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EWE_6591 yoUFO, Tetra Pak, 650 x 265 cm Anlässlich der Buchpräsentation „Über die Teilhabe in der Kunst – zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ landete am 10. März 2016 um 18 Uhr im Gesellschaftsraum der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft ein Ufo. Über die Teilhabe in der Kunst Zwischen Anspruch und Wirklichkeit Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft (Hg.) Bonn, 2016 136 S. ISBN 978-3-00-052296-3 mit Beiträgen von Ruth Gilberger, Gabriele Oberreuter, Isabel Rith-Magni, Thomas Egelkamp, Guido Meinke und Volker Pohlüke, Olek Witt, Teresa Grünhage, Dorothea Eitel, Reinigungsgesellschaft, Susanne Bosch, Rolf Dennemann, Angela Ljiljanic, André Koernig, Michaela Englert, Amanda Bailey, Anneliese Ostertag, Aude Bertrand, Anne-Katrin Bicher, Gerhard Wolf und Frank Bölter flyingsaucer diagram by John Szinger
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Unsern täglichen Biersud gib uns heute Unsern täglichen Biersud gib uns heute

Unsern täglichen Biersud gib uns heute



Eine illegale Bierbrauaktion zur Herstellung von "Dortmunder Schwarzbräu Premium - Selbstgebraut" zur Wiedererlangung von an die Droge Alkohol abgetretener Verantwortung über die eigene Person IMG_1952 Als am Samstag, den 01.03.2015 um 9.17 Uhr mit Volker, Guido und André die nötigen 30 Liter Wasser, zwei Hocker und das Braurezept auf dem kleinen Borsigplatz eintreffen, die zwei Braubottiche und der Gasbrenner aufgestellt und in präsentabler Manier zentral auf dem Platz platziert sind, fallen die ersten Sonnenstrahlen aus heiterem Himmel aus allen Wolken. Als dann auch noch Orhan auftaucht, scheint der Tag einen perfekten Verlauf zu nehmen: Orhan: Ich bin gekommen, um mich zu beschweren. Frank: Aha? Orhan: Ich war letzte Woche schon mal beim Verein Machbarschaft Borsig11, da waren Sie aber nicht da. Die haben gesagt, ich soll heute wieder kommen, da könnte ich mich direkt an Sie wenden. Frank: Ja? Orhan: Ich habe vor einigen Tagen dieses Plakat hier gesehen und frage mich, wie kann man bloß diesen Leuten hier eine solche Aktion zumuten? Das ist doch zynisch. Frank: Meinen Sie das Selberbrauen? Orhan: Ja, wissen Sie denn, wo genau wir hier sind? Frank: Ziemlich genau. Ich habe da drüben bis vor einigen Wochen gewohnt. Orhan: Ich wohne auch da drüben die Straße rein. Frank: Wie schön, dann waren wir ja fast Nachbarn. Orhan: Ja, aber ich bin ja wegen der Beschwerde hier. Meine Frau war übrigens der gleichen Meinung. Sie arbeitet in der Suchthilfe. Frank: Welcher Meinung nochmal? Orhan: Das man so eine Aktion hier auf keinen Fall machen darf. Frank: Aber warum denn nicht? Orhan: Weil das völlig falsch ist. Frank: Was genau? Orhan: Hier auf dem kleinen Borsigplatz trinken so viele Alkoholiker den ganzen Tag lang ihr Bier. Die liegen dann hier manchmal sogar auf der Erde rum. Da fragen Sie sich, ob die noch leben. Das ist doch tragisch genug. Wissen Sie, wieviel Tragik dahinter steckt? Hinter jedem einzelnen, der hier den ganzen Tag rumsitzt und säuft, stecken Suchtkrankenakten, kaputte Familiengeschichten, gescheiterte Laufbahnen und Offenbarungseide. Und jetzt kommen Sie und wollen denen zeigen, wie man selber Bier braut. Frank: Genau. Orhan: Warum denn? Frank: Ich sehe keinen Unterschied zwischen den Borsigplatz-Leuten und mir. Außer dass ich mich vielleicht mehr fürs Selbermachen interessiere. Also habe ich die Zutaten und ein paar Pötte besorgt und habe ein paar Plakate aufgehängt. Ich hätte auch eine Frage, warum machen Sie das eigentlich nicht? Hier halten Sie kurz die Gerste, ich muss eben … Orhan: Ich bin hier Lokalpolitiker und habe genug zu tun. Frank: Ach so! Orhan: Ja. Und als Politiker muss ich ihnen auch sagen, also so eine Aktion. Ich bin schon jetzt seit Tagen dermaßen wütend und bin froh, dass ich das jetzt loswerden kann. Und meine Frau ist der gleichen Meinung. Ich muss schon sagen, wir haben uns wirklich sehr gewundert über so eine Aktion. Frank: Hm. Wunder ist schon die passende Bezeichnung für das, was hier stattfindet, würde ich sagen. Aber sagen Sie mal, als Lokalpolitiker suchen Sie doch bestimmt den Kontakt zu den Leuten, damit Sie Gelegenheit bekommen, überhaupt bemerken zu können, was die Leute so