anführer Batman wirft die soeben erstellte Pappsäule um. Seine Lakaien folgen ihm, sodass in wenigen Minuten das Tagwerk dem Erdboden gleich gemacht ist. Auf die Frage: "Warum eigentlich?" antwortet ein Kleingangster: "Weiß i ah nit." Auf den Kommentar, dass wir das total super fänden, was sie hier machten, und uns für ihren Beitrag zum Projekt bedanken, schaut er etwas verunsichert. Inzwischen sind alle Säulen zerstört und die Zerstörungslust scheint abgeklungen. "Morgen kommen wir wieder!" schallt eine Drohgebärde in Richtung Bauhelfergruppe. "Es gibt do nix mehr zum duan!" schallt es zurück. ---------------------------------- 12. Mai 2009: Moses & Frau Schmidt 10:20 Uhr Es regnet. Frau Schmidt kommt mit ihrem Hund Moses zum Bauplatz. "Darf ich Ihnen einen Rat geben? Sie müssen die Akropolis einmal richtig nass regnen lassen, dann brennt sie nicht mehr so gut!“ Der Einwand, dass darunter die Stabilität des Bauwerks leiden würde, wird kommentiert: „Jaja, immer diese Stabilität, aber es gibt ja immer 10% der Jugendlichen, die irgendetwas anzünden, und die anderen 90% kommen bestimmt nicht zum Löschen her!“. Moses bellt. Es regnet weiter. Wo bleiben eigentlich die Eltern? Tag für Tag betreten die Kinder den Akropolisspielplatz, manche jeden Tag. Bis auf die Großeltern von Polier Erhart haben sich noch keine erwachsenen Verwandten sehen lassen. Wieder und wieder wird man mit der Frage konfrontiert, was man machte, wenn‘s regnet? Die Antwort: „Pause“, ruft meist Unverständnis hervor. Herr Kürtl bemerkt schlau, dass man in Athen einen klimatisch günstigeren Standort für die Akropolis und damit für das Fundament unserer Kultur gewählt hätte. In Athen eine Akropolis zu bauen, sei allerdings genau deshalb keine Kunst, korrigiert er sich im nächsten Augenblick selbst. „Und aus Stein, wie langweilig!“ wirft Sascha, 11 Jahre, hinterher. ---------------------------------- 13. Mai 2009: Wer soll das denn anstecken? Abendlicher Besuch einer Gruppe Jugendlicher, ca. 17 Jahre alt. „Wer seids denn Ihr?“ wird offensiv das Gespräch eröffnet. Mit „Und was macht’s, wenn’s brennen duat?“ und „Was soll des überhaupt?“ wird das Projekt weiter interessiert untersucht. „Aber im ernst, wenn’s brennt, was mocht’s do?“ wird weiter auf die Beantwortung der scheinbar brisanten Frage bestanden. „Wer soll das denn anstecken? Wir kennen doch mittlerweile jeden Jugendlichen hier. Die haben doch alle schon geholfen, die Akropolis zu bauen.“, geben wir zurück. „Naa!“, erwidert Stephan, „Nit die Jugendlichen, die Erwochsenen stecken’s ohh.“ Nachdem die Akropolis plötzlich von einer Gruppe rauchender Männern bei Mondlicht betreten wird, verlassen die Jugendlichen schnell das Gelände. 13.15 Uhr Frau Magerts nähert sich mit ihrem Hund und zwei Enkeln der Baustelle und verbietet am Zaun stehend den Kindern das Herumlaufen auf der Akropolis. „Das ist a Baustelle! Da dürfens nit sahh. Kommt’s her, sofort!