umtreibt? Orhan: Ja, das ist total wichtig. Sonst sind Sie da im falschen Beruf. Frank: Sind Sie eigentlich nur wegen dieser Aktion heute hier auf den kleinen Borsigplatz gekommen? Orhan: Ja, ich mache sonst immer einen großen Bogen um diesen Platz. Frank: Sehen Sie, genau dafür mache ich diese Aktion. Orhan: Wie meinen Sie das? Frank: Damit Sie hier mal hinkommen. Genau Sie. Orhan: Ich. Wieso? Frank: Meine Aufgabe ist es, Leute zusammenzubringen, die sich sonst niemals begegnen würden. Ich versuche, Situationen wie diese, des gemeinschaftlichen Bierbrauens, zu schaffen, wo Leute zusammenkommen können, die sich sonst eher aus dem Weg gehen. Kommen Sie, ich stelle ihnen mal die Hansa-Export-Truppe da hinten vor. Orhan: Moment mal. Wissen Sie, auf diesem Plakat, da sind ja zwei Trinker abgebildet. Das ist doch die pure Lust am Saufen, die Sie da abbilden. Da vermitteln Sie doch etwas ganz anderes. Damit erreichen Sie doch nicht die Leute, und mich schon gar nicht. Frank: Täusche ich mich, oder sind Sie gerade hier? Orhan: Äh… Ja, stimmt schon, aber…. Meine Frau kommt übrigens auch gerade. Hallo! Frank: Hallo. Frau: Hallo. Orhan: Wir sprechen gerade darüber. Frau: Ja. Orhan: Dieser Mann ist der Veranstalter des Bierbrauens. Frau: Ja. Und was haben Sie sich dabei gedacht? Frank: Dass man ein Stück weit die an die Sucht abgegebene Verantwortung für die eigenen Person durch die beim Selberbrauen gewonnene Portion Selbstermächtigung zurück gewinnt. Frau: Aha,… sehr konfrontationstherapeutisch gedacht. Frank: Sie blicken dem Feind ins Auge. Frau: Ja. Frank: Ja. Frau: Ja. Frank: Ja. Frau: Ich hole mal Zigaretten. Orhan: Ich sehe das Plakat ja immer noch als Aufruf zum Trinken, und weiter nichts. Frank: Aber wir trinken ja nicht. Wir brauen. Wir sind die einzige Gruppe hier auf dem Borsigplatz, die nicht trinkt. Orhan: Ja, aber wenn Sie das Plakat betrachten, dann fühlen Sie sich doch zum Trinken ermutigt. Frank: Ich fühle mich zunächst mal zum Schmunzeln ermutigt. Orhan: Aber auch durch die Aktion bringen Sie den Leuten den Alkohol nahe. Frank: Beim Brauen entsteht noch kein Alkohol, erstmal bringe ich den Leuten eine Zuckerlösung nahe. Ist natürlich auch nicht gesund. Orhan: Aber Sie werben für das freie Trinken. Frank: Durch das Selberbrauen? Das ist ja erst mal ziemlich unfrei, weil Sie was tun müssen. Orhan: Ich glaube nicht, dass Ihr Vorhaben funktioniert, die Leute vom Alkohol weg zu bringen, indem Sie ihnen zeigen, wie schön das Selbermachen ist. Frank: Warum nicht? Orhan: Kann ich mir einfach nicht vorstellen. Frank: Da haben Sie etwas mit dem Leiter einer Suchtberatungsstelle in Dortmund gemeinsam. Der konnte sich das auch nicht vorstellen. Orhan: Sehen Sie! Frank: Naja, der glaubt das auch nicht – er weiß es aber genauso wenig wie Sie und ich. Er sagt, als Mensch könne er diese Herangehensweise verstehen, durchaus sogar unterstützen. Allerdings als Politiker, der er in seiner Position als Leiter der Suchtberatung auch sein müsse, könne er das nicht unterstützen. Orhan: Ach so. Frank: Und genau deswegen gibt’s mich. Ich mache das dann für ihn und für Sie. Als Künstler hat man den schlechten Ruf ja schon verloren, bevor Sie den überhaupt angehängt bekommen. Da lebt es sich bekanntermaßen ganz ungeniert. Dann können Sie auch solche Aktionen machen. Ich betrachte das übrigens als praktische Politik. Ich finde nämlich heraus, ob es nicht doch geht, anstatt zu glauben, es ginge nicht. Orhan: Ich habe ja den Verdacht, dass es Ihnen nur um die Publicity geht und nichts weiter. Sie benutzen die Schicksale der Schwachen für Ihren persönlichen Gewinn. Frank: Persönlicher Gewinn? Wenn ich an Publicity interessiert wäre, hätte ich diese Aktion viel größer beworben. Die Presse kommt übrigens auch nicht. Es hängen ausschließlich hier auf dem Platz Plakate, wie Sie vielleicht gesehen haben. Das heißt, ich bin nur an den Leuten hier selbst interessiert und mache mir sogar die Mühe, bei den Adressaten der Aktion ins Wohnzimmer zu klettern. Genau da befinden wir uns nämlich hier. Außerdem bezahle ich diese Aktion selbst bzw. mit Mitteln des Vereins Machbarschaft Borsig11, muss hier den ganzen Tag rumstehen, und bekomme keinen Cent dafür. Dazu kommen noch allerlei interessante Gespräche wie dieses hier. Das meine ich übrigens ernst. Mir gefällt, dass Sie öffentlich aussprechen, was so mancher denkt. Orhan: Ich muss sagen, diese Aktion ist für mich ein bisschen zu weit links. Frank: Für welche Partei engagieren Sie sich noch gleich. Orhan: Die Linke. Frank: Alles Gute. UnserntaeglichenBiersud1 Als das Wasser vom Gasbrenner endlich auf 55 °C Wasser erhitzt ist, betritt endlich Braumeisterin Jana Erlenkamp den kleinen Borsigplatz und kann die geschrotete Gerste in das Wasser einrühren, bevor Wolfgang auftauchen und behaupten kann, im Knast habe er siebeneinhalb Jahre lang auch immer Bier selber gebraut. Er habe zuhause noch das Rezept. Man fragt nach der Möglichkeit, nach seinem Rezept und unter seiner Anleitung gemeinschaftlich das Dortmunder „Knast-Bier-vom Borsigplatz“ zu brauen. Er zeigt sich einverstanden und verspricht, das Rezept vorbeizubringen. Als der Biersud 70 °C erreicht hat, erscheint Klaus und behauptet, von dieser Aktion des „Dortmunder Schwarzbräu – Selber Brauens“ noch nichts gehört zu haben, allerdings wohne seine Tochter um die Ecke. „Ach?“, staunt Guido Meinke vom Verein Borsig11, um umgehend mit den einladenden Worten: „Dann kannste ja mitbrauen“, zum Mitbrauen einzuladen. Möglicherweise seine Tochter auch?, versucht Guido Meincke mit Geschicklichkeit den Kreis der Brautümler zu vergrößern. „Die mag kein Bier“, stellt Klaus heraus, um sich als Maler und Schauspieler für verschiedene Projekte und Kooperationen ins Gespräch zu bringen. Wir danken für die Information, buchen ihn direkt für die Teilnahme am Bierbrauen und reichen ihm den Braulöffel zum Umrühren des Biersuds. Er beginnt umgehend. Von der Bank gegenüber schallt in leicht bierseliger Manier die Frage: „Wie sieht deine Tochter denn aus?“ an die ungläubigen Ohren der um den heiligen Braualtar versammelten Gemeinde. Als um 10.27 Uhr Katja und Matthes die Braubühne Borsigplatz betreten, scheint sich jemand aus einer Gruppe Hansa Export trinkender Männer daran zu erinnern, dass Katja und Matthes beim letztmaligen Bierbrauen Brötchen, Griebenschmalz und Butter mitbrachten und macht lauthals seinem Glauben an eine baldige Speisung mit den Worten: „Gleich gibt’s watt zu Essen!“ Luft. „Erst später“, antwortet Matthes, bevor Unbekannt erwidert: „Später bin ich vielleicht schon tot“. „Das kommt davon, wenn man sein Bier nicht selber braut!“, bricht es aus dem ehemaligen und überraschend unbekümmert den Borsigplatz betretenden Grundschulkameraden des Künstlers, Jürgen Rump heraus. „Ein Wunder“, behauptet der Künstler, der vorgibt, seinen ehemaligen Schulkameraden seit jener Zeit nicht mehr gesehen zu haben. Jürgen Rump zeigt zum Beweis seiner Existenz seinen Ausweis und behauptet als Bauingenieur in der Gegend gerade eine Baustelle zu betreuen. Von der Bau- sei es ja nicht weit zur Braustelle, erklärt dieser, was dem soeben Erschienenen einen großen Lacherfolg beschert. Er wolle also sein Pausenbier hier abholen, fragt Matthes, um sogleich darauf hinzuweisen, dass hier ja nur gebraut und nicht getrunken werde. Endlich fährt das Ordnungsamt in seinem polizeifarbenen Sprintermodell mit zwei uniformierten Beamten nicht vor, sondern im Schritttempo zweimal um den Borsigplatz herum und in die Wambeler Straße abbiegend langsam am Epizentrum der Weltverbesserungs- und Bekehrungsmaßnahmen, an dem kleinen Borsigplatz vorbei. „Da haben wir ja mal Glück gehabt!“, behauptet jemand der um den heißen Biersud Versammelten. „Warum?“, fragt Vorbrauerin Jana: „Wir brauen doch nur.“ Außerdem sei es schließlich eine Kunstaktion, da sei doch zunächst mal alles erlaubt. Zudem würde man doch brauen – und nicht trinken. „Da haben WIR ja mal Glück gehabt!