“ ermahnt Fau Magerts. Wir kommen ins Gespräch über Sinn und noch mehr Unsinn des Projekts. Es wird ausgiebig über Brennbarkeit des Materials und die Gefährdung der Jugendlichen und Kinder beim Spiel mit dem Feuer diskutiert. Sie gibt sich erstaunt über den hohen Anteil an hilfsbereiten ‚Ausländern‘ auf der Akropolisbaustelle und berichtet ausgedehnt über die Verhältnisse zwischen Einheimischen und ‚Ausländern’ im Allgemeinen und in Auwiesen im Speziellen. „I konn Ihnen sogn. I bin a oalde Auwies’nerin und bin do geboren. Was sich hier ols verändert hat. Da war einem früher wohler in Auwiesen. Heit wirst nur no beschimpft von die Kinder, vor Allem von die Ausländischen!“, behauptet Sie. Andererseits, so Frau Magerts weiter: „I hob Bosnische Nachbarn. Oslo, die Lait, a Traum!, kann I Ihnen song. Besser als manche Österreicher!" 14.03 Uhr Die Klasse 1e der Hauptschule Kleinmünchen erscheint geschlossen auf dem Bauplatz Nach kurzer Einführung beginnen alle, Pappsteine zu falten. Vom Klassenleiter Herrn Egger werden Achmat und Sedat zum Mauern auf das Gerüst geschickt. Sehr schnell sind im hinteren Tempelbereich des Pantheons zwei Steinreihen an Höhe gewonnen. Sie arbeiten schnell und präzise. 15:37 Uhr Es schließt sich die Klasse 3a von Frau Mittelböck an und übernimmt die Baustelle. Die älteren Schüler benötigen keine Einführung, wenden sich sofort dem fragilen Material zu und falten Pappsteine. Wenige andere Bauhelfer werden von der Baustelle verdrängt. Nach etwa 1,5 Stunden ist das Mauerwerk um einiges in die Höhe gewachsen. in der Höhe geht die Arbeit auf Kosten von Präzision und Stabilität. Bisher ist niemand von den Behörden zur Kontrolle auf der Baustelle erschienen. Am Bauzaun werden Wetten abgeschlossen, wie lange das schiefe Mauerwerk Wind und Wetter trotzen wird. --------------------------------- 17. Mai 2009 Säulenhalle Es wird begonnen, Säulensteine zu falten und zu verkleben. Es geht schneller als erwartet. Als Herr Egger mit einer Kolonne der Klasse 4d der Hauptschule Kleinmünchen erscheint, sind sehr schnell 20 Säulen errichtet und mit dem Dachgebälk des Akropolisportals verbunden. Um 20.30 Uhr bricht ein Hagelsturm über Linz herein. Erfreulicherweise haben wir rechtzeitig die Folien über das Mauerwerk gezogen. Allerdings sind die gerade aufgestellten Säulen gegenüber dem Originalmodell in Athen noch sehr fragil. Der Sturm hält die ganze Nacht über an. Bisher gab es jede Nacht heftige Regenschauer. ---------------------------------- 18. Mai 2009 Portal zerstört Die rechte Hälfte des Säulenportals ist vom Hagelsturm zerstört, nur Bruchteile der ehemaligen Säulen sind wieder zu verwenden. Die linke Hälfte hängt durch die Dachverschränkungen schief nach rechts und senkt sich immer weiter ab. Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann auch sie zusammenbricht. Jedoch wird, als wäre nichts passiert, im hinteren Teil der ‚AkropoLinz‘ munter weiter gebaut. Der vordere Teil wird abgedeckt gelassen bis zum nächsten sonnigen Tag und dann komplett erneuert, so die Vorgabe der Baumeister Mero und Sedat. Es fehlt wieder Holz. Außerdem ist erneut Werkzeug verschwunden. ---------------------------------- 19. Mai 2009 Richtfest vor der Tür Das Wetter scheint stabil. Die linke Hälfte des Säulenportals der Akropolis kann durch den stabilen Neubau der rechten Hälfte mit vereinten Kräften wieder an seine alte Position geschoben werden und steht durch den Zusammenhalt der Dachelemente wieder senkrecht. Es scheinen permanent genügend freiwillige Bauhelfer anwesend zu