“, wird von der Gruppe Hansa-Export-Gläubiger mutmaßend korrigiert. Nach diesem Moment größter Erleichterung betreten plötzlich zwei uniformierte Ordnungsbeamte den Bierbrauplatz. Der mit der größten Knasterfahrung und mit einem Ausweis gesegnete Wolfgang zückt diesen reflexartig, um von den staatlichen Autoritäten stehen gelassen und übergangen zu werden. Ordnungsamt: Was machen Sie hier? Klaus: Bier. Ordnungsamt: Warum? Klaus: Ist billiger. Frank: Stimmt nicht. Hansa Export gibt’s da drüben im Kiosk für 32 Cent. Das schaffen wir leider nicht. Hier auf der Rechnung stehen 36, 28 €, wenn man die Lieferkosten von 5,10 € noch dazu nimmt und alles durch die 30 Liter Bier teilt, die es mal werden sollen, kommen wir auf 1,38 € pro Liter. Das sind 46 Cent für 0,3 Liter Bier gegenüber den 32 Cent des Hansa Export. Ich habe aber schon bei der Hansa Brauerei angerufen und nach deren Rezept gefragt, damit wir hier demnächst… Ordnungsamt: Leiten Sie diese Aktion hier? Frank: Ich habe die Plakate aufgehängt, um zu dieser Aktion hier einzuladen. Ordnungsamt: Wie heißen Sie? Frank: Frank. Ordnungsamt: Nachname? Frank: Bölter, aber Sie können mich ruhig duzen. Ordnungsamt: Haben Sie einen Ausweis dabei? Frank: Den habe ich in Sri Lanka im Hotel abgeben müssen, da wir auch Bier ge…. Ordnungsamt: Ist jetzt nicht so wichtig. Können Sie sich irgendwie ausweisen. Frank: Nein. Sie? Ordnungsamt: Wir haben hier unsere Dienstausweise. Frank: Ich habe hier meinen Arbeitsvertrag. Ich arbeite für den Verein Machbarschaft Borsig11, der diverse Kunstaktionen hier im Viertel zum Wiedererwecken des entschlafenen Nachbarschaftsgeistes unternimmt. In diesem Rahmen ist das Bierbrauen eine Aktion. Wie finden Sie die Plakate, die ich aufgehängt habe? Eine andere Aktion machen wir nächste Wo… Ordnungsamt: Trinken Sie denn auch Bier während dieser Aktion? Frank: Nein. Wir brauen nur. Getrunken wird gerade dahinten auf der Bank. Die haben aber mit dieser Aktion hier nichts zu tun. Aber sagen Sie mal, auf dem Borsigplatz wird doch seit über 50 Jahren Bier getrunken. Da kommt das Ordnungsamt doch sonst auch nicht zu Besuch. Warum sind Sie denn ausgerechnet heute hier? Ordnungsamt: Weil zum ersten Mal jemand angekündigt hat, dass er hier Bier trinken will. Frank: ☺ Ordnungsamt: Können Sie hier bitte mal Ihre Adresse und Ihre Telefonnummer eintragen. Auf Wiedersehen, wir überprüfen das dann mal. Volker Pohlüke vom Verein Machbarschaft Borsig11 entgleist mit der Bemerkung, dass man vor lauter interessanten Besuchern gar nicht zur eigentlichen Aufgabe der regionalen Versorgung mit illegalen Kunstaktionen komme. Guido Meinke gleich mit, indem er seine unangebrachte Hoffnung, mit einer Anzeige vom Ordnungsamt viel Publicity erzeugen zu können, in unangemessene Worte kleidet. In diesem Moment brennt der Biersud an und kann nur mühsam rührend vor weiteren Folgeschäden und Anbrennaromen bewahrt werden. Da kommt Elena zum Borsigplatz und fragt interessiert nach unserer Tätigkeit des unorthodoxen Rumlungerns und seinen Beweggründen. Ihr wird kurzerhand die konsumkritische und gemeinsinnstiftende Bedeutung des Selberbrauens in Zeiten des Massenkonsums, der industriellen Massenproduktion und des Umweltkollapses auf zentralen Plätzen dieser unbewussten Menschenmassensteuerung erklärt. Sie zählt kurzerhand, dass offenbar lokal nur acht Personen zu dieser weltanschaulichen Weltbewegung bereit wären, um schließlich festzustellen, dass es sich trotzdem lohnen würde, auch wenn die Aktion 200.000,- € koste, da es sich dabei schließlich um eine fundamentale Veränderung im Bewusstsein des Menschen, im Selbstverständnis, und eben nicht nur auf der Handlungsebene, handeln würde. Der Grundschulkollege Jürgen Rump macht die abschließende Abrechnung mit allem auf und behauptet: „Wenn die Veränderung des Bewusstseins von acht Menschen 200.000,- € kostet bei einer Bevölkerungszahl von knapp 55.000 Menschen in der Dortmunder Nordstadt, würde die Bewusstseinsveränderung der gesamten Dortmunder Nordstadt exakt 11 Milliarden € kosten. Das entspräche doch exakt dem Betrag der EU-Finanzspritzen, die Griechenland in den letzten Jahren erhalten habe. Da könne man doch besser die Dortmunder Nordstadt verändern als Griechenland, so der ehemalige Grundschüler Rump in seiner mehr als anschaulichen Analyse. Elena beendet diesen völlig wirklichkeitsnahen und deswegen komplett uninteressanten Dialog mit der erbosten Bemerkung: „Ich bin Griechin!“. Rezept Dortmunder Schwarzbräu Premium – Selber Brauen: Zutaten für 27-28 Liter Malz 5,5 kg Malz 0,65 kg Dortmunder Malz Typ I 0,21 kg Röstmalz Typ II Hopfen Bitterhopfen 15% 12 gr Northern Brewer 18 gr Tettnanger 4,4 % Ako 12 gr Tettnanger MA Hopfen Hefe 11,5 gr Hefe W3470 Wasser 25 l Hauptguss 15 l Nachguss DortmunderSchwarzbräuPremiumPlakat
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Wir sind das Brot Wir sind das Brot

Wir sind das Brot



- Eine Achtsamkeitsübung gegenüber Lebensmitteln, unserer Umwelt, der Gemeinschaft und uns selbst - DieGabeModellsw Innerhalb eines workshops in der St. Paul-Kirche in München wurden von Kindern und Jugendlichen des Viertels gemeinschaftlich 2 überlebensgroße Brote aus Papier gefaltet und in einer „Prozession“ von der St. Paul-Kirche ausgehend durch die Ludwigsvorstadt über die Theresienwiese getragen, um anschließend in der St. Paul-Kirche ab- und zusammen mit einer Videodokumentation der Gemeinschaftsaktion im Rahmen der Ausstellung "Die Gabe" ausgestellt zu werden. WirSindDasBrot1 Wir sind das Brot, 2015, Papier, je 720 x 150 x 140 cm, St. Paul München
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to the world´s end to the world´s end

to the world´s end



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Refugee Origami Camp Brussels Refugee Origami Camp Brussels

Refugee Origami Camp Brussels



August/September 2014, Place du Beguinage/Le petit Château Festival Signal - urban interventions, Festival Kanal - playground performative installation of folded paper houses in the center of the city of Brussels performative Installation von faltbaren Papierhäusern im Stadtraum von Brüssel RefugeeOrigamiCampBrussels was the collaborative action, in which legal and illegal refugees collectivley folded life-sized paper houses with the hand-craft technique of origami in the political center of Europe. This overexpansion, in both form and content, of the hobby attributes of origami (“small-scale, reserved and contemplative”), is fully in keeping with the expansion of the role of art as a means of revealing acute sociopolitical issues within public spaces. RefugeeOrigamiCampBrussels confronted political representatives and citizens of Europe with the question: What place are we willing to grant to refugees in the public spaces of this power center of the European fortress? The camps were closed subsequent to protests on the part of the neighborhood. The inhabitants of OrigaminRefugeeCampBrussels then decided to demonstrativley carry the paperhouses through the inner city to the river Senne, to have them deported on a journey into the unknown via the sewage canal that flows through the city ... RefugeeOrigamiCampBrussels war die gemeinschaftliche Faltung von lebensgroßen Papierhäusern in der kunsthandwerklichen Technik des Origami von legalen und illegalen Flüchtlingen im politischen Zentrum Europas. Der formalen und inhaltlichen Überdehnung der Origami-Attribute: „kleinformatig, zurückhaltend und kontemplativ“ aus dem Reich des Hobbys entspricht die Ausdehnung der Rolle der Kunst als Mittel zur Sichtbarmachung akuter soziopolitischer Fragestellungen im öffentlichen Raum. OrigaminRefugeeCampBrussels stellte die Frage an politische Vertreter und die Bürger Europas, welchen Platz wir Flüchtlingen in unserer Gesellschaft einräumen wollen auf zentralen Plätzen im Machtzentrum der Festung Europas. Nach Protesten der Nachbarschaft wurden die Camps geschlossen. Die Bewohner des OrigaminRefugeeCampBrussels beschlossen daraufhin, die Papierhäuser demonstrativ durch die Innenstadt zur Senne zu tragen, um von dem die Stadt durchquerenden Abwasserkannal ins Ungewisse deportiert zu werden ...  
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Belgrade Wall Belgrade Wall