sein, um die Akropolis bis auf das Dach fertig zu stellen. Es haben sich noch immer keine freiwilligen Erwachsenen oder ältere Jugendliche gemeldet, die wir auf den Rollgerüsten arbeiten lassen können, gemäß den arbeitsschutzrechtlichen Auflagen der Baubehörde der Stadt Linz. Man erzählt sich, die Jugendlichen hätten unweit der Akropolis ein Baumhaus errichtet aus Materialien, aus denen die AkropoLinz gebaut werden sollte - angeblich der erste von Kindern und Jugendlichen selbst und eigenhändig errichtete Spielplatz und Aufenthaltsort im gesamten Stadtraum von Linz. Gegen Abend fehlt Folie zum Abdecken der Akropolis. Diese muss nun unabgedeckt die Nacht überdauern. ---------------------------------- 20. Mai 2009 Giebelportal Es sind immer noch genügend engagiert wirkende Bauhelfer damit beschäftigt, weitere Säulen zu bauen, um die Dachkonstruktion darauf zu setzen. Pavel, Mero und Luigi kümmern sich um das Giebelportal. Einige andere am Festival der Regionen 2009 beteiligten Künstler erklären sich bereit, an der ‚AkropoLinz‘ mit zu bauen. Am Ende des Tages sind der separat gebaute Giebel für das Akropolisportal und die Säulenhalle fertig gestellt. ---------------------------------- 21. Mai 2009 Richtfest und Ruine Am Vormittag wird der Giebel auf das Akropolissäulenportal gehoben. Anschließend wird das Baumhaus der Jugendlichen besichtigt. Es haben ausschließlich die Jugendlichen gebaut, die die anderen Kinder und Jugendlichen beim Bau der ‚AkropoLinz‘ gestört oder verschreckt haben. Wir erkennen das von der Akropolisbaustelle entwendete Material, das fehlende Werkzeug liegt im Baumhaus. Den Jugendlichen wird zum ersten selbst errichteten Baumhaus in Linz gratuliert, diese schauen nicht länger ertappt - sondern überrascht. Es wird im Namen der Stadt Linz zur Fortsetzung ähnlicher Bauvorhaben ermutigt und das Werkzeug hergeschenkt. Danach beginnen die Vorbereitungen für das Richtfest. Es wird ein privater MacDonald‘s eingerichtet, der selbstgemachte MacRopolis-Burger für die Kinder und jugendlichen Bauhelfer anbietet. 16:00 Uhr Richtfest: Nach typisch österreichischer Tradition wird am Giebel der richtfesttauglichen Akropolis ein Baum angebracht: „Auf das dieses Gebäude den nächsten Sturm überstehe!“ lautet der Richtspruch. Anschließend wird das Gebäude zur Besichtigung freigegeben. 22:12 Uhr Gewitter: Die letzten Richtfestgäste sind noch nicht verschwunden, als aus heiterem Himmel ein Gewitter mit Sturmböen von 110 Km/h über der ‚AkropoLinz‘ hereinbricht. Es grollt, blitzt und donnert, Sturmböen erfassen die am Boden befestigten Schutzfolien und reißen sie mit der Akropolis wie ein Segel in die Höhe, die Säulenhalle wird zusammengedrückt, der Giebel stürzt vom Säulenportal, die vom Orkan überraschten letzten Gäste bringen sich in Sicherheit. Die noch anwesenden Bauhelfer versuchen, zu retten, was nicht mehr zu retten ist. Das Gewitter legt sich nach 3 Minuten, unmittelbar nachdem die letzte Säule des temporären Weltkulturerbes gefallen ist. Der Rest ist Regen. ---------------------------------- 22. Mai 2009 Ruine ---------------------------------- 25. Mai 2009 Abtragen der ‚AkropoLinz‘-ruine und Recycling der Pappe.
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