Belgrade Wall



Zum 20-jährigen Jubiläum des Mauerfalls in Berlin wurde Belgrad durch eine „über Nacht“ erstellte, monumentale Pappkopie des eisernen Vorhangs auf dem Platz der Republik in Belgrads geteilt. Der Grenzwall, der den nördlichen Teil der Stadt entlang der Mauerachse vom südlichen Teil isolierte, wurde von Bürgern der Stadt aus faltbaren Pappziegeln und Leim errichtet – andere Bürger beteiligten sich, indem sie die Mauer wieder abbauten, Material entwendeten oder anderweitig zu verhindern suchten. Der politischen Situation Deutschlands vor dem Mauerfall am 9.11.1989 entsprechend trennte die Stadt Belgrad das Bollwerk symbolisch in zwei Sektoren. Mit der Fertigstellung des Schutzwalls wurde die Grenze geschlossen, Grenzpolizisten sicherten die Staatsgrenze und informierten über die neue politische Situation Serbiens. Über die Stadt verteilt entstanden von Bürgern der Stadt erbaute weitere Grenzwälle, die von anderen Bürgern wieder abgebaut wurden. An der Mauer kam es zu Demonstrationen der lokalen ANTIFA-Bewegung, zu nationalistischen Versammlungen, Treffen der Kriegsveteranen und Demonstrationen für einen Wiederaufbau der DDR. In den Medien wurde ein Diskurs über weiterhin präsente „Mauern in den Köpfen“ der Bevölkerung im Schmelztiegel des Balkans angestoßen. Die Belgrader Mauer fiel in der Nacht zum 10.11.2009 angeblich durch einen Schneesturm.   BelgradeWall1 DSC_6721 DDRDemoBelgrad BelgradeWall10.11.2009
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Frank-Bölter-Weg Frank-Bölter-Weg

Frank-Bölter-Weg



Um 11:22 Uhr kam Frank Bölter auf Gleis 17 mit dem Regionalexpress aus Köln in Münster an. Er schulterte sein Schild, das fachgerecht an seiner Schilderstange hing und promenierte die Windhorststrasse hoch, kreuzte die Promenade, den Domplatz, die Frauenstraße, nur um am Schlossplatz einen Weg links vorm Schloss neu zu bezeichnen. Den Frank Bölter Weg. Auf einem Video von Konrad Abeln festgehalten war Bölters Schilderweg in einem beiläufigen Monitor bei Foto Köster zwischen neuen Kameras präsentiert. Es zeigte die freundliche Beihilfe beim Schildergang durch die Punks, die man geläufig auf den Mauern vorm Lackmuseum antrifft, und die ihm das Schild für ein paar Schritte abnahmen. Und sichtbar werden dort die Passanten, die den Weg mitverfolgten und eben das hochselbstverständliche Geschehen einer künstlerischen Aneignung begleiteten. Wem der öffentliche Raum gehört, wird hier unzweifelhaft geklärt - der Kunst im Allgemeinen und Bölter im Speziellen. Seinem eigenen Ruhm voraus eilt die Bezeichnung auf der münsterschen Kartografie. Dass es in Köln bereits einen Bölter Park gibt, soll nur anmerkende und anerkennende Erwähnung finden. Doch weit mehr als die selbstreferentielle Bedeutung der zeichenhaften Intervention in das vorliegende Straßenkataster wiegt das Gewicht, der selbstbeauftragten Handlung. Das sich selbst zugesprochene Recht auf offizielle Bezeichnung wird ent-demokratisiert und radikal individualisiert. Ein Konflikt mit der amtlichen Registratur ist augenfällig und wird von Bölter höflich in Kauf genommen. Frank Bölter gelingt mit seinem Bölter-Weg ein humorvoller Kommentar auf die gerade durch Volksentscheid herbeigeführte Entscheidung zur Umbenennung des Hindenburgplatzes in den Schlossplatz. Er bezieht Stellung, ohne sich politisch zu kaprizieren und ohne das verbal anzuführen. Er stellt den formaljuristischen und demokratischen Weg der Bezeichnungsfindung in Abrede und mit seinem performativen Schildergang durch die Stadt erinnert seine Schulterlast en passant an den Weg Christi nach Golgatha ebenso wie es den aufmerksamen Beobachtern einen freundlichen Anreiz zum Nachdenken gibt. Text: Ruppe Koselleck
Frank-Bölter-Weg
Haus – savoir vivre Haus – savoir vivre

Haus - savoir vivre



2006, cardboard, glue/Pappe, Leim, 980 x 890 x 975 cm   In a concerted effort, the neighborhood of the construction zone at Leisniger Straße 17 in der Osterschaft housing estate in Bünde made an original-sized copy of their private homes (the Building and Housing Cooperative for Herford County e. V.’s “House Alpha” residential project) out of cardboard. The construction project took three weeks. The chief objective of the project was not to sculpt a house made of cardboard, but rather to create a sense of neighborhood solidarity in an ethnically diverse settlement through the experience of a collective sense of achievement attained within the setting of an artistic and hence seemingly purpose-free activity. In a building culture that only seems to be oriented toward individual needs, one that lends hardly any attention to the spaces between the “housing objects”, a cohesion was reached that was both social and cultural in nature, and that fashioned the architectural eyesores in a more or less bearable way, filling the spaces in between with social mortar. Upon its completion, the cardboard house was presented to the neighborhood and thus this sculptural and spatial phenomenon was placed at the disposal of playing children, flaneurs, and homeless persons. In architectural dialog with the “right” Alpha Houses the elements made their mark, as did its occupation by playing children and others. The life-span of a typical single family home was visible in time lapse photography. The new neighbor’s solitary cardboard house “House – savoir vivre” seemed to compete with the collective of the housing association’s “Alpha Houses”. Die Nachbarschaft des Bauplatzes Leisniger Straße 17 in der Siedlung Osterschaft in Bünde schuf mit vereinten Kräften in einer 3-wöchigen Bauphase eine Kopie ihrer Eigenheime (Wohnkonzept „Haus Alpha“ der Bau- und Siedlungsgenossenschaft für den Kreis Herford e.V.) in Originalgröße aus faltbaren Pappelementen. Nicht die zu erstellende Skulptur des Papphauses war das vordergründige Ziel des Projekts, sondern die Kreation eines Nachbarschaftsgeistes in einer ethnisch divers-vielfältigen Siedlung durch einen kollektiv erarbeiteten Erfahrungswert innerhalb einer künstlerischen und damit scheinbar zweckfreien Beschäftigung. In einer nur scheinbar auf individuelle Ansprüche ausgerichteten Baukultur, die auch den Räumen zwischen den „Wohnobjekten“ kaum Beachtung schenkt, wurde ein sozialer und kultureller Zusammenhalt evoziert, der die „Bausünden“ erträglich gestaltete und die Zwischenräume mit sozialem Mörtel füllte. Das Papphaus wurde nach Fertigstellung der Nachbarschaft übergeben und stand mit seiner skulpturalen Erscheinung und seinem Raum spielenden Kindern/Flaneuren/Obdachlosen zur Verfügung. Im architektonischen Dialog mit den „richtigen“ Häusern Alpha hinterliessen Witterungseinflüsse ihre Spuren, wie eine Inbesitzname von spielenden Kindern und anderen. Die Lebenszeit eines typischen Einfamilienhauses war im Zeitraffer wahrnehmbar, das solitäre Papphaus „Haus – savoir vivre“ des neuen Nachbarn schien im Wettbewerb mit dem Kollektiv der „Häusern Alpha“ der Wohnungsbaugesellschaft zu stehen.   RuinePapphaus Haus-savoirvivre3
Haus – savoir vivre
Peacemaker : LEOrigamiPARD 3 Peacemaker : LEOrigamiPARD 3

Peacemaker : LEOrigamiPARD 3



Im Februar 2011 erhielten Unicef, ProAsyl, der deutsche Flüchtlingsrat, The Voice, Karawane und andere öffentliche Flüchtlingsorganisationen eine Einladung zur Teilnahme an einem Kunstprojekt, um auf die immer dringlicher werdende Lage von Flüchtlingen jenseits der üblichen politischen Diskussionsfelder durch die Kunst aufmerksam zu machen. Im Dezember 2010 erhielt der Kommandeur 1. PzDiv. der Bundeswehr in Hannover einen Brief mit der Frage nach dem Interesse einer Kollaboration zwischen Kunst und Militär zur Herstellung des lebensgroßen Faltpanzers "LEOrigamiPARD 3" im fernöstlichen Kunsthandwerk Origami. Im Januar 2011 erklärte sich das Bundesministerium der Verteidigung nach einer Einladung zur Projektvorstellung im Bendlerblock in Berlin bereit, das Projekt zu unterstützen und erließ im Anschluss einen Befehl zur Durchführung der Faltübung mit Soldaten der Bundeswehr. Zunächst wurde nach Möglichkeiten gesucht, das Projekt möglichst öffentlichkeitswirksam durch eine Faltübung von Soldaten vor dem Reichstag zu inszenieren, nachdem in den Medien über eine bevorstehende Leopard 2-Lieferung nach Saudi-Arabien berichtet wurde, verlagerte man den Origami-workshop der Soldaten in die Julius-Leber-Kaserne nach Berlin-Reinickendorf, wo unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Faltungen durchgeführt wurden. Am 9. Juli 2012 wird der LEOrigamiPARD III durch Soldaten der Bundeswehr vor dem Militärhistorischen Museum aufgestellt, wo er im Rahmen der Museumsnacht Dresden am 14. Juli der Öffentlichkeit präsentiert und übergeben wird. Während "LEOrigamiPARd 3" Teil der Sammlung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden wird, wird der von Kriesgsflüchtlingen aus Somalia, Afghanistan und Irak in der alten Desinfectionsanstalt in Berlin-Kreuzberg gefaltete lebensgroße Papierpanzer "Peacemaker" nach Beschwerden der Nachbarn von der Berliner Stadtreinigung entsorgt. 6 _MG_1909 _MG_0168 2 IMG_0003 IMG_0476 IMG_0707 IMG_0746
Peacemaker : LEOrigamiPARD 3
AcropoLinz AcropoLinz

AcropoLinz



AcropoLinz, 2009 Cardboard, 24,35 x 10,6 x 5,10 m, scale approx. 1:2 AcropoLinz, 2009 Pappe, 24,35 x 10,6 x 5,10 m, Maßstab ca. 1:2 „AcropoLinz“ is a cardboard copy of the ancient Greek architectural masterpiece of the Akropolis‘s Parthenon in Athens. Its purpose is to impart the intellectual and cultural influence of fundamental European cultural assets to the population of the disreputable Linz suburb of Auwiesen. The historical role model seeks to regain lost terrain of urban architectural and universal cultural significance. Linz’s status as the European Cultural Capital City for the year 2009 is a fitting occasion for the replica “AcropoLinz” – a cardboard symbol of Europe’s very first Cultural Capital City in the context of the “Festival of the Religions 2009”. The position of the generous cardboard sculpture constructed by the city’s own residents stands in stark contrast to the visual manifestation of the cramped row house settlement in Linz Auwiesen. Once the constructuion of the Acropolis has been completed, this monument will be left to the public and exposed to external influences such as the elements and vandalism. The collective feat of creating this gigantic sculptural replica of an ancient momument will be pitted against fast-motion erosion and ruin. "AcropoLinz" kopiert als partizipatorisches Kunstprojekt, die Bevölkerung des Linzer Stadtteils Auwiesen involvierend, den Bau der Akropolis von Athen als Meisterwerk der griechischen Antike aus Pappe und intendiert die intellektuelle und kulturelle Entfaltungswirkung des fundamentalen europäischen Kulturguts auf die Bevölkerung des in Verruf geratenen Stadtteils. Gemäß dem historischen Vorbild wird durch den gemeinschaftlichen Bau der temporären Riesenskulptur versucht, an andere Stadtteile verlorenes städtebauliches wie gesamtkulturelles Terrain durch das siedlungsidentitätsstiftende Bauprojekt eines temporären Weltkulturerbes, in der durch die 80er Jahre Reihenhausarchitektur atmosphärisch geprägten Siedlung, zurückzugewinnen. Linz - Kulturhauptstadt Europas 2009 ist Ausgangspunkt für den Bau der Akropolis Linz aus Pappe im Rahmen des partizipatorischen Kunst-Festivals der Regionen 2009, zu dem das temporäre Denkmal der Kultuvierung und Kolonialisierung Europas mit Hilfe der Bevölkerung geschaffen wird. Dem Erscheinungsbild der beengten, 80er Jahre Reihenhaussiedlung der Auwiesen steht an exponierter Stelle die großzügige Pappskulptur gegenüber. Nach der Fertigstellung der Akropolis Linz wird das Denkmal der Öffentlichkeit übergeben und Ãußeren Einflüssen wie Verwitterung, Vandalismus etc. ausgesetzt. Der kollektive Kraftakt des Erschaffens einer Riesenskulptur und des kopierten Denkmals steht die Verwitterung und Ruinierung im Zeitraffer gegenüber. Tagebuch ModellAkropoLinz, 2009, Pappe, 69,51 x 30,89 x 13,72 cm Festival der Regionen 2009 Festival der Regionen 